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neue sinnlichkeit

Bezeugung KANTs von Goethe 1804:

Doch steht eine Bemerkung hier wohl am rechten Platz, dass kein Gelehrter ungestraft jene große philosophische Bewegung, die durch Kant begonnen, von sich abgewiesen, sich ihr widersetzt, sie verachtet habe.
Bezeugung KANTs von Ortega Y Gasset 1930:

Newton konnte seine physikalische Theorie schaffen, ohne viel von Philosophie zu verstehen.
Bezeugung KANTs von Rudolf Steiner 1897:

Das Erkenntnisvermögen erscheint dem Menschen nur so lange als subjektiv, als er nicht beachtet, dass die Natur selbst es ist, die durch dasselbe spricht. Subjektiv und objektiv treffen zusammen, wenn die objektive Ideenwelt im Subjekte auflebt, und in dem Geiste des Menschen dasjenige lebt, was in der Natur selbst tätig ist. Goethe
aus Die Perfektion der Technik
Friedrich Georg Jünger (1953)


Die Galilei-Newtonsche Mechanik nimmt eine absolute Zeit an. Die Zeit, wie sie Newton beschreibt, ist eine allgemeine, universale Weltzeit. Nach Kant hat die Zeit keine absolute Realität, weder eine subsistierende noch eine inhärierende. Eine subsistierende Realität hat sie nur in der Mythe, wo Kronos mit der diamantenen Hippe seinem Vater Uranos die Schamteile abmäht, oder in den Köpfen von Leuten, die das Unding der Zeit zum Ding machen. Sie hat auch keine den Dingen inhärierende Realität, steckt also nicht in ihnen. Durch den Apriotismus des Zeitbegriffs wird der Zusammenhang zwischen Zeit und Ding abgeschnitten, der Zutritt der Erfahrung abgewehrt. Kant verwendet seine Prämisse, dass die Vorstellung der Zeit a priori gegeben sei, um ihre absolute Realität, sei sie subsistierend oder inhärierend gedacht, zu bestreiten(*).

(*)Kant stützte seine These, dass Raum und Zeit als reine Anschauungsformen gegeben seien, auf die Behauptung, dass die Sätze der Geometrie a priori und mit apodiktischer Gewissheit erkannt werden. Notwendigkeit und absolute Allgemeinheit ist nach ihm das Charakteristische aller Sätze der Geometrie. Die apodiktische Gewissheit der Geometrie steht und fällt mit der Ausnahme, dass die euklidische Geometrie die einzig denkbare ist, was sie für Kant war, der die Möglichkeit einer nichteuklidischen Geometrie nicht in Betracht zog. Der ganze Bau seiner Erkenntnistheorie ruht ja auf euklidischer Geometrie und galileischer Kinematik, wie schon aus ihrem Grundstein, der transzendentalen Ästhetik, hervorgeht. Seit Bolyai, Lobatschefsky und Riemann wissen wir aber, dass es nichteuklidische Geometrien gibt und dass sie sich logisch und in sich widerspruchsfrei nach dem Modell der euklidischen begründen lassen. Insbesondere hat Riemann gezeigt, dass in einem dreidimensionalen Raum, der alle möglichen Räume umfasst, die euklidische Geometrie nur noch im unendlich Kleinen Gültigkeit hat; sie gilt nur noch als Differenzialgesetz und lässt beliebig viele dreidimensionale Geometrien zu. Diese widerstreben allerdings unserer Anschauung. Die apodiktische Gewissheit der euklidischen Geometrie löst sich also auf, da erst auszumachen ist, welche Geometrie in einem gegebenen Fall gilt. Ihre Sätze gelten nicht synthetisch a priori, sondern auf Grund von Bestimmungen, und diese sind bei jeder möglichen Geometrie erst auszumachen.

