
Bezeugung von Alexander von Humboldt, ca. 1850:
Die gefährlichste Weltanschauung ist die Anschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben.
Bezeugung von Kant über ein Menschenleben, spät:
Als ein Wirtshaus ..., wo jeder auf seiner Lebensreise Einkehrende gefasst sein muss, von einem folgenden bald verdrängt zu werden... Als ein Zuchthaus...: ein Ort der Züchtigung und Reinigung gefallner, aus dem Himmel verstoßner, Geister... Als ein Tollhaus... Als ein Kloak, wo aller Unrat aus andern Welten hingebannt worden... (als einer Art) >Abtritt für das ganze Universum<
Bezeugung von Hannah Arendt für KANT, 1975:
Denn Zum ewigen Frieden, die >satirische Überschrift auf dem Schilde... (eines) holländischen Gastwirts< meint, wie wir alle wissen, den Friedhof. Das ist der Platz des ewigen Friedens, und der Gastwirt bietet die Getränke an, die Sie schon in diesem Leben in jenen so sehr herbeigesehnten Zustand bringen.
Bezeugung von Francis Picabia 1975:
Die Vernunft ist ein Licht, das mich die Dinge so sehen lässt, wie sie nicht sind.
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Bezeugungen für Immanuel Kant
(DM) Die Bezeugungen, wie sie zur Verzierung der oberen Seitendrittel in diesen Blättern für verzierte Seitendrittel ausgewählt und eingefügt wurden, sollen dem Genießer helfen, Alles in einem Satz aufnehmen zu können. Das ist so ähnlich, wie Baby-Steak in Buenos Aires, wer schon mal da war - also etwa zwei Kilo angeröstetes Rindfleisch in einem Stück, auf einem heißen Stein serviert: kolossal - et in argentina ego - würde Goethen sagen, der auch auf die Weltverbesserung im Ganzen setzte, weil ers im Einzelnen nicht glauben mochte. Die Bezeugungen also, von Cicero bis Augustin, zeigen, dass Kant keine Handlungsanweisungen (*eher in der Kritik der praktischen Vernunft als in der Kritik der Urteilskraft) gab, sein Urteilen nicht hilft, als Mensch menschlich zu sein. Das müssen wir selbst. Kants Ersatzkonstruktionen, wie, innere und äußere Sinne hinsichtlich der Einbildungskraft zu unterscheiden, um auf Geschmack der Moralpflicht zu weisen, sind Unsinn. Es ist aber hilfreich, diesen Unsinn nachzuvollziehen. Wir Menschen haben keine Instinktsicherheit in unserer Natur. Aber die Kritik unserer Natur ermöglicht, zu klären, wieviel Vorstellung neben sinnlicher Billigkeit wir akkordieren können und wieviel Zwang in der Demokratie dafür nötig ist, wieviel Unfreiheit in der Freiheit?
Die Neue Sinnlichkeit ist keine rechte Position, die Recht haben will. Sie will auch nicht Recht mit Macht durchsetzen. Sie setzt, wie Kant, auf die menschliche Fähigkeit zur Geselligkeit. Sie hält Menschen für akkordierfähig, anders als Kant, der für ein uninteressiertes, passives Lesepublikum schrieb, und der in Geselligkeit Handelnde für Narren hielt. Hannah Arendt bezeugt dennoch bei Kant "politische Philosophie", wo er sich mit Kritik der Kritik der menschlichen Kritisierfähigkeit abarbeitet - eine Kritik der Politik liefert Kant indes nicht (*Arendt Freiheit und Politik 1961 Anm. 11 S.684). Zum menschlichen und politischen Handeln tritt Kant sogar ganz daneben. Seine Einbildungskraft bringt "Kritiken fürs Lesepublikum", gegen die er dann moralische Handlungs-Unterlassungsanweisungen" stellt: Er bejaht die französische Revolution, nicht jedoch das Recht der Revolutionäre, weil denen als Unfreie, ohne Freiheit zu kennen, die Reife für die Freiheitseinforderung fehle*. Das Untertanentum der Untertanen müsse unterm Gesetz bleiben. Kant fordert also: für die Revolution und gegen die Revolutionäre (wie der Leistungskampf der Leistungsstärksten bei den Paralympics, nur anders). All das Unstimmige fordert Kant (*Kant Die Religion in den Grenzen... Werke Bd. 7 S.862). Aber er verstand sich eben selbst nicht als Politikdenker.
