
Bezeugung KANTs von Gottfried Keller:
Man hat bei Kant das göttliche Postulat so leibhaftig und zierlich erklingen hören können wie ein Posthörnchen, aus der tiefen Ferne der innersten Brust.
Bezeugung KANTs von Gehlen 1960:
Man kann sich der Definition Kants annähern, der als manieristische Kunst solche bezeichnete, die "auf Sonderbarkeit angelegt" sind. Das Kriterium liegt dann nicht mehr in formalen oder historischen Gehalten, sondern in psychologischen, indem man irgendetwas in allen diesen Künsten als verwandt empfindet.
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Erbärmlichkeit der deutschen Philosophie nach Kant
von Richard Wagner (Zürich, 05.02.1855)
aus einem Brief an seinen Revolutionsgenossen, Kompositeur und Zuchthausinsasse in Zürich, August Röckel
...Mit der Reinschrift des Rheingoldes wurde ich erst vorigen Herbst fertig... sobald die Kopie fertig ist, sollst Du ein oder das andre Exemplar vorläufig auf einige Zeit erhalten. - Am Ende komponierst Du mir aber die ganze Sache vor der Nase weg? Nur zu, mich soll's freuen, Proben Deiner Musik zu sehen! Vielleicht machst Du's besser wie ich. - Nun aber zu etwas innerem! Philosophieren werde ich heute mit Dir nicht; dafür aber soll es ein anderer. Soeben erteile ich Auftrag nach Leipzig, dass man Dir von dort ein Exemplar von Arthur Schopenhauers Buch: Die Welt als Wille und Vorstellung zuschickt. Hoffentlich wird Dir die Lektüre dieses Buches nicht verweigert werden, denn sie enthält nicht das mindeste für Deine Lage Anstößige. Da Du dies Buch selbst kennenlernen sollst, teile ich Dir nichts darüber mit; nur einige Notize über den Verfasser.
Schopenhauer ist gegenwärtig 62 Jahre alt, lebt von einem kleinen Vermögen seit lange gänzlich zurückgezogen in Frankfurt und hatte folgendes Schicksal. Bereits 1819 erschien jenes sein Hauptwerk, von dem er eine um 1 Band vermehrte Auflage 1844 besorgte. Er trat als der unmittelbare Erbe Kants auf, und zwar zu gleicher Zeit mit Hegel.
Seine Philosophie, die vollständig den Fichte-Schelling-Hegelschen Unsinn und Charlatanismus über den Haufen wirft, wurde 40 Jahre lang von den Philosophie-Professoren vollständig, und zwar mit höchster Absicht und Klugheit, ignoriert; kein Mensch erfuhr etwas davon. Endlich hat ihn ein englischer Kritiker geradewegs entdecken müssen und in einem längeren Artikel in der Westminster-Review der Welt vorgeführt. Dieser spricht nun sein Erstaunen darüber aus, wie es möglich war, einen Geist von dieser Eminenz fast ein halbes Jahrhundert hindurch unbeachtet zu lassen: natürlich wird aber auch ihm aus dem Charakter seiner Philosophie erklärlich, dass die Philosophie-Professoren ihm gegenüber, um bestehen zu können, nichts andres machen konnten, als hermetisch diesen Schopenhauer von der Welt abzuschließen. Jener Artikel wurde nun deutsch in einer Berliner Zeitung abgedruckt, und seitdem ist nun Schopenhauer nicht mehr zu übersehen, und die Erbärmlichkeit der deutschen Philosophie nach Kant ist somit aufgedeckt und erklärt.
- Das Buch nun ist von unermesslicher Bedeutung: aber in einem Sinne, der allerdings vielen sehr unbequem kommen muss. Ich gestehe, dass ich mit meinen eigenen Lebenserfahrungen gerade so weit gekommen war, dass nur noch Schopenhauers Philosophie mir gänzlich angemessen und bestimmend werden konnte. dadurch, dass ich rückhaltlos seine sehr, sehr ernsten Wahrheiten aufnehmen konnte, habe ich meinem innersten Drang am entschiedensten Genüge geleistet, und wiewohl er mir eine von meiner früheren ziemlich abweichende Richtung gegeben hat, entsprach doch diese Wendung einzig meinem tiefleidenden Gefühle vom Wesen der Welt. Auch auf Dich wird das Buch einen großen entscheidenden Eindruck machen: ja vielleicht wirst Du, wenn Du dessen je bedarfst, aus ihm einzig den Trost schöpfen, dessen grade der kräftigste Geist bedarf. - Ich teile Dir nichts hierüber mehr mit. Dagegen haben wir nun ein neues, erhabenes Interesse für den ferneren Austausch unserer Gedanken gewonnen; ich dachte immer an Dich dabei und übersende Dir nun mit einem wahrhaft feierlichen Ausdruck dies Werk, das in einer sehr entscheidenden Katastrophe meines inneren Lebens mich zur Ausdauer und Kraft der Entsagung gestärkt hat.
Lies es nun: ich kann Dir keine größere Wohltat erzeigen! Sobald Du damit zu Ende bist, schreib mir, und wir wollen dann uns darüber aussprechen. - Adressiere Deinen Brief nach London an Ferdinand Praeger, 31. Milton Str. Dorset-Square. Dein Vater, der sich sehr liebenswürdig gegen mich benahm, empfahl mir Praeger; ich werde zunächst bei ihm absteigen. Ich bin sehr gespannt auf Deinen nächsten Brief. Für heute nimm Du mit diesem wenigen vorlieb. Äußeres habe ich Dir nicht viel zu melden, und für alles Innerliche sende ich Dir diesmal Schopenhauer. - Aus London dann mehr und viel! Leb wohl, liebster Freund!
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