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neue sinnlichkeit

Bezeugung für KANT von Alphons Silbermann 1989:

Je mehr der Angewohnheiten sind, die ein Mensch hat, desto weniger ist er frei und unabhängig.
Bezeugung KANTs von Ursula Pia Jauch 2004:

In der gegenwärtigen weltpolitischen Lage haben die Klügeren unter den Lesenden wieder zum "guten" - und gar nicht veralteten - Kant zurückgefunden, zum politischen Philosophen.
Bezeugung KANTs von Pete Townshend 1964:

I'm a substitute for another guy I look pretty tall but my heels are high.
Bezeugung von Francis Picabia für KANT, 1975:

Die Persönlichkeit ist der Gebrauch der Vernunft. In fast allen modernen Werken, die uns gezeigt werden, gibt es nur die Individualität. Die Individualität ist das Kennzeichen des Tieres.
Bezeugung von Kant für KANT:

Der Verlauf der Geschichte ist ihr Fortschritt, aus der Vormundschaft der Natur in den Stand der Freiheit. Dabei handelt es sich darum, den größten Zweck der menschlichen Bestimmung, nämlich Geselligkeit hervorzubringen.
Erfolgskinder



Kant, liebste Leserin, soll Sie beglücken. Kant sagt Ihnen das Kompliment, dass nur - Ihre - Bezeugung seinen Wert bestimmt, ob ein Kant diskussionswürdig gehalten wird oder verschwiegen. Sie sind das Nadelöhr der ephemeren Gegenwart, durch das auch ein Kant in die Zukunft hinaussteht oder vergessen wird. Husch - "kommen Sie doch auf einen Husch herüber", schrieb Richard Wagner dem Friedrich Nietzsche auf einen Zettel... und jetzt - im Stechen: Alwin Schockemöhle auf Husch. Dietmar Moews schreibt Ihnen die liberale "Kritik des Reimens und des Einleuchtens" zu Kant.

Preuße Kant (1724-1804) in Königsberg, liebster Leser, besaß immerhin die selbstbestimmte Größe - in Zeiten des absolut untertänigen Obertanentums - eine Staats-Universitäts-Begründung geradezu juristisch systematisch auszuarbeiten, dass ein Rechtsstaat zu wünschen sei. Rechtsstaat, das heißt: Im Staat gilt ein Recht für alle Leute, für die Herrschaft, für die Staatsmacht, Adel, König, die Geliebte des Justizministers. Das Recht untersteht selbst nur dem Recht, so, wie sich ein Staat so verfasst hat. Darüber wachen unabhängige Gerichte. Viele DDR-Menschen - in ihrer Jungeländer-Staatsbürger-Bildung - sagen: Recht? - das ist das Recht des Geldes der Kapitalisten. Ich rufe ihnen zu: Schauen Sie Bloomberg "Wirtschaftsfernsehen". Und beobachten Sie die unsicheren gestammelten Anlageberater, Bankkaufleute und Volatilitätsbanker. Es sind überpeinliche Idioten, die nicht mehr aus noch ein wissen, deren gesamtes Geldwissen offenbar nichts taugt - nicht mal die eigene berufliche Sicherheit ist zu erkennen: Anlageberatung als Lotterie mit Selbstmordquote - so sieht es heute im Wirtschaftsjournalismus aus; ja, können Sie denn so gut Chinesisch, wo die Märkte - ohne deutschsprachige Wirtschaftsgenies - wachsen? Ach - per Internet können Sie Flugreisen nach Shanghai buchen? toll, ganz ganz ganz toll (die USA negieren Kants Wert).

"Aufklärung zum Rechtsstaat" - das heißt: wie du praktisch lebst und was du tust oder nicht, ob du dir dabei was denkst, ob du deine Nägel reinigst oder löchrige Socken aus Sparsamkeit trägst, das Recht bildet dafür den Handlungsrahmen. Der Rechtsstaat garantiert allen Bürgern ihr verdammtes Bürgerrecht zum "Citoyen". Dieser Lebensrahmen bildet die Norm. Das ist normativ: Jeder Mensch darf im Rechtsstaat als rechts-geschütztes Menschlein leben. Das ist sein "Bürgerrecht". Immanuel Kants "Rechtsstaat" lautet, gekoppelt mit der praktischen Regieanweisung des Königs von Preußen in Potsdam - Friedrich der II. von Hohenzollern - der nämlich so interpretierte: "räsoniert so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; nur gehorcht..." (im Sinne des "Rechtsstaat" bedeutet "gehorchen", jeder muss das geltende Recht einhalten und die rechts-staatlichen Verfahren akzeptieren).

