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Presse-Information:
Dietmar Moews, Springe:
"Mobiles Büro für Lichtgeschwindigkeit"

vom 31. Januar 2005
(hier Text als pdf-Datei herunterladen)

Interview mit Dietmar Moews in Springe "Blick in die Zukunft der Neuen Sinnlichkeit"
vom 17. Januar 2005

Mehr Multirollen und geschmierte Tickets der Parteipolitiker, 13. Januar 2005

Die VerJensGiebelung des Privaten, die Verpitbullung der Amtstuben und die Verhamburgerung des Marktes, 16. März 2000
(hier Text als pdf-Datei herunterladen)

Flutwelle, Hilfswelle, Westerwelle, 7. Januar 2005

Neujahrswünsche 2005:
Reformbedarf der Parteien im Föderalismus
Geschmierte Tickets der Parteipolitiker
Internet nicht fürs Parteifernsehen



Offener Leserbrief zur ganzen oder teilweisen Veröffentlichung
An die Neue Deister Zeitung D-31832 Springe

Heilige Leistungsschwäche - wie lange wird in Springe noch klagend vom "Kaputtsparen" der Kultur geredet? Wie kommen selbsternannte Kulturschaffende zu der Aussage: "Künstler sind heute nichts wert", wie kürzlich in der NDZ?

Ohne jemand persönlich herabwürdigen zu wollen, bitte ich doch - als Berufskünstlerkollege und als Soziologe - zur Kenntnis zu nehmen:
  1. Publikumsverurteilung ist der falsche Weg
  2. Wertschätzung geht von Werken, Leistungen und Sozialität aus, aber nicht als Unterwerfung des Publikums von leeren Behauptungen der Künstler
  3. Es gibt unter den heute lebenden wie unter den vergangenen Künstlern geliebte und geschätzte, wenn den Leuten die Kunst was bietet, sei es Geselligkeit oder Kerzenschein
  4. Die Vermengung von hochwertiger und preisgünstiger Kunstware aus der Industrie mit handgemachter Leistungsschwäche und vorgetäuschtem Geheimwissen, in zahlreichen Springer Kunstdarbietungen, führt zu Abwertung des Kunstberufs und sollte nicht noch aus staatlichen Kassen finanziert werden
  5. Das Kultur- und Kunstförderungsgebot ist für den Staat - auf allen föderalen Ebenen - eine freiwillige Aufgabe. Dabei sind die staatlichen Stellen dazu verpflichtet, keine Kunst- und Werturteile zu fällen. Ferner verlangen die Rechtsvorschriften Überparteilichkeit, Stilpluralismus und Vielfalt. Eine Ausnahme ist die offiziale Kunstindienstnahme
  6. Tatsächlich - so sagt die letzte Kultur-Enquete - verhalten sich begehrliche Künstler und Kunstfunktionäre arschkriecherisch gegenüber den Kunstpolitikern, anstatt durch hohe Leistungen dem Publikum gerecht zu werden oder schwierigere Werke zu erklären
  7. Die Auslagerung von Staatsaufgaben in Vereine, Verbände, Gremien und Jurys, ist verfassungswidrig und verschleiert die offiziale Mittelvergabe.
  8. Kunstgeld gebende Politiker lassen sich den Hof machen und lassen die Förderungsempfänger an den Wählern vorbeitanzen. Wenn dann zu wenig Bier verkauft wurde, war die Musik schlecht
mit den besten Wünschen
Ihr Dr. Dietmar Moews, 15. September 2004


Sloterdijk das Mängelwesen
Sloterdijks zur Diskussion gestellte, Projekt genannte Hauptwerk, Sphären, drei Bände: Blasen. Globen. Schäume. leiden an der mutwilligen Konsonanz zum veröffentlichten Zeitgeist von 2004. Der von der Kulturindustrie mit der Rolle des "Vordenkers" versehene philosophiegeschichtliche Schriftsteller Peter Sloterdijk, Professor und Rektor des ZKM, Karlsruhe, forderte, es soll jemand "im Fernsehen fünf Minuten Intelligenz demonstrieren" und er beklagte, "die Musikalisierung der Öffentlichkeit". Wendet man diese Kategorien auf den "Sphärendenker" Sloterdijk und sein Projekt an, fallen wechselbalgige Nichtzuendegedachtheiten dem guten Willen des Lesers in seine demütigen Lesermühen von 2565 Seiten.

