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neue sinnlichkeit

Anmutung zur 68er Kantpolitik von Antoine de Saint-Exupéry 1948:

Fortan baut man das Aquädukt ein wenig für sie.
Anmutung zur 68er Kantpolitik von Antoine de Saint-Exupéry 1948:

Fortan ertönt die Schelle des Handkarrens ein wenig für sie.
Anmutung zur 68er Kantpolitik von Antoine de Saint-Exupéry 1948:

Und du sagst ihr, denn sie erscheint dir kindlich an diesem Morgen und nicht erpicht auf tiefe Weisheit, sondern mehr auf häusliche Neuheiten, auf Spielsachen und Freunde
Anmutung zur 68er Kantpolitik von Antoine de Saint-Exupéry 1948:

du sagst ihr also: Hör doch ... Und sie erkennt den trippelnden Esel. Da lacht sie und kehrt sich dir zu, ihrer Sonne, denn sie hat Durst nach Liebe.
Anmutung zur 68er Kantpolitik von Antoine de Saint-Exupéry 1948:

Und ich, der ich ein alter Mathematiker bin, ich bin auf diese Weise in die Schule gegangen, denn es gibt nur Beziehungen, wenn du über sie nachgedacht hast.
Anmutung zur 68er Kantpolitik von Antoine de Saint-Exupéry 1948:

Du sagst: Es ist dasselbe wie ... Und eine Frage stirbt. Ich habe einem Mann den Durst nach dem Freund wiedergegeben: ich habe ihn wieder versöhnt. Ich habe einer Frau den Durst nach Milch und nach Liebe wiedergegeben. Und ich sagte: Ich heilte sie. es ist dasselbe wie ...
Anmutung zur 68er Kantpolitik von Antoine de Saint-Exupéry 1948:

Und was tat ich anderes, wenn ich eine bestimmte Beziehung zwischen dem fallenden Stein und den Sternen kundtat? Ich sagte: Im Dreieck ist dieses oder jenes dasselbe wie ... Und so wandere ich vom Tod einer Frage über den Tod einer anderen Frage langsam Gott entgegen, in dem keine Frage mehr gestellt wird.
Eine völlig harmlose Angelegenheit
aus >Deutsche Gerechtigkeit<
von Roman Grafe 2004


(DM) Diese Blätter für Kunst und Kultur haben sich nie vor den Rändern des Erlaubten geängstigt. Es wurde immer ausdrücklich wert darauf gelegt, dass die kritische Haltung an Argumente und Rücksichten der Menschlichkeit angebunden wurden und keiner Parteihaltung entsprach. Das betraf sowohl die alternativen Aktivitäten, ausgehend von den außer-parlamentarischen Aktionsfeldern, den Bürgerinitiativen, der Gründung der Gabl, später der GRÜNEN, den Diskussionen und Aktionen der Friedensbewegung der Bundesrepublik, wie "Künstler für den Frieden" und "Sportler für den Frieden", ohne Berührungsangst vor den parteigebundenen Vereinahmungseinschleimern, der DKP, der SPD, in den Künstlerverbänden, in der evangelischen Kirche, an den Universitäten.