Kant weist über Kant hinaus. Kant hat für uns eine historische Pflichtaufgabe erfüllt: Die systematische Ausarbeitung der Urteilskraft. Kant wusste, ohne Systematik ist die menschliche Vorstellungsorientierung ein mehr oder weniger gesunder Menschenverstand - ein jenachdemes Vorstellungsdurcheinander. Kant setzte deshalb die Urteilskraft als eine Denkstufe - hin zum Urteilen. Dass wir - als Kants geistesgeschichtliche Nachkommen - so geistesschwach sein würden, wie wir es heute sind: debile Denker, dummfickende Hektiker, tagespolitische Gecken, Surfer, woimmer der Wind herkommt - widerspricht Kants Absichten - oder, anders: es zeigt, dass Kants anthropologische Setzung: Wie ist der Mensch? nicht zutrifft. Allein: Wie klug kann der Mensch sein? träfe es nicht. Wenn man nicht sagen kann, Was für Klugheit zu halten ist, wie Geselligkeit und Mitteilung laufen, wie die heutige vom bürokratischen Staat vorgehaltene Denkpolitik Dummheit fördert, vereinfacht gesagt, damit sich die Macht leichter managen lässt. Also kommt es zu solchen Kant-Bezeugern im Staatsdienst, wie der Philosophiehistoriker Professor Dieter Henrich, ohne durchgeistigende Anbindung, Oberflächlichkeiten, Ungereimtheiten, Monokausalitäts-Fixierungen ausweist. Man publiziert Henrich, weil er zeitliche Aufkünfte von disparaten Ideen, der Kant, Fichte, Hegel, Marx, Freud, Adorno, Habermas, Sloterdijk) als Sinngefüge hinstellt - Henrichs leere deduktive Behauptungen (FAZ 27.11.03), vollkommen sinnlos in seinem Namen hochstylt, weils die Leser nicht beurteilen können, nichts wissen, nichts denken, nichts fragen - wer fragt schon wen? Daraus macht die Adornvieh-Salonpersonnage der Turbo-FAZ-Geyer dann ihre marktgängige Afterphilosphie: "man kann ja nie wissen" - die Ontologie der Zersetzung, die seit Karl Marx lautet, "revolutionäre Vernunft" und bei Adornvieh: "Die Partei die Partei, die hat immer recht." Und bei Turbodath: "Der Sieger kriegt alles - im bilderglänzenden Evidenzen-Terror... ein Spiel, das seine Regeln erst noch finden muss." Wir protestieren im Namen der "kritischen Vernunft". Denn soo unvernünftig waren weder Leibniz, noch Kant, noch John von Neumann.

Der Maler malt, der Zeitgeist lahmt, der Kunde zahlt, der Mensch lebt bereits auf eigenen Füßen, wenn ihn die Idee beschleicht, dass es ein Denken gibt, das nicht immer auf die Praxis zielt. So wie es eine gedankenlose Zufriedenheit und eine gedankentiefe Glücklichkeit gibt, kennt man das Erlebnis, sich Ziele auszudenken, planvolle Absichten zusammenzureimen, Verabredungen auszumachen, Zukunft vorauszubestimmen, Werte von beliebter Lebenswirklichkeit zu abstrahieren, Werte zu setzen, zu diskutieren, abzustimmen, schließlich von der Wirklichkeit vor eine Schere von Tatsachen und Ideen gestellt zu sein, gegenwärtigeres Denken einzusetzen, ohne viel Trauer. Die Lebensdimensionen kennen keine Werttreue. Wer eine gesetzte Zuordnung festhalten will, verliert unter Umständen die Balance und die Genossen.

Wie das Denken denkt, ist Kants Angelegenheit gewesen. Das Denken als Urteilskraft an sich als vernunftkritische Systematik, das Denken als Urteilskraft an und für sich als Gemeinschaftsdienlichkeit und das Denken für mich als egoistischer Urteilsexistenzialismus (z. B. bei Sartre). Denken von Kant her verdankt der ernsthaften, klaren, geradezu mathematisch-positivistischen Ausweislichkeit die absolute Geltung - allerdings, nur, für einen ontologisch abzusteckenden - sehr bescheidenen - Geltungsbereich, einschließlich Unwissen, Denkfaulheit, Irrtum, Dummheit, Eichmann nach Kant unter Hitler, Leistungsverweigerungskultur, kultureller Verstimmung u. ä.

Wie aber das Denken eine praktikable Ontologie denken muss, steht nicht allein der kritischen Vernunft anheim. Hier ist eine empirische Sozialforschung notwendig, eine historische Bestandsaufnahme durchzuführen, um entwicklungssoziologisch festzustellen, welche Tradition in welches Geschehen (Gegenwarts-Emergenz) hineinsteht, um zu analysieren, welche Zukunftserwartungen greifbar Hoffnung machen, welche Ungereimtheiten beachtlich sind und was einleuchtet. Es ist die Bestandsaufnahme der vorhandenen sozialen Anschlusskräfte, als "Entität". Wir müssen die politischen "Gruppen" gut kennen, die wir politisch organisieren. Nennen wir es Gesellschaft, Kollektiv, Mitmenschlichkeit, als mannigfaltige Generalität. Dabei gelten Vernunft und Unwissenheit, Kommunikationsabgründe und Surrogatenhandel, Konsonanz der Gemüter und Feindschaft als Tatsachen und Lebenslehren, um die wir uns kümmern müssen.

