
Fragwürdigkeit von KANT:
Inwiefern kommen wir von Kants Ding an sich zu einem Denken und einem Denken an sich, ohne Schellings gekitteten Weltgeist auf den Leim zu gehen
Fragwürdigkeit von KANT:
Wie stellte Kant einen Unterschied sich vor, zwischen Dingen, wie wir sie unter subjektiven Formen von Raum und Zeit anscheinen können und Dingen an sich, sofern der Verstand sie unabhängig von der Art ihrer Anschauung erwägt und nicht ausschließen kann?
Fragwürdigkeit von KANT:
Bedeutet Kants Begriff "Privatgebrauch" nun das Gegenteil eines privaten (ohne Amt) Gebrauch oder einen persönlichen (privatus) öffentlichen durch ein Amt eingeschränkten Gebrauch?
Fragwürdigkeit von KANT:
Auch abgesehen von den Spitzfindigkeiten unserer Schullogik, ist die menschliche Erkenntnis voll unerweislicher Urteile. Darum Kants Versuch, den Begriff der negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen.
Fragwürdigkeit von KANT:
Ist die Welt so, wie wir sie wahrnehmen, weil wir sie wahrnehmen (Kant). Oder nehmen wir die Welt so wahr, weil wir ganz und gar ihr Bestandteil sind (Darwin)?
Fragwürdigkeit von KANT:
Kant fürchtet den Tod nicht. Kommt das daher, dass Kant statt das Nichtsein ein Tor zum Leben im Tod vermutet? oder dass er annimmt, die Intelligibilität und die Dinge an sich anschauen und erkennen zu können, wenn er, nur der Form nach verändert, in einer ganz anderen Welt sein wird?
Fragwürdigkeit von KANT:
Harmlosigkeit unserer kritischen Philosophen, welche nicht bemerken, dass Skepsis - sie meinen, wenn man erst das Werkzeug prüfe, bevor man es anwendet, nämlich das Erkenntnisvermögen - Dies ist schlimmer noch als ein Streichholz prüfen wollen, bevor man es brauchen will. Es ist das Streichholz, das sich selber prüfen will, ob es brennen wird
Fragwürdigkeit von KANT:
Den moralischen Wert der Handlung nach der Absicht messen: setzt voraus, dass die Absicht wirklich die Ursache der Handlung ist - was doch heißt die Absicht als eine vollkommene Erkenntnis als "ein Ding an sich" betrachten. Zuletzt ist sie doch nur das Bewusstsein von der Auslegung eines Zustandes (von Unlust, Begehren usw.)
Fragwürdigkeit von KANT:
Glaubt Kant, dass Ekstase, Rausch, Meditation und andere todesähnliche Bewusstseinszustände (zu Lebzeiten) das Erkennen als Gestorbener (Unsterblicher) andeuten?
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Drei Sophisten mit rohem Verstand unter Kant
von Arthur Schopenhauer (1788-1860)
Sie sind bloße Sophisten: sie wollten scheinen, nicht sein, und haben nicht die Wahrheit, sondern ihr eigenes Wohl und Fortkommen in der Welt gesucht. Anstellung von den Regierungen, Honorar von Studenten und Buchhändlern und, als Mittel zu diesem Zweck, möglichst viel Aufsehen und Spektakel mit ihrer Scheinphilosophie. - Das waren die Leitsterne und begeisternden Genien dieser Schüler der Weisheit. Daher bestehen sie nicht die Eintrittskontrolle und können nicht eingelassen werden in die ehrwürdige Gesellschaft der Denker für das Menschengeschlecht.