Sloterdijk sagte im Interview des Rheinischen Merkur Nr. 26, 2004: "Der Mensch ist zum Feiern geschaffen" und setzt statt des fragwürdigen "Mensch als Mängelwesen" Arnold Gehlens, im Sinn der anthropomorphen Instinktunsicherheit, den "Mensch als Luxuswesen". Damit liefert Sloterdijk selbst einen Beitrag zur "Musikalisierung" aber eben nicht zur "Intelligenzdemonstration". Es fehlen Sloterdijk handwerkliche Kenntnisse der empirischen Soziologie, aus seinem "poetischen Musikalisieren" zu gültigen Sätzen gelangen zu können. Sloterdijk lässt seine Blasen in dem Eindruck schwimmen, es gäbe keine gültigen Sätze, setzt aber voraus, "... wie Menschen es fertig bringen, ihr Zusammensein mit einer überwältigenden Fülle von außermenschlichen und mitmenschlichen Tatsachen - (das wären wohl Sätze, Sätze Anm. d. Red.) - zu meistern. Man ist ja nie nur bei sich selbst, immer auch bei anderen Menschen, bei Dingen und Umständen... Ich formuliere die Grundfrage der Philosophie, die Frage nach dem Sein, als 'Zusammenseinsfrage'. In Sphären wird die Geschichte der Seelenerweiterung des Menschen erzählt."

Wie musikalisch unintelligent hier Sloterdijk die "Zusammenseinsfrage", das ist die Frage von Soziologie überhaupt, zur Grundlage seiner Philosophie hinstellt, wird dann an Mutmaßungen statt an wissenschaftliche Empirik geknüpft, wie zu den Wolkenkuckucksheimen der "Seelenerweiterung" und von "animistischen" Mutmaßungen des Autors: "Der Mensch ist zum Feiern geschaffen" kollidiert gewissermaßen im Wirklichkeitssinn mit Goethes "saure Wochen, frohe Feste".

Kann es sein, dass Sloterdijk das baghwanische, und in der us-amerikanischen Verfassung geforderte Recht auf Glücklichsein die Sicht darauf verstellt? Bis heute wurden weder von Anthropologie noch von der Soziologie ein Mensch oder Menschen im Sozialbezug in Dauerplateauphase angetroffen. Ja, wäre der Feiermensch nicht das Mängelwesen? Statt unserer tatsächlichen Menschen, die von ihrer Trieborientierung bedingte Tragiker nur sein können. Denen was zu denken zu geben, wäre ein wünschenswertes Projekt. Die Voraussetzung hat in Sloterdijk in seinen Sphären zumindest bereits ausgesprochen, wenngleich ignoriert: die soziologische "Zusammenseinsfrage". Das müsste nun die Debatte bringen.

Dr. Dietmar Moews, 23. Juli 2004


Leserbrief zum Thema
"EU-Verfassungsdebatte und das christliche Abendland"

An die
Redaktion Neuen Deister Zeitung
in Springe

Mein Gott, Frau Merkel, wir hören so viel. Jetzt fordern Sie, "christliches Abendland" in die EU-Verfassung hineinzuschreiben. Ich danke der NDZ für die liberale Themenfreudigkeit und den Leserinnen und Lesern für ihre aktive Teilnahme durch Meinungsäußerung und Leserbriefe. Die Europapolitik hat für alle Deutschen große Wirkungen in der Mitmenschlichkeit, in den Gelddingen und für die gute Laune der Europäer. Über kommende unerwünschte Änderungszwänge in der EU wird noch zu wenig aufgeklärt. Stattdessen sagte die CDU-Führerin Angela Merkel im Bundestag: "Nach 200 Jahren bin ich nicht unoptimistisch" (sic!), dass es gelingen kann, das Christentum in der EU-Verfassung festzuschreiben.