ERFRISCHEND AKKORDIEREN

Was wir also von der Urteilskraft Kants her, beim phänomenologischen Urteilen von Husserl, beim Urteilen von Hannah Arendt und Maurice Merleau-Pontys Fleischurteil, verfolgen, ist die - ebenfalls systematische - Annäherung an das menschliche Urteilen in zweierlei Hinsicht,
1. die Verantwortungskraft des Individuums, konstant eigene willkürliche Verträge einzuhalten und
2. die ausreichende Fähigkeit dahin zu entwickeln, als Akteur der Selbstveränderung, ohne zynisch, engherzig oder böse zu werden, Toleranz und Geduld statt Schuld, durch vorsätzliche öffentliche Beschwörung in eine ontologische Hochwert-Poetik umzufärben.

Der Mensch kann mit sich rechnen, wenn er die Ambition der anderen zulässt, einerseits, mit willkürlichem Vertrag. Willkür ist die freiwillige Entscheidung, es so zu wollen oder nicht (wie bei der freien Wahl 1990: der mehrheitliche Beitrittswunsch der DDR-Staatsbürger in die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland von 1989 war freiwillig, auswandern ist erlaubt). Zweitens, mit Reim und Einleuchtung, also mit Toleranz und Geduld, beikommen. So organisieren wir einen Gesellschaftsvertrag, der unsere auf billige Gegenseitigkeit gestellten Lebenswünsche festlegt und sicherstellt. Die Verfassung im Rechtsstaat sieht die Freiheit vor, durch Argumentation in der Kommunikation politische Meinungen zu entwickeln. Sie eröffnet der Politik jede Möglichkeit - über relevante Mehrheiten - die Verfassung den Lebenswünschen gemäß zu gestalten. Eine freiere Konzeption, als die Zulassung der Bürger, mitzuwirken, das eigene Vertragswesen zu gestalten, ist nicht denkbar.

Der vertragende Mensch ist sich in mehrdimensionaler Hinsicht darüber im Klaren, dass nicht der Mitmensch schuld an Triebhemmungen und Triebverzicht ist. Es gehört zu unserer Kultur und zu den Hoch-Werten unserer Bildung, zu verstehen, wie die eigene tragisch-menschliche Eigenart, in Abstand zur eigenen sinnlichen Wirklichkeit, billig zu räsonieren ist. Wie dieses Denken hier ein Sprechen vom liberalen Handeln ist und Kants Forderung nach Geselligkeit und Mitteilbarkeit entspricht, wird an einigen Kernsätzen deutlich: "Was tun? sprach Zeus, die Götter sind besoffen" (Günter Möws, 1924-1992, Ingenieur und Maler), "Please don't worry. Don't jump to hasty conclusions and please don't judge me too harshly." (Brian Jones, 1942-1969, Gitarrist und Gründer der Rolling Stones), "Mein Leben ist ein Leben vor dem Kriege." (Joachim Ringelnatz, 1883-1934, Dichter und Maler), "...anzubringen an allen Gedenk- und Erinnerungstafeln: Diese oder Jener lebte angesichts des Todes" (Alphons Silbermann, 1909-2000, Soziologe, Kaufmann und Publizist), "Der Papst: Früher dachte ich, der Parpst; aber heute weiß ich, der Pappst." (Dietmar Moews, 1950, lebt als Künstlergelehrter), "Ich bin all hier! rief der Igel, und der Hase rannte und rannte." (Der ewige andere Igel). Es gibt keine gerechte Bewertung für persönliche Hingabeleistungen anyhow, klebe nicht!

Von dem Dichter, Sänger und Liedermacher Bob Dylan stammt das Lied "Mississippi" dieses: "All my powers of expression and thoughts so sublime could never do you justice in reason or rhyme. Only one thing I did wrong: Stayed in Mississippi a day too long... I was thinking about the things that Rosie said. I was dreaming I was sleeping in Rosies bed... Everybodys moving, if they ain't already there. Everybodys got to move somewhere. Stick with me baby, stick with me anyhow. Things should start to get interesting right about now... Well the emptiness is endless, cold as the clay, you can always come back, but you can't come back all the way. Only one thing I did wrong, stayed in Mississippi a day too long. Evidenz einer Fliegende-Holländer-Philosophie - Love and Theft - für Wanderer + Wandererfeinde.
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