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neue sinnlichkeit

Anmutung zur 68er Kantpolitik/Maurice Merleau-Ponty, 1946:

Da das gesellschaftliche Leben bei jedem Menschen, über seine bewussten Gedanken und Entscheidungen hinaus, die Art und Weise meint, in der er lebt, erschöpft sich die Revolution im marxistischen Sinn nicht in den legislativen Verfügungen, die sie erlässt, und es braucht viel Zeit, bis sie von ihren ökonomischen und juristischen Infrastrukturen zu den gelebten Beziehungen der Menschen aufrückt.
Anmutung zur 68er Kantpolitik/Maurice Merleau-Ponty, 1946:

Wenn es stimmt, dass der Staat, wie wir ihn kennen, das Instrument einer Klasse ist, darf man annehmen, dass er mit den Klassen >absterben< wird.
Wie imperativ meint Kant den Imperativ?
aus "Über Eigennutz und Undank"
von Adolph Freiherr Knigge (1795)


(DM) Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) wird in der Neuen Sinnlichkeit als einer der bedeutendsten Autoren der Aufklärung im Deutschsprachigen beurteilt. Das lässt sich insbesondere an seinen Kantkritiken aufspüren, die hier in Folgen aufgeboten werden. Folge 2

Erster Abschnitt. > 2. Um zu entwickeln, wie etwa der Mensch ohne Betrachtung der Wirkung seiner Handlungen auf die Verhältnisse, darin er sich befindet, handeln würde, wird nicht unnütz sein, ohne uns ganz ohne jene Verhältnisse, isoliert, zu denken; also nicht den Menschen, der schon mit den Rechten, Vorteilen und Verbindlichkeiten, welche ihm die bürgerliche Gesellschaft gewährt und auflegt, geboren wird, sondern den einzeln stehenden Natur-Menschen. Und da fragt sich's dann: wie kann und wird dieser die Tugend kennen, lieben und ausüben?

3. Der Natur-Mensch hat mit den übrigen Tieren das gemein, dass er durch körperliche Anreizung, durch Gefühl, durch Instinkt zu gewissen Handlungen hingezogen wird. Er hat aber das vor andern lebendigen Geschöpfen voraus, dass die Vernunft ihn die Anwendung jenes Gefühls und Instinkts zu bestimmten sichern Zwecken lehrt und ihn determiniert, gewisse Handlungen aus gewissen Ursachen zu unternehmen, andre hingegen zu unterlassen.

4. Sein Gefühl treibt ihn ohne Ordnung und Gesetz zu Allem, was ihm einen angenehmen Genuss der ihm bekannten Gegenstände in der Welt gewähren und zusichern kann. Höchstens lehrt ihn sein Instinkt durch Erfahrung, sich das Übermaß des Genusses zu versagen, überhaupt dasjenige nicht zu begehren, was ihm einmal unangenehme Empfindungen erweckt hat und also wieder erwecken kann. Auch zieht ihn sein Instinkt unwillkürlich hin zu andern lebenden und toten Gegenständen um ihn her, jedoch ohne deutliche Unterscheidung der Ursachen dieser Triebe, Seine Vernunft hingegen nützt diese Erfahrungen, ordnet sie und zieht daraus Vorschriften ab, die seinen Willen bestimmen und gewisse Entschlüsse für die Folgen in ihm erzeugen.

5. Diese Entschlüsse nun können sich nicht weiter erstrecken als auf solche Fälle, über welche er wirklich Erfahrungen gemacht hat, und er kann nur Vorsätze fassen, die auf diejenigen Verhältnisse anwendbar sind, welche er kennt. Da ihn nun seine eigne Existenz jeden Augenblick seines Lebens am mehrsten beschäftigt und ihm das Gefühl derselben am lebhaftesten und beständigsten gegenwärtig ist, so wird die erste Sorgfalt seiner Vernunft auf Erhaltung und Vervollkommnung seines Daseins gerichtet sein, und wenn er sich Gesetze und Pflichten vorschreibt, werden diese gewiss das Wohlbehagen seines eignen Ichs zum vornehmsten Augenmerke haben. In dem Maße aber, in dem seine Bedürfnisse, Erfahrungen und Verhältnisse sich vervielfältigen, entstehen bei ihm auch neue Überlegungen und Vorsätze, die ihn dann zum Handeln bestimmen, also neue Pflichten, die er sich auflegt. Je näher ihm dann das Interesse an irgendeinem Gegenstand liegt, desto wichtiger werden ihm die Motive sein, die ihn determinieren, in Rücksicht auf diesen Gegenstand so und nicht anders zu handeln. Je weiter entfernt hingegen, desto unwichtiger; Torheit würde es ihm sein, sich Pflichten in Verbindung mit Gegenständen aufzulegen, mit welchen er in gar keinen Verhältnissen steht.

6. Es gibt also nur Ein von der Natur uns eingepflanzten allgemeines Gesetz, nämlich das: der Vernunft zu folgen. Die Anwendung hängt von den Erfahrungen und Verhältnissen ab. Wo diese gänzlich fehlen, da kann keine Idee von Entschlüssen, die darauf Bezug haben, Statt finden. Und so wie andre, neue Erfahrungen und Verhältnisse eintreten, müssen auch die Motive zu den Handlungen sich verändern. <

aus Adolph Freiherr Knigge ausgewählte Werke Band 7, Fackelträger-Verlag Hannover, 1994
Fortsetzung folgt
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