meldungen   neue sinnlichkeit   xtext   abonnement   email   community   sitemap   home  
neue sinnlichkeit

Bezeugung KANTs von Schiller 1790:

für das wohltätige Licht..., das Sie in meinem Geist angezündet haben; eines Danks, der wie das Geschenk, auf das er sich gründet, ohne Grenzen und unvergänglich ist.
Bezeugung KANTs von Goethe 1830:

Es ist ein grenzenloses Verdienst unseres alten Kant um die Welt und ich darf sagen, auch um mich, dass er in seiner Kritik der Urteilskraft Kunst und Natur nebeneinander stellt und beiden das Recht gibt, aus großen Prinzipien zwecklos zu handeln.
Ist Goethe möglich?
von Johann Peter Eckermann (1792-1854)
aus >Gespräche mit Goethe<



(DM) Johann Wolfgang von Goethe, der deutsche Künstlergelehrte, lernte Kant durch den jüngeren Schiller kennen und meinte zusammenfassend über Kant: "Kant ist der vorzüglichste, ohne alle Zweifel. Er ist auch derjenige, dessen Lehre sich fortwirkend erwiesen hat und die in unsere deutsche Kultur am tiefsten eingedrungen ist. Er hat auch auf Sie gewirkt, ohne dass sie ihn gelesen haben. Jetzt brauchen Sie ihn nicht mehr, denn was er ihnen geben konnte, besitzen Sie schon."

(1825)".... Ich lese von Molière alle Jahre einige Stücke, so wie ich auch von Zeit zu Zeit die Kupfer nach den großen italienischen Meistern betrachte. Denn wir kleinen Menschen sind nicht fähig, die Größe solcher Dinge in uns zu bewahren, und wir müssen daher von Zeit zu Zeit immer dahin zurückkehren, um solche Eindrücke in uns anzufrischen.

Man spricht immer von Originalität, allein was will das sagen! Sowie wir geboren werden, fängt die Welt an, auf uns zu wirken, und das geht so fort bis ans Ende. Und überall, was können wir denn unser Eigenes nennen als die Energie, die Kraft, das Wollen! Wenn ich sagen könnte, was ich alles großen Vorgängern und Mitlebenden schuldig geworden bin, so bliebe nicht viel übrig.

Hierbei aber ist keineswegs gleichgültig, in welcher Epoche unseres Lebens der Einfluss einer fremden bedeutenden Persönlichkeit stattfindet.

Dass Lessing, Winckelmann und Kant älter waren als ich, und die beiden ersteren auf meine Jugend, der letztere auf mein Alter wirkte, war für mich von großer Bedeutung.

Ferner, dass Schiller so viel jünger war und im frischesten Streben begriffen, da ich an der Welt müde zu werden begann ingleichen, dass die Gebrüder Humboldt und Schlegel unter meinen Augen aufzutreten anfingen, war von der größten Wichtigkeit. Es sind mir daher unnennbare Vorteile entstanden."

(1827)... Ich fragte Goethe, welchen der neueren Philosophen er für den vorzüglichsten halte. "Kant", sagte er, "ist der vorzüglichste, ohne alle Zweifel. Er ist auch derjenige, dessen Lehre sich fortwirkend erwiesen hat und die in unsere deutsche Kultur am tiefsten eingedrungen ist. Er hat auch auf Sie gewirkt, ohne dass sie ihn gelesen haben. Jetzt brauchen Sie ihn nicht mehr, denn was er ihnen geben konnte, besitzen Sie schon. Wenn Sie einmal später etwas von ihm lesen wollen, so empfehle ich Ihnen seine "Kritik der Urteilskraft", worin er die Rhetorik vortrefflich, die Poesie leidlich, die bildende Kunst aber unzulänglich behandelt hat."

"Haben Euer Exzellenz je zu Kant ein persönliches Verhältnis gehabt?" fragte ich. "Nein", sagte Goethe. "Kant hat nie von mir Notiz genommen, wiewohl ich aus eigener Natur einen ähnlichen Weg ging als er. Meine "Metamorphose der Pflanzen" habe ich geschrieben, ehe ich etwas von Kant wusste, und doch ist sie ganz im Sinne seiner Lehre. Die Unterscheidung des Subjekts vom Objekt, und ferner die Ansicht, dass jedes Geschöpf um seiner selbst willen existiert, und nicht etwa der Korkbaum gewachsen ist, damit wir unsere Flaschen pfropfen können: dieses hatte Kant mit mir gemein, und ich freue mich, ihm hierin zu begegnen. Später schrieb ich die Lehre vom Versuch, welche als Kritik von Subjekt und Objekt und als Vermittlung von beiden anzusehen ist.

Schiller pflegte mir immer das Studium der Kantschen Philosophie zu widerraten. Er sagte gewöhnlich, Kant könne mir nichts geben. Er selbst studierte ihn dagegen eifrig, und ich habe ihn auch studiert, und zwar nicht ohne Gewinn."

(1829)"... In der deutschen Philosophie wären noch zwei große Dinge zu tun. Kant hat die "Kritik der reinen Vernunft" geschrieben, womit unendlich viel geschehen, aber der Kreis nicht abgeschlossen ist. Jetzt müsste ein Fähiger, ein Bedeutender, die Kritik der Sinne und des Menschenverstandes schreiben, und wir würden, wenn dieses gleich vortrefflich geschehen, in der deutschen Philosophie nicht viel mehr zu wünschen haben."
Originalsponsoring
von
neuesinnlichkeit
agentur + blätter
mehr
© 2005