Die Zeit, die weder etwas für sich selbst darstellt, wenn ich die Gegenstände von ihr abziehe, noch in den Dingen vorhanden ist, ist also eine Vorstellungsart, eine Form ohne Inhalt, ein Schema. Dieses Ordnungsschema gleicht nicht, wie gesagt wurde, einem leeren Kasten oder einer leeren Mietskaserne; es ist vergleichbar der Leere eines Kastens, zu der kein Kasten gegeben ist. Inhäriert die Zeit den Dingen nicht, dann ergibt sich, dass alles Wachsen, Blühen und Reifen, alles Altern, Welkwerden und Absterben im Grunde mit der Zeit nichts zu tun hat und dass die Sprache, die bei allen Völkern in zahllosen Worten, Wortverbindungen, Sätzen und Sprichwörtern dieses Inhärieren der Zeit bei den Gegenständen zum Ausdruck bringt, auf dem Abwege ist. Nach Kant liegen die Feste zwar in der Zeit, aber die Zeit legt nicht in den Festen. Der Rhythmus ist zwar in der Zeit, aber die Zeit nicht im Rhythmus. Steckt in dem Werden, Vergehen, in aller Bewegung die Zeit nicht darin, ist sie nur eine Vorstellungsart, ein Schema, das mit den Dingen nichts zu schaffen hat, was hat dann dieses Werden, Vergehen und alle Bewegung mit der Zeit zu tun? Leugnet Kant die absolute Realität der Zeit, die von Newton behauptet wird, so stimmt er doch in anderen Bestimmungen der Zeit mit ihm überein. Auch bei ihm findet sich die Vorstellung einer einzigen, allgemeinen, unendlichen und unendlich teilbaren Zeit, die nicht umkehrbar ist und die nicht an sich selbst, sondern nur vermittelst der raumzeitlichen Bewegungen von Körpern gemessen werden kann. Zeit ist hier immer gleich Zeit. Die Relation der Zeitteile ist quantitativ messbar, aber alle diese Teile sind qualitativ gleichartig und gleichförmig. Und diese Zeitteile fließen, insofern sie nicht gleichzeitig sind, in einem steten Nacheinander dahin, wie die Moleküle in einem Kanal, ohne doch eine molekulare Beschaffenheit zu haben. Oder sie bilden ein aus dem Unendlichen kommendes und ins Undendliche abrollendes Band, das mit einer unveränderten und gleichförmigen Geschwindigkeit abläuft. Die Bewegung von Körpern wirkt auf die Zeit nicht ein. Man erkennt an den kantischen Bestimmungen des Zeitbegriffs, dass sie durch die Galilei-Newtonsche Mechanik beeinflusst und geformt worden sind, dass sie etwas Mechanisches angenommen haben. Denn offenbar ist die Zeit hier etwas durchaus Starres und Totes.

Newton gesteht jener linearen, bandförmigen Bewegung, welche die Zeit unabänderlich vollzieht, absolute Realität zu, nach Kant ist sie nur eine Konstruktion unserer Vorstellungsart, in der allein sie begründet liegt. Diese Linearität der Zeit ist unvereinbar mit allen Vorstellungen, die eine zyklische Bewegung der Zeit annehmen. Die Zeit, bemerkt Kant, bestimmt "das Verhältnis der Vorstellungen in unserem inneren Zustande. Und eben weil diese innere Anschauung keine Gestalt gibt, suchen wir auch diesen Mangel durch Analogien zu ersetzen und stellen die Zeitfolge durch eine ins Unendliche fortgehende Linie vor, in welcher das Mannigfache eine Reihe ausmacht, die nur von einer Dimension ist, und schließen aus den Eigenschaften dieser Linie auf alle Eigenschaften der Zeit außer dem einigen, dass die Teile der ersteren zugleich, die der letzteren aber jederzeit nacheinander sind". Sie hängt damit zusammen, dass Raum und Zeit hier ohne jede Beziehung zueinander gedacht sind, und zwar so, dass weder Raum-Zeiten noch Zeit-Räume bestehen. Die lineare Zeit geht durch den Raum hindurch, ohne dass eine Berührung stattfindet, und ebenso erstreckt sich der Raum durch die Zeit... Voraussetzung bei allen Messungen der Zeit ist die Annahme, dass es überhaupt gleiche Zeiten gibt. Ob es sie wirklich gibt, bleibt fragwürdig... Wir wollen uns bei dieser Frage nicht aufhalten. Wir führen sie nur an, um zu zeigen, worauf es bei der Messung der Zeit durch Uhren ankommt: auf die mechanisch genaue Wiederholung des Vorganges... Für die Praxis der Zeitmessverfahren bleibt es sich vollkommen gleich, ob der Zeit absolute Realität oder transzendentale Idealität und empirische Realität zugestanden wird (...) Naturwissenschaft ist ohne Erkenntnis des Mechanischen in die Natur nicht zu denken, und "jenes Prinzip des Mechanismus der Natur "ohne dass", wie Kant bemerkt, "es ohnehin keine Naturwissenschaft geben kann".... der Wiederkehr gleicher Wirkung bei gleichen Ursachen.
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