Inzwischen haben sie in Einer Sache exzelliert, nämlich in der Kunst, das Publikum zu berücken und sich für Das, was sie nicht waren, geltend zu machen; wozu unstreitig Talent gehört, nur nicht philosophisch. Dass sie hingegen in der Philosophie nichts Wirkliches leisten konnten, lag, im letzten Grunde, daran, dass IHR INTELLEKT NICHT FREI GEWORDEN, sondern im Dienste des Willens geblieben war: da kann er zwar für diesen und dessen Zwecke außerordentlich viel leisten, für die Philosophie hingegen, wie für die Kunst, nichts. Denn diese machen gerade zur ersten Bedingung, dass der Intellekt bloß aus eigenem Antrieb tätig sei und, für die Zwecke dieser Tätigkeit aufhöre, dem Willen dienstbar zu sein, d. h. die Zwecke der eigenen Person im Auge zu haben. Er selbst aber, wenn allein aus eigenem Trieb tätig, kennt, seiner Natur nach, einen anderen Zweck, als eben nur die Wahrheit. Daher reicht es, um ein Philosoph, d. h. ein Liebhaber der Weisheit (die keine andere als die Wahrheit ist) zu sein, nicht hin, dass man die Wahrheit liebe, soweit sie mit dem eigenen Interesse, oder den Vorurteilen und dem Geschmack der Zeitgenossen, vereinbar ist: so lange man es dabei bewenden lässt, ist man nur ein Freund des eigenen Ich; kein Freund der Weisheit. Denn dieser Ehrentitel ist eben dadurch schön und weise ersonnen, dass er besagt, man liebe die Wahrheit ernstlich und von ganzem Herzen, also unbedingt, ohne Vorbehalt, über Alles, ja nötigenfalls, Allem zum Trotz. Hiervon nun aber ist der Grund eben der oben angegebene, dass der Intellekt FREI geworden ist, in welchem Zustande er gar kein anderes Interesse auch nur kennt und versteht, als das der Wahrheit: die Folge aber ist, dass man alsdann gegen allen Lug und Trug, welches Kleid er auch trage, einen unversöhnlichen Hass fasst. Damit wird man freilich es in der Welt nicht weit bringen; wohl aber in der Philosophie. - Hingegen ist es, für diese, ein schlimmes Auspizium, wenn man, angeblich auf die Erforschung der Wahrheit ausgehend, damit anfängt, aller Aufrichtigkeit, Redlichkeit, Lauterkeit, Lebewohl zu sagen, und nur darauf bedacht ist, sich für Das geltend zu machen, was man nicht ist. Dann nimmt man, eben wie jene drei Sophisten, bald ein falsches Pathos, bald einen erkünstelten hohen Ernst, bald die Miene unendlicher Überlegenheit an, um zu imponieren, wo man überzeugen zu können verzweifelt, schreibt unüberlegt, weil man, nur um zu schreiben denkend, das Denken bis zum Schreiben aufgespart hatte, sucht jetzt palpable Sophismen als Beweise einzuschwärzen, hohlen und sinnleeren Wortkram für tiefe Gedanken auszugeben, beruft sich auf intellektuelle Anschauung, oder auf absolutes Denken und Selbstbewegung der Begriffe, perhorresziert ausdrücklich den Standpunkt der >Reflexion<, d. h. der vernünftigen Besinnung, unbefangenen Überlegung und redlichen Darstellung, als überhaupt den eigentlichen, normalen Gebrauch der Vernunft, deklariert demgemäß eine unendliche Verachtung gegen die "Reflexionsphilosophie", mit welchem Namen man jeden zusammenhängenden, Folgen aus Gründen ableitenden Gedankengang, wie er alles frühere Philosophieren ausmacht, bezeichnet, und wird demnach, wenn man dazu mit genügsamer und durch die Erbärmlichkeit des Zeitalters ermutigter Frechheit ausgestattet ist, sich etwa so darüber auslassen: "es ist nicht schwer einzusehen, dass die MANIER, einen Satz aufzustellen, Gründe für ihn anzuführen, und den entgegengesetzten durch Gründe eben so zu widerlegen, nicht die Form ist, in der die Wahrheit auftreten kann. Die Wahrheit ist die Bewegung ihrer an sich selbst" usw. (Hegel, Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, S. LVII, in der Gesamtausgabe S. 36). ich denke, es ist nicht schwer einzusehen, dass wer Dergleichen voranschickt, ein unverschämter Scharlatan ist, der die Gimpel betören will und merkt, dass er an den Deutschen des 19. Jahrhunderts seine Leute gefunden hat.