Dietmar Moews hat existenzbedrohliche und schließlich lebensgestaltende Repressionen hinnehmen müssen, die ihn Anfang der 1980er Jahre von Hannover in den Bereich der CSU nach München vertrieben. Die hannoversche Politschranze Ludwig Zerrull, SPD, war der persönliche Agent, dem es aber - schlicht gesagt - im Lichte der Öffentlichkeit niemals gelingen wird zu leuchten. Der lediglich seinen Lebenserwerb als Kunst- und Künstlerverräter im Kreise der SPD-Salonpersonnage erstinkt. Der hat gelegentlich dafür gesorgt, dass das Wirken des hannoverschen Künstlergelehrten Dietmar Moews aus allen öffentlich-staatlichen Dokumentationen ausgelöscht wurde, wenn es denn nicht möglich war, schon vorher zu verhindern, dass seine Werke dokumentiert werden konnten, und noch in Verunglimpfungen der übelsten Art in der HAZ, die ihm dafür SPDistisch zur Verfügung stand, Unflat über Dietmar Moews zu verbreiten. Ein Eimer frischer heißer Gendarmenscheiße wird ihn eines Tages treffen, wenn er vor dem Herrn steht, und das Wasser nicht halten kann, wie andere ihre Plastiktüten. (Wir erinnern nur an die Nazi-Ausstellung im Historischen Museum von Hannover und haken Zerrull, nicht ohne ihn vorher zu lochen, ab, ins Regal der Stinker). Kurz ist der Bierrausch, lang sind die Ausdünstungen. Kurz soll darauf hingewiesen werden, dass Würde, Heuchelei und Anmaßung, diese Ausdrucksformen des Prolet- und Zerrull-Kults nicht in der Weise zum Tode führen, wie die Hoffärtigkeit der Stalinisten. Die Neue Sinnlichkeit hat diesen Zweig der modernen Selbstaufklärung fortlaufend dokumentiert, damit Nichts verloren geht und Wichtiges für ewig aufgehoben wird: Arthur Koestler, Lew Kopelew, Armin Mohler, Walter Bauer, Albert Schweitzer, Arthur Schopenhauer und Lajos Dayatos und hier, Horst Schmidt über seinen Sohn Michael, bei Roman Grafe. P.S. An dieser Stelle ist auch der Lyrikerin Angela Hoffmann gedacht, die als "Genossin" ihre Genossen eines Tages von der anderen Menschlichkeitsseite her kennenlernen musste: Biermann, Walraff, Tim Ullrichs, Günter Grass, Bernd Engelmann, allesamt Ausgeburten der Subversion und des Parteipanzers. in der ersten Bundesrepublik Als Künstlerin oder Künstler, als Seelen und Geister von Unterschied und Unterscheidung, von Toleranz und nicht Schuld, der Poesie und der Geselligkeit, sind die Guten im Geiste immer verbunden und solidarisch. Ihre Dynamik steht weit über das Abseits, davon die mit den zulangen Löffeln, die in alles hineingrabschen und doch nichts in Schwingung bringen, die starr und neidisch ersticken, nur den düsteren Hintergrund bilden, um die Leuchtenden hervortreten zu lassen. Das ist die Arbeitsteilung des Weltbürgertums - mit Kant, und so ganz ohne Derrida, Wittgenstein und Selbstmord. Dies ist nicht der Nachruf von Anna Seghers, Arnold Zweig und Ehm Welk auf Stalins Tod und auch nicht Bert Eugen Brechts Hirsebauernlied:


Eine völlig harmlose Angelegenheit aus der Erklärung des Nebenklägers Horst Schmidt

Michael war unser Jüngster. Er war von klein auf immer ein ruhiger Junge, fast unauffällig. Schon früh zeigte er eine Vorliebe für Bastelarbeiten, besaß eine große praktische Veranlagung. Er erlernte den Beruf des Zimmermanns. (...)

Michael war mit den Verhältnissen in der DDR so unzufrieden wie viele andere auch. Das änderte sich schlagartig nach einer Diensttauglichkeitsuntersuchung im Wehrkreiskommando Bernau. Er sollte unbedingt drei Jahre ableisten und wurde deswegen mehrfach vor-geladen. Er weigerte sich immer wieder. Schließlich wurde er gefragt, ob er auch bereit sei, an der Staatsgrenze seinen Dienst abzuleisten. Michael hielt nie mit seiner Meinung hinter dem Berg, und so antwortete er, dass er nicht daran denke, unbewaffneten Leuten in den Rücken zu schießen. Der Offizier, ein Oberstleutnant, bekam daraufhin einen regelrechten Wutanfall und warf ihn praktisch hinaus. Von diesem Zeitpunkt an steigerte sich Michaels Unzufriedenheit mit dem Staat DDR zu blankem Hass. Wir versuchten vergeblich, ihn zu beruhigen, sagten ihm, dass Brüllerei nun einmal zu jeder Armee der Welt gehöre, und er käme ja nun mit Sicherheit nicht an die Grenze. (...)