Desungeachtet setzt Kant auf den Fortschritt des Weltbürgertums, unter der Bedingung, dass die Individuen nicht 800 Jahre alt werden dürften. Denn Alter mache schlecht.(*Kant Mutmaßlicher Anfang der Menschheitsgeschichte Werke Bd. 9 S.100)
Kant glaubt, eher eine Endzeitverkürzung er-mögliche die List des Fortschritts hinter dem Rücken der Menschen als Geschichte. (*Kant Über den Gemeinspruch Werke Bd. 9 S. 166)
Wir sehen Kants Fortschrittsannahme als unerwiesen und unerweisbar an. Es ist offen. Es spricht heute Manches gegen Kants Ewigkeit, so, die wachsende Weltbevölkerung oder die geschlossenen Technologien: Hierdurch sind als Quantität qualitative irdische Katastrophen möglich, vor denen Kants Fortschritts-Ewigkeit eine Naivität ist - vorstellbare außerirdische Einwirkungen ganz ungeachtet. Allein diese Katastrophen-Optionen öffnen die Fortschritts-Hypothese für ungeahnte Spielarten unserer Endlichkeit.
Die Neue Sinnlichkeit des Jahres 2004 ist dem Werk Kants in der schöpferischen Arbeit des Künstlergelehrten Dietmar Moews' gewidmet. Es ist Aufklärung und Bezeugung einer "kulturellen Kluft" im Alltagsleben unserer Welt in Permanenz. Die Beziehungslinien unserer Vorstellungen dazu, die Kluft klärend zu beobachten, tätig hineinzugreifen, danach zu haschen und damit umzugehen: Das ist die Herstellung und Lieferung täglicher Umgangserkenntnis für die wunderbaren Leserinnen und die sich selbst billigenden Leser. Insbesondere, wer sich zum Abonnement auf Lebenszeit entschließt, wird belohnt, mit Common Sense und Geist im Fleisch - als Kants Geselligkeit und Geschmacksmitteilung: in der Kunst gibt es keine Pause - in der Kunst geht es immer weiter (Lajos Dayatos).
Blätter für Kunst und Kultur, Neue Sinnlichkeit Numero 46 für die interessanten FRAGEN, die Immanuel Kant aufgeworfen hat, wie, "Ist der geschlechtliche Verkehr auch ohne den Zweck der Fortpflanzung erlaubt?" genannt, "Blätter für eine dritte Kultur in der Welt der Empirie". Im März 2004 kam Neue Sinnlichkeit Numero 47 für die interessanten THESEN, die Immanuel Kant herausgearbeitet hat, wie "Auf Fröhlichkeit ferner und gute Laune muss man den Jüngling hinweisen. Die Fröhlichkeit des Herzens entspringt daraus, dass man sich nichts vorzuwerfen hat", insbesondere Thesen zur menschlichen Urteilskraft im Sinne der praktischen Vernunft, genannt, "Blätter für die sehr verehrten liberalen Damen und Häresie". Im Mai erschien die Neue Sinnlichkeit Numero 48 für von Kant gebrachte FRAG-WÜRDIGKEITEN und überholte Ideen, wie "Kant hat schwierige Angelegenheiten durchdacht. Das ist verdienstvoll. Kants Schriften sind kompliziert geschrieben. Das ist fragwürdig.", genannt, "Blätter für das Reden von der Welt, wie sie wirklich ist, statt immer davon, wie sie sein sollte".