Ich bin mit drei Hauptgründen gegen diese Forderung von Angela Merkel, und dafür, dass die EU-Verfassung weltlich-rechtsstaatlich ausgelegt wird. Ich wünsche auch in Zukunft die Trennung von Staat und Kirche. So hatten die großen Aufklärer, Immanuel Kant, König von Preußen Friedrich II. von Hohenzollern und sein Berater, Voltaire, es vor über 200 Jahren eingerichtet. Religionsfreiheit und Trennung von Staat und Kirche haben sich bewährt. Nächstenliebe, Gott und Gottlosigkeit sollen unvermittelt bei den Menschen sein, wo Werte und Sitte alltäglich praktiziert und ausgehandelt werden, nicht bei einer Institution "gebunkert". Meine Hauptgründe, Christentum, Gott und Kirchen beim Geistlichen zu lassen und nicht ins Weltliche der EU-Verfassung hinein zu tun, sind:

1. Ist mein Gott Frau Merkels "Gott" - ob er überhaupt oder z. B. ein "lieber Gott", ein "Rachegott", ein "Kriegsgott" oder ein "Schöpfergott" ist, soll vom individuellen Glauben aus ins Mitmenschliche gehen, nicht von der Verfassung. Ich schätze die Religionsfreiheit und das Kircheneintrittsgeld für Seelsorge und Geist mehr als die "staatliche" Kirchensteuer.

2. Unsere Kultur ist zweifellos im Guten und im Bösen christlich geprägt. Die Christen können Gott nicht von Jesus trennen und Jesus nicht von der Kirche. Jesus wird aber als Christus in den Evangelien so zitiert: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" und "gib dem Kaiser, was des Kaisers ist, gib Gott, was Gottes ist". Dies unterscheidet eben das Christentum von den Herrschaftsbegehrlichkeiten der "Gottesstaats-Religionen", von der jüdischen und der mohammedanischen Religion, auch wenn alle drei Religionen gemeinsam das Alte Testament wie auch die zehn Gebote haben.

3. Die kapitalistische Welt (jüdisch-christliche) tritt gegenüber anderen Religionsgemeinschaften als Gewalt mit Führungsanspruch auf. In den Augen der überwiegenden Zahl der heute auf der Welt lebenden Menschen steht auf der christlichen Stirn aber nicht nur der Gestaltungsanspruch, sondern die Weltzerstörung. Deshalb könnte in der EU-Verfassung an Menschlichkeit gemahnt werden, an Anstand, Redlichkeit, Toleranz, Liberalität, Nächstenliebe, Würde, Rechtstreue und Solidarität - also meinetwegen an den "lieben Gott", falls Frau Merkel und die zahlreichen kleinen Versicherungsbetrüger (nach Wickerts Motto: Der Ehrliche ist der Dumme) - als Selbstappell - das so meinen.

In der Bibel wird dem Christengott in den Mund gelegt: "Petrus, du bist der Fels, auf den ich die Kirche bauen will." Gerade dieser Petrus hatte Jesus am Berg der Kreuzigung drei Mal verleugnet: "den kenne ich nicht", hatte Petrus bei der Polizei über Jesus gesagt. Wäre das nicht lebhafter Diskussionsstoff für eine Predigt - über die Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel oder über die Erleuchtung und christliche Einstimmung des Pfingsterlebnisses". Frau Merkel, meiner Meinung nach ist die EU-Verfassung nicht der Platz für Fragen des Glaubens und Antworten der persönlichen Religiosität. Ihre Vorstellungen von Führung und Fühlung der Deutschen in der EU haben für mich als Soziologe, dessen Wissenschaft die Entschlüsselung des Mitmenschlichen aus dem Mitmenschlichen zu sein hat, eine Färbung der Irreführung, der Verführung und Bevormundung. Ihre christkirchliche Führungsidee ist sehr bei den organisationsverdrossenen "DDR-Menschen" verfangen und scheint mehr auf die katholischen CSU-Wähler und die Verklüngelung der evangelischen Kirche mit der SPD zu zielen.

Dr. Dietmar Moews, 21. Juli 2004
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