Der Vorabend des Tages, an dem Michael einen furchtbaren Tod finden sollte, war ein normaler Freitagabend. Michael wollte etwas unternehmen. Er ging zu einer Disko in einen Jugendclub in der Pankower Grabbeallee, von den Jugendlichen "Grabbelkiste" genannt. In dieser Disko muss sich dann irgend etwas abgespielt haben, was das furchtbare Ereignis ausgelöst hat. Michael muss irgendwie in Panik geraten sein. Der Grund liegt bis heute völlig im dunkeln. (...)

Der Vormittag verging, und wir warteten. Ich hatte noch eine längere Reparatur an meinem Auto und merkte, dass meine innere Unruhe immer größer wurde. Meine Frau war bereits völlig verzweifelt. Nach dem Mittagessen entschloss ich mich, zum Volkspolizei-Kreisamt (VPKA) Bernau zu fahren. Am Sonnabend war nur ein Wachhabender anwesend. Ich teilte ihm mit, dass unser Sohn von der Disko nicht nach Hause gekommen sei, und fragte, ob eine Meldung über einen Unfall oder ähnliches vorliege. Er verneinte und fragte nach dem Alter. Als ich es mit zwanzig Jahren angab, lachte er mich fast aus. Etwas beruhigt zog ich wieder ab. Inzwischen fuhr ich zu meiner Tochter und teilte ihr unsere Besorgnis mit. Auch sie beruhigte mich. (...)

Die Nacht zum Sonntag verbrachten meine Frau und ich so gut wie schlaflos. Am nächsten Morgen gleich wieder zum VPKA Bernau. Die gleichen Antworten. (...) Am nächsten Tag war das VPKA wieder regulär geöffnet. Ich verlangte einen Mitarbeiter der Kripo zu sprechen. Es erschien eine Kommissarin, sehr höflich, sehr freundlich. Ich trug ihr den Fall vor. Wieder beruhigende Worte. Jetzt fragte ich einfach drauflos, ob mein Sohn in den Zwischenfall an der Mauer vom Sonnabend verwickelt sein könne. Sie sah mich strafend an. Ich solle nicht allen Gerüchten Glauben schenken, die von westlichen Medien ausgestreut würden, um Unruhe unter die Bevölkerung zu bringen. Aber sie wolle zu meiner Beruhigung den >Verbindungsoffizier Grenze< befragen. Sie verschwand für zwanzig Minuten, kam zurück und sagte, dass es bei dem Zwischenfall am Sonnabend um eine völlig harmlose Angelegenheit gehandelt habe. Westliche Medien hätten daraus einen >Mordfall< gemacht, um die Grenztruppen der DDR in Verruf zu bringen. Die in diese Sache verwickelte Person sei überhaupt nicht aus dem Kreis Bernau, ich könne völlig beruhigt sein. Und ich war wirklich etwas beruhigt.

Jetzt drängte ich aber auf eine Vermisstenanzeige. Man versuchte mich abzuwimmeln, aber ich gab nicht nach. Ich brachte alle erforderlichen Unterlagen bei, Fotos und so weiter. Die Kripo setzte die Fahndung in Gang. Man versprach mir, mich sogar mitten in der Nacht zu benachrichtigen. (...)

Am nächsten Tag, inzwischen Dienstag, ging ich zu unserer Ärztin, um mich krankschreiben zu lassen. Ich fühlte mich nicht in der Lage, Programme zu schreiben. Es war mir unmöglich, mich auf irgend etwas zu konzentrieren. Als ich im Wartezimmer saß, erschien plötzlich ein Herr, klopfte kurz an die Tür des Behandlungszimmers und wurde sofort vorgelassen. Als ich dran war, erfuhr ich von der Ärztin, dass es sich bei dem Herrn um einen Kriminalbeamten des VPKA Bernau gehandelt habe. Er sei wegen der Vermisstenanzeige bei ihr gewesen und hätte einige Unterlagen über Michael benötigt. Die Ärztin zeigte große Anteilnahme, denn sie kannte Michael ja von klein auf. Mir viel ein Stein vom Herzen. Man suchte ihn. Folglich konnte er der Tote an der Mauer nicht sein. Viel zu spät sollte mir klarwerden, dass Stasi und Kripo ein grausames Spiel mit mir getrieben hatten. Das Erscheinen des Kripomannes zu diesem Zeitpunkt war alles andere als Zufall.