Hier nun kommt das Heft in dieser Kant-Reihe mit ausgewählten BEZEUGUNGEN für Kant und zu Kants Philosophie. Die Auswahl der Bezeugungen sowie die Auswahl der Zeugen soll zeigen, wie interessant und beachtlich Kant für uns heute ist, welche wichtigen Autoren sich auf Kant beziehen, aber auch wie idiotisch so manche Verirrung für den Tagesbedarf durchgesprudelt wird, die nichts als Heuchelei und Arschkriecherei von Dumpfbacken und Turboschreiberlingen ist, denen das lesende Volk nicht nachzukommen schafft, nicht nur aufs Maul zu schauen, sondern kritisch nach Gültigkeit und Evidenz zu verlangen und - bildlich - aufs blöde Maul zu hauen, denn der Mensch beginnt, wo nicht draufgehaut sondern durchgeschaut wird. Kant nannte Heuchelei "Tugendschimmer".(*Kant Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen Bd. 2 S.848)
Es schließt die DietmarMoews-Kantvorlesung des Jahres 2004 mit dem Heft 50 im November. Der Tugendschimmer der tagespolitischen Relevanz und eine Überschau der wichtigsten Berichte und Kantrezeptionen in den Medien der Welt, besonders im Deutschsprachigen. Liebe Leser, freuen Sie sich darauf, wie SPIEGEL, Süddeutsche, FAZ, und TAZ, Neue Zürcher und ZDF kritisiert werden, denn die Verschwörung der geistigen Mittelstreckenläufer, im Schatten von Reich-Ranickis Mittelböcken, boomt, statt Gewünschtes zu bringen: Orientierung, Evidenz und Kriterien, was das Menschliche, das Soziale, das Handeln, das Denken, das Urteilen und das Dulden auf der Höhe unserer Mitteilungen bieten kann.
Die liebevoll und hingebungsvoll ausgestaltete Wunderkammer-Geheimnisseverrat-Zeitung >Neue Sinnlichkeit< zielt auf Evidenz. Evidenz, im Sinne menschlicher Wahrheit, im Sinne, dass wir Menschen aus unserer Natur heraus zu "wahrem Wissen" fähig sind, mit Hilfe dieser menschlichen Wahrheit wir uns orientieren können, danach fragen können, urteilen können, entscheiden, miteinander sprechen, handeln und handelnd kommunizieren können. Wir reden nicht allein von der menschlichen Fähigkeit, Tatsachen feststellen zu können, nicht nur von unserem Vermögen dazu, positivistische Naturwissenschaft zu Erkenntnissen und Praktiken ausarbeiten zu können. Sondern der Streit, der hier gegen weite Teile der geistigen Meinungsführer in Deutschland geführt wird, richtet sich gegen die Ideologie der Willkür (*Kant Beobachtungen über das Gefühl Werke Bd 2 S. 841). Ich nenne ungezielt Namen der anders wollenden, Frank Schirrmacher/FAZ, Adorno, Habermas, der sich windende Sloterdijk u.v.a.m. Das ist in unseren Tagen diese Machenschaft: Man palavert über Kant, aber man ignoriert seine Vordenkleistung zur Natur der menschlichen Urteilsfähigkeit.
Man sagt, "was die Geselligkeit miteinander denkt, redet und handelt, ist sowieso Narretei (*Pascal Gedanken Diederichs/Rüttenauer, Nr. 326) - dann könne das auch eine beliebige Partei der Übermacht festlegen, ungeachtet kritischer Urteile und ungeachtet von Orientierungstatsachen". Das mag der interessierten Jungleserin in der Neuen Sinnlichkeit nun komisch erscheinen. Wer kennt sich da schon aus? aber so sind durchaus die wirklich irren Ideen von Adorno (Negative Dialektik) und Habermas (Erkenntnis und Interesse), die nach wie vor von wichtigen Feuilletonisten "wertsetzend" (nämlich wertvernichtend) in den Diskurs hineinzitiert und zum öffentlichen denkerischen Meineid gemacht werden. Dagegen schreibt Dietmar Moews. Dafür malt er seine genial Allen verständlichen (Kant) Bilder: >www.dietmarmoews.com<
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