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Sloterdijk das Mängelwesen
Sloterdijks zur Diskussion gestellte, Projekt genannte Hauptwerk, Sphären, drei Bände: Blasen. Globen. Schäume. leiden an der mutwilligen Konsonanz zum veröffentlichten Zeitgeist von 2004. Der von der Kulturindustrie mit der Rolle des "Vordenkers" versehene philosophiegeschichtliche Schriftsteller Peter Sloterdijk, Professor und Rektor des ZKM, Karlsruhe, forderte, es soll jemand "im Fernsehen fünf Minuten Intelligenz demonstrieren" und er beklagte, "die Musikalisierung der Öffentlichkeit". Wendet man diese Kategorien auf den "Sphärendenker" Sloterdijk und sein Projekt an, fallen wechselbalgige Nichtzuendegedachtheiten dem guten Willen des Lesers in seine demütigen Lesermühen von 2565 Seiten.

Sloterdijk sagte im Interview des Rheinischen Merkur Nr. 26, 2004: "Der Mensch ist zum Feiern geschaffen" und setzt statt des fragwürdigen "Mensch als Mängelwesen" Arnold Gehlens, im Sinn der anthropomorphen Instinktunsicherheit, den "Mensch als Luxuswesen". Damit liefert Sloterdijk selbst einen Beitrag zur "Musikalisierung" aber eben nicht zur "Intelligenzdemonstration". Es fehlen Sloterdijk handwerkliche Kenntnisse der empirischen Soziologie, aus seinem "poetischen Musikalisieren" zu gültigen Sätzen gelangen zu können. Sloterdijk lässt seine Blasen in dem Eindruck schwimmen, es gäbe keine gültigen Sätze, setzt aber voraus, "... wie Menschen es fertig bringen, ihr Zusammensein mit einer überwältigenden Fülle von außermenschlichen und mitmenschlichen Tatsachen - (das wären wohl Sätze, Sätze Anm. d. Red.) - zu meistern. Man ist ja nie nur bei sich selbst, immer auch bei anderen Menschen, bei Dingen und Umständen... Ich formuliere die Grundfrage der Philosophie, die Frage nach dem Sein, als 'Zusammenseinsfrage'. In Sphären wird die Geschichte der Seelenerweiterung des Menschen erzählt."

Wie musikalisch unintelligent hier Sloterdijk die "Zusammenseinsfrage", das ist die Frage von Soziologie überhaupt, zur Grundlage seiner Philosophie hinstellt, wird dann an Mutmaßungen statt an wissenschaftliche Empirik geknüpft, wie zu den Wolkenkuckucksheimen der "Seelenerweiterung" und von "animistischen" Mutmaßungen des Autors: "Der Mensch ist zum Feiern geschaffen" kollidiert gewissermaßen im Wirklichkeitssinn mit Goethes "saure Wochen, frohe Feste".

Kann es sein, dass Sloterdijk das baghwanische, und in der us-amerikanischen Verfassung geforderte Recht auf Glücklichsein die Sicht darauf verstellt? Bis heute wurden weder von Anthropologie noch von der Soziologie ein Mensch oder Menschen im Sozialbezug in Dauerplateauphase angetroffen. Ja, wäre der Feiermensch nicht das Mängelwesen? Statt unserer tatsächlichen Menschen, die von ihrer Trieborientierung bedingte Tragiker nur sein können. Denen was zu denken zu geben, wäre ein wünschenswertes Projekt. Die Voraussetzung hat in Sloterdijk in seinen Sphären zumindest bereits ausgesprochen, wenngleich ignoriert: die soziologische "Zusammenseinsfrage". Das müsste nun die Debatte bringen.

Dr. Dietmar Moews, 23. Juli 2004

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