Der Dienstag verging. Wir warteten und warteten, sahen immer wieder die Straße hinunter. Etwa gegen 19 Uhr, ich hatte gerade in meiner Verzweiflung ein paar Schnäpse getrunken, erschienen zwei Herren und stellten sich als Mitarbeiter des Ministeriums der Staatssicherheit vor. Wir fragten sofort nach unserem Sohn. Sie sagten, sie wüssten gar nichts, hätten nur den Auftrag, uns zur Militärstaatsanwaltschaft nach Berlin zu bringen. Meine Frau legte schnell noch einen Zettel mit der Nachricht unauffällig ab, danach wurden wir mit dem Stasi-Wagen nach Berlin gefahren.

Dort angekommen, wurde ich zunächst alleine in das Büro des Militärstaatsanwalts gebeten. (...) Ich fragte sofort nach meinem Sohn. Meine Frage wurde einfach ignoriert, und es begann ein unsinniges Verhör, dessen Einzelheiten mir entfallen sind. Ich fragte zwischendurch immer wieder nach Michael. Schließlich brach Herr Cras das Verhör ab und erteilte dem Staatsanwalt das Wort. Dieser sagte mir dann, dass Michael beim Versuch, die Staatsgrenze der DDR zu durchbrechen, angeschossen worden sei und trotz aller ärztlichen Bemühungen den Tod gefunden habe. Der Grenzsoldat habe praktisch in Notwehr gehandelt. Ich schrie ihn an, ob Michael vielleicht mit Sand geworfen habe, er könne doch mit einer Waffe überhaupt nicht umgehen. (...)

Einen Moment saß ich wie gelähmt, dann stürzte ich zur Tür, um zu meiner Frau zu gelangen, die im Vorzimmer geblieben war. Die bei den versuchten, mich festzuhalten, aber ich riss mich los. Ich weiß nur noch, wie ich schrie: >Michael ist tot, sie haben ihn ermordet.< Es ist mir nicht mehr möglich, den Rest dieses Abends in allen Einzelheiten zu beschreiben. Das ist wie in einem Nebel aus meinem Gedächtnis verschwunden. Furchtbar waren die Momente, in denen ich meiner Tochter, meinem Sohn und meinen Eltern den Tod unseres Jungen mitteilen musste. Ihre Schreie und ihr Weinen habe ich heute noch im Ohr.

Unser >Stasi-Betreuer< war offensichtlich bemüht, die Beerdigung so schnell wie möglich zu >erledigen<. Er bestellte uns gleich am nächsten Tag ins Gebäude der Staatsanwaltschaft. Zuerst erhielten wir Verhaltensmaßregeln. Wir sollten jedem >Gerücht< energisch entgegentreten. Notfalls sollten wir uns an ihn wenden. Er würde >Gerüchtemacher< zum Schweigen bringen. Für den Fall, dass Einzelheiten in den westlichen Medien erschienen, drohte er uns Konsequenzen an. Es könne dann unserem Sohn Roland das Studium unmöglich gemacht werden, außerdem würden alle Kontakte zu unseren Westverwandten unterbunden. Auch eigene Ermittlungen verbot er.

Ansonsten war die Stasi von unglaublicher Hilfsbereitschaft, was mich mit großem Misstrauen erfüllte. Herr Cras betonte immer wieder, was für eine geachtete Familie wir seien. Er bedauere diesen Vorfall zutiefst. Wiederholt sagte er, dass das MfS auf die sonst obligatorische Haussuchung verzichtet habe. Er bot uns an, die gesamte Beerdigung zu organisieren, sogar einen Pfarrer beliebiger Konfession wollte er besorgen. Meinen Vater, der in West-Berlin wohnte, wollte er mit einem Krankenwagen von der Grenze abholen lassen. Interessanterweise wusste er, dass mein Vater schwer gehbehindert war. Ich lehnte all diese Angebote natürlich ab. Der bloße Gedanke, meinen Jungen von einem Stasi-Pfarrer beerdigen zu lassen, verursachte mir Übelkeit. Auch materielle Hilfe wurde uns angeboten. Herr Cras fragte, ob wir Probleme mit der Kohlebeschaffung hätten oder Sorgen mit Autoersatzteilen. Er könne alles kurzfristig besorgen. Ich lehnte auch das ab. (...)