Wenn man also demgemäß, angeblich dem Tempel der Wahrheit zueilend, die Zügel dem Interesse der eigenen Person übergibt, welche seitwärts und nach ganz anderen Leitsternen blickt, etwa nach dem Geschmack und den Schwächen der Zeitgenossen, nach der Religion des Landes, besonders aber nach den Absichten und Winken der Regierenden, - o wie sollte man da den auf hohen, abschüssigen, kahlen Felsen gelegenen Tempel der Wahrheit erreichen! - Wohl mag man dann, durch das sichere Band des Interesses, eine Schar recht eigentlich hoffnungsvoller, nämlich Protektion und Anstellungen hoffender Schüler an sich knüpfen, die zum Schein eine Sekte, in der Tat eine Faktion bilden, von deren vereinigten Stentorstimmen man nunmehr als ein Weiser ohne Gleichen in alle vier Winde ausgeschrien wird: das Interesse der Person wird befriedigt, das der Wahrheit ist verraten.
Aus diesem Allen erklärt sich die peinliche Empfindung, von der man ergriffen wird, wenn man, nach dem Studio der im Obigen durchmusterten wirklichen Denker, an die Schriften Fichtes und Schellings, oder gar an den, mit grenzenlosem, aber gerechtem Vertrauen zur Deutschen Niaiserie, frech hingeschmierten Unsinn Hegels geht. Bei Jenen hatte man überall ein REDLICHES Forschen nach Wahrheit und ein eben so REDLICHES Bemühen, ihre Gedanken Andern mitzuteilen, gefunden. Daher fühlt wer im Kant, Locke, Hume, Malebranche, Spinoza, Cartesius liest sich erhoben und von Freude durchdrungen: dies wirkt die Gemeinschaft mit einem edlen Geist, welcher denkt und zu denken gibt. Das Umgekehrte von diesen Allen findet Statt, beim Lesen der oben genannten drei deutschen Sophisten. Ein Unbefangener, der ein Buch von ihnen aufmacht und dann sich fragt, ob Dies der Ton eines Denkers, der belehren, oder der eines Scharlatans, der täuschen will, sei, kann nicht fünf Minuten darüber im Zweifel bleiben: so sehr atmet hier Alles UNREDLICHKEIT. Der Ton ruhiger Untersuchung, der alle bisherige Philosophie charakterisiert hatte, ist vertauscht gegen den der unerschütterlichen Gewissheit, wie er der Scharlatanerie in jeder Art und zu jeder Zeit eigen ist, die aber hier beruhen soll auf vorgeblich unmittelbarer, intellektualer Anschauung, oder absolutem, d. h. vom Subjekt, also auch seine Fehlbarkeit, unabhängigem Denken. Aus jeder Seite, jeder Zeile spricht das Bemühen, den Leser zu berücksichtigen, zu betrügen, bald ihn durch Imponieren zu verdutzen, bald ihn durch unverständliche Phrasen, ja durch baren Unsinn, zu betäuben, bald ihn durch die Frechheit im Behaupten zu verblüffen, kurz, ihm Staub in die Augen zu streuen und ihn nach Möglichkeit zu mystifizieren. daher kann die Empfindung, welche man bei dem in Rede stehenden Übergang, in Hinsicht auf das Theoretische, spürt, derjenigen verglichen werden, welche in Hinsicht auf das Praktische, Einer haben mag, der, aus der Gesellschaft von Ehrenmännern kommend, in eine Gaunerherberge geraten wäre. Welch ein würdiger Mann ist doch der von eben jenen drei Sophisten so gering geschätzte und verspottete CHRISTIAN WOLF, in Vergleich mit ihnen! Er hatte und gab doch wirkliche Gedanken: sie aber bloße Wortgebilde, Phrasen, in der Absicht zu täuschen. Demnach ist der wahre, unterscheidende Charakter der Philosophie dieser ganzen, sogenannten Nachkantischen Schule UNREDLICHKEIT, ihr Element blauer Dunst und persönliche Zwecke ihr Ziel. Ihre Koryphäen waren bemüht, ZU SCHEINEN, nicht zu SEIN: sie sind daher Sophisten, nicht Philosophen. Spott der Nachwelt, der sich auf ihre Verehrer erstreckt, und dann Vergessenheit warten ihrer. Mit der angegebenen Tendenz dieser Leute hängt, beiläufig gesagt, auch der zankende, scheltende Ton zusammen, der, als obligate Begleitung, überall Schellings Schriften durchzieht. - Wäre nun diesem Allen nicht so, wäre mir Redlichkeit, statt mit Imponieren und Windbeuteln zu Werke gegangen worden; so könnte SCHELLING, als welcher entschieden der Begabteste unter den Dreien ist, in der Philosophie doch den untergeordneten Rang eines vor der Hand nützlichen Eklektikers einnehmen; sofern er aus den Lehren des Plotinos, des Spinozas, Jakob Böhmes, Kants und der Naturwissenschaft neuerer Zeit ein Amalgam bereitet hat, das die große Leere, welche die negativen Resultate der Kantischen Philosophie herbeigeführt hatten, einstweilen ausfüllen konnte, bis ein Mal eine wirklich neue Philosophie herankäme und die durch jene geforderte Befriedigung eigentlich gewährte.
Wie Kinder mit den zu ernsten Zwecken bestimmten Waffen, oder sonstigem Geräte der Erwachsenen spielen, so haben die hier in Betracht genommenen drei Sophisten es mit dem Gegenstande, über dessen Behandlung ich hier referiere, gemacht, indem sie zu den mühseligen, zweihundertjährigen Untersuchungen grübelnder Philosophen das komische Widerspiel lieferten. nachdem nämlich KANT das große Problem des Verhältnisses zwischen dem an sich Existierenden und unseren Vorstellungen mehr als je auf die Spitze gestellt und dadurch es der Lösung um ein Vieles näher gebracht hatte, tritt FICHTE auf mit der Behauptung, dass hinter den Vorstellungen weiter stecke; sie wären eben nur Produkte des erkennenden Subjekts, des Ich. Während er hierdurch KANT zu überbieten suchte, brachte er bloß eine Karikatur der Philosophie desselben zu Tage, indem er, unter beständiger Anwendung der jenen drei Pseudophilosophen bereits nachgerühmten Methode, das Reale ganz aufhob und nichts als das Ideale übrig ließ. Dann kam SCHELLING, der, in seinem System der absoluten Identität des Realen und Idealen, jenen ganzen Unterschied für nichtig erklärte, und behauptete, das so mühsam, mittels der allmählich und schrittweise sich entwickelnden Besonnenheit, Gesonderte wieder wild durch einander zu werfen und Alles zu vermischen trachtete (Schelling, vom Verhältnis der Naturphil. zur Fichteschen, S.14-21). Der Unterschied des Idealen und Realen wird eben dreist weggeleugnet, unter Nachahmung der oben gerügten Fehler Spinozas. Dabei werden sogar Leibnizens Monaden, diese monströse Identifikation zweier Undinge, nämlich der Atome und der unteilbaren, ursprünglich und wesentlich erkennenden Individuen, genannt Seelen, wieder hervorgeholt, feierlich apotheosiert und zu Hilfe genommen (Schelling, Ideen z. Naturphil. 2. Aufl. S.38 u. 82) Den Namen der Identitätsphilosophie führt die Schellingsche Naturphilosophie, weil sie, in Spinozas Fußstapfen tretend, drei Unterschiede, die dieser aufgehoben hatte, ebenfalls aufhebt, nämlich den zwischen Gott und Welt, den zwischen Leib und Seele, und endlich auch den zwischen dem Idealen und Realen in der angeschauten Welt. Dieser letztere Unterschied aber hängt, wie oben, bei Betrachtung Spinozas, gezeigt worden, keineswegs von jenen beiden andern ab; so wenig, dass, je mehr man ihn hervorgehoben hat, desto mehr jene beiden andern dem Zweifel unterlegen sind: denn sie sind auf dogmatische Beweise (die Kant umgestoßen hat) gegründet, er hingegen auf einen einfachen Akt der Besinnung. Dem allen entsprechend wurde von Schelling auch die Metaphysik mit der Physik identifiziert, und demgemäß auf eine bloß physikalisch-chemische Diatribe der hohe Titel "von der Weltseele" gesetzt. Alle eigentlich metaphysischen Probleme, wie sie dem menschlichen Bewusstsein sich unermüdlich aufdringen, sollten durch ein dreistes Wegleugnen, mittels Machtsprüchen, beschwichtigt werden. Hier ist die Natur eben weil sie ist, aus sich selbst und durch sich selbst, wir erteilen ihr den Titel Gott, damit ist sie abgefunden und wer mehr verlangt ist ein Narr: der Unterschied zwischen Subjektivem und Objektivem ist eine bloße Schulfakse, so auch die ganze Kantische Philosophie, deren Unterscheidung von a priori und a posteriori nichtig ist: unsere empirische Anschauung liefert ganz eigentlich die Dinge an sich usw. Man sehe "Über das Verhältnis der Naturphilosophie zur Fichteschen S.51, und 67," woselbst auch S. 61 ausdrücklich gespottet wird über Die, "welche recht eigentlich darüber erstaunen, dass nicht nichts ist, und sich nicht satt darüber wundern können, dass wirklich etwas existiert." So sehr also scheint dem Herrn von Schelling sich Alles von selbst zu verstehen. Im Grunde aber ist ein dergleichen Gerede eine in vornehme Phrasen gehüllte Appellation an den sogenannten gesunden, d. h. rohen Verstand. Übrigens erinnere ich hier an das im 2. Band meines Hauptwerkes, Kap. 17 gleich Anfangs, gesagte. Für unsern Gegenstand bezeichnend und gar naiv ist im angeführten Buch Schellings noch die Stelle S. 69: "hätte die Empirie ihren Zweck vollkommen erreicht, so würde ihr Gegensatz mit der Zweck vollkommen erreicht, so würde ihr Gegensatz mit der Philosophie und mit diesem die Philosophie selbst, als eigene Sphäre oder Art der Wissenschaft, verschwinden: alle Abstraktionen lösten sich auf in die unmittelbare "freundliche" Anschauung: das Höchste wäre ein Spiel der Lust und der EINFALT, das Schwerste leicht, das Unsinnlichste sinnlich, und der Mensch dürfte froh und frei im Buche der Natur lesen." - Das wäre freilich allerliebst! Aber so steht es nicht mit uns: dem Denken lässt sich nicht so die Tür weisen. Die ernste, alte Sphinx mit ihrem Rätsel liegt unbeweglich da und stürzt sich darum, dass ihr sie für ein Gespenst erklärt, nicht vom Felsen. Als, eben deshalb, Schelling später selbst merkte, dass die metaphysischen Probleme sich nicht durch Machtsprüche abweisen lassen, lieferte er einen eigentlichen metaphysischen Versuch, in seiner Abhandlung über die Freiheit, welche jedoch eine bloße metaphysische Phantasie, ein conte bleu (Ammenmärchen) ist, daher es eben kommt, dass der Vortrag, so oft er den demonstrierenden Ton annimmt (z.B. S. 453, ff.), eine entschieden komische Wirkung hat.
Durch seine Lehre von der Identität des Realen und Idealen hatte demnach SCHELLING, das Problem, welches, seit Cartesius es auf die Bahn gebracht, von allen großen Denkern behandelt und endlich von Kant auf die äußerste Spitze getrieben war, dadurch zu lösen gesucht, dass er den Knoten zerhaute, indem er den Gegensatz zwischen Beiden ableugnete. Mit Kant, von dem er auszugehen vorgab, trat er dadurch eigentlich in geraden Widerspruch. Inzwischen hatte er wenigstens den ursprünglichen und eigentlichen Sinn des Problems festgehalten, als welcher das Verhältnis zwischen unserer ANSCHAUUNG und dem Sein und Wesen, an sich selbst, der in dieser sich darstellenden Dinge betrifft: allein, weil er seine Lehre hauptsächlich aus dem SPINOZA schöpfte, nahm er bald von Diesem die Ausdrücke DENKEN und SEIN auf, welche das in Rede stehende Problem sehr schlecht bezeichnen und später Anlass zu den tollsten Monstrositäten wurden. SPINOZA hatte mit seiner Lehre, dass die denkende Substanz und die ausgedehnte Substanz eine und dieselbe Substanz sind, die bald unter diesem, bald unter jenem Attribut begriffen wird. (Spinoza, Ethik, II, prop. 7, schol.) Geist und Körper sind nämlich eine und dieselbe Sache, die bald unter dem Attribut des Denkens, bald unter dem der Ausdehnung aufgefasst wird (Spinoza, Ethik, III, prop. 2, schol.), zunächst den Cartesianischen Gegensatz von Leib und Seele aufheben wollen; auch mag er erkannt haben, dass das empirische Objekt von unserer Vorstellung davon nicht verschieden ist. SCHELLING nahm nun von ihm die Ausdrücke DENKEN und SEIN an, welche er allmählich denen von ANSCHAUEN, oder vielmehr Angeschautem, