
Bezeugung von Karl Marx ca. 1840:
Kant und Fichte gern zum Äther schweifen, Suchten dort ein fernes Land, Doch ich such' nur tüchtig zu begreifen, Was ich - auf der Straße fand!
Bezeugung von Francis Picabia für KANT, 1975:
Der Geschmack ermüdet wie die gute Gesellschaft.
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Kant bei Doktor Karl Marx
von Karl Marx 1841
(DM) Was vielen sogenannten Marxisten schwer fällt zu verstehen, ist, dass, im Sinne seines Sinnes, Marx selbst kein Marxist war. Sehr weitreichend und grundsätzlich sind Marx Gedanken wohl idealistisch. Aber wie könnte Marx als ein deutscher Idealist und Denker anerkannt werden, wenn er zwar Goethe und Kant im Munde führt, dann aber - wie oben - Kant und Fichte in einen denkerischen oder ideologischen Topf wirft: Marx ein Idealist ohne Kenntnis des deutschen Idealismus war: Bekanntlich hatte Fichte bei Kant in Königsberg studiert, später aber vollkommen in Gegensatz und in persönlich-schriftlichen Anfeindungen gegen Kant gedacht. Dämlich argumentiert Marx in seiner Doktordissertation gegen Kant, wie das folgende Zitat der Erörterung von Gottesbeweisen zeigt (MEW Ergänzungsband 1; S. 371). Offenbar kannte Marx Kant so schlecht, dass er nicht wusste, beim Gottesbeweis selbst in grundsätzlicher Übereinstimmung mit Kant sich zu befinden - Marx schrieb:
Die Beweise für das Dasein Gottes sind entweder nichts als hohle Tautologien - z. B. der ontologische Beweis hieße nichts als: "Was ich mir wirklich (realiter) vorstelle, ist eine wirkliche Vorstellung für mich", das wirkt auf mich, und in diesem Sinn haben alle Götter, sowohl die heidnischen als christlichen, eine reelle Existenz besessen. Hat nicht der alte Moloch geherrscht? War nicht der delphische Apollo eine wirkliche Macht im Leben der Griechen? Hier heißt auch Kants Kritik nichts. Wenn jemand sich vorstellt, hundert Taler zu besitzen, wenn diese Vorstellung ihm keine beliebige, subjektive ist, wenn er an sie glaubt, so haben ihm die hundert eingebildeten Taler denselben Wert wie hundert wirkliche. Er wird z. B. Schulden auf seine Einbildung machen, sie wird wirken, wie die ganze Menschheit Schulden auf ihre Götter gemacht hat. Im Gegenteil, Kants Beispiel hätte den ontologischen Beweis bekräftigen können.
(Kritik der reinen Vernunft: "Hundert wirkliche Taler enthalten nicht das Mindeste mehr als hundert mögliche. Denn da diese den Begriff, jene aber den Gegenstand und dessen Position an sich selbst bedeuten, so würde, im Fall dieser mehr enthielte als jener, mein Begriff nicht den ganzen Gegenstand ausdrücken und also auch nicht der angemessene Begriff von ihm sein..." nach Werke, Cassirer Bd. 3 S.414 Berlin 1922; Anm. DM)
Wirkliche Taler haben dieselbe Existenz, die eingebildete Götter haben. Hat ein wirklicher Taler anderswo Existenz als in der Vorstellung, wenn auch in einer allgemeinen oder vielmehr gemeinschaftlichen Vorstellung der Menschen? Bringe Papiergeld in ein Land, wo man diesen Gebrauch des Papiers nicht kennt, und jeder wird lachen über deine subjektive Vorstellung. Komme mit deinen Göttern in ein Land, wo andere Götter gelten, und man wird dir beweisen, dass du an Einbildungen und Abstraktionen leidest. Mit Recht. Wer einen Wendengott den alten Griechen gebracht, hätte den Beweis von der Nichtexistenz dieses Gottes gefunden. Denn für die Griechen existierte er nicht. Was ein bestimmtes Land für bestimmte Götter aus der Fremde, das ist das Land der Vernunft für Gott überhaupt, eine Gegend, in der seine Existenz aufhört. - Oder die Beweise für das Dasein Gottes sind nichts als Beweise für das Dasein des wesentlichen menschlichen Selbstbewusstseins, logische Explikationen desselben. Z. B. der ontologische Beweis. Welches Sein ist unmittelbar, indem es gedacht wird? Das Selbstbewusstsein.
In diesem Sinne sind alle Beweise für das Dasein Gottes Beweise für sein Nichtdasein, Widerlegungen aller Vorstellungen von einem Gott. Die wirklichen Beweise müssten umgekehrt lauten: "Weil die Natur schlecht eingerichtet ist, ist Gott." "Weil eine unvernünftige Welt ist, ist Gott." "Weil der Gedanke nicht ist, ist Gott." Was besagt dies aber, als, wem die Welt unvernünftig, wer daher selbst unvernünftig ist, dem ist Gott? Oder die Unvernunft ist das Dasein Gottes.
aus: MEW Ergänzungsband 1, Dietz Berlin 1981: Anmerkungen zur Doktordissertation >Über die Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie nebst einem Anhange< von Karl Heinrich Marx, Berlin 1841
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