Es folgten furchtbare Tage. Meine Frau hatte manchmal einen solchen Ausdruck in den Augen, dass ich regelrecht Angst bekam. In meinem Inneren tobte ein harter Kampf. ich glaube heute, dass ich manchmal kurz vor dem Wahnsinn war. So spielte ich mit dem Gedanken, das Wehrkreiskommando Bernau mit einem Molotow-Cocktail in Brand zu setzen, ging sogar schon an dem Gebäude vorbei, um >Maß zu nehmen<. Dabei sah ich, dass in dem Haus auch noch Familien wohnen, und verwarf den Gedanken glücklicherweise. Mir kamen abwechselnd Mord- und Selbstmordgedanken. Monate -, wenn nicht gar jahrelang genügte der Anblick von Grenzsoldaten (ich nannte sie im stillen die >grüne SS<), um mich in einen Zustand wahnsinniger Wut zu bringen.

Allmählich siegte die Vernunft. Mir war klar, dass ich alles tun musste, meine Familie vor weiterem Schaden zu bewahren. Aber meine Kräfte waren fast am Ende. Ich merkte es einmal deutlich, als plötzlich beim Laufen meine Knie so weich wurden, dass ich fast gestürzt wäre. Mir wurde nicht etwa schwarz vor Augen, die Beine versagten einfach ihren Dienst.

Michaels Beerdigung fand am Montag, dem 10. Dezember 1984, statt. Auf der Fahrt zum Friedhof waren wir unter ständiger Bewachung. Schon in unmittelbarer Nähe unseres Hauses patrouillierte ein Offizier der Bereitschaftspolizei, bewaffnet mit Kalaschnikow und Funkgerät, unterwegs zum Friedhof noch zwei Polizeiposten. Auf dem Friedhof selbst sah man noch mehrere auffällig unauffällige Herren. Das Schlimmste war, dass auch Herr Cras vom MfS - gewissermaßen als Trauergast verkleidet - an der Beerdigung teilnahm. (...)

Meine Hauptsorge auf der Beerdigung galt meiner Frau. Sie weinte ohne Unterbrechung seit dem frühen Morgen, und ich glaubte manchmal, sie würde zusammenbrechen. Es war ein furchtbarer Moment, als der Sarg mit unserem Michael in die Erde gesenkt wurde. (...)

Ich erholte mich sehr langsam. (...) Es ergaben sich auch immer wieder neue Belastungen. Da feierte die SED-Clique den 25. Jahrestag des Mauerbaus mit großem Pomp und Jubel, oder man hörte von erneuten Grenzzwischenfällen mit tödlichen Folgen. Aber auch vom Westen kamen Tiefschläge. Der schlimmste war die Forderung der SPD und der Grünen nach Schließung der Erfassungsstelle Salzgitter. Die Existenz dieser Erfassungsstelle war für uns der einzige Hoffnungsschimmer, dass die Morde an der Mauer jemals aufgeklärt und die Täter ihrer Bestrafung zugeführt werden könnten. Parteien, die sich demokratisch nennen, forderten die Auflösung. Ich begreife das bis heute nicht. (...)

Ich höre manchmal, dass es Menschen gibt, die sich die Mauer zurückwünschen, weil es ihnen doch nicht so gut geht, wie sie sich das vorgestellt hatten. Sie mögen, bevor sie einen solchen Unsinn daherreden, an das grausame Schicksal derer denken, die an diesem Bauwerk ihr Leben lassen mussten.

aus: Roman Grafe >Deutsche Gerechtigkeit - Prozesse gegen DDR-Grenzschützen und ihre Befehlsgeber< Siedler Verlag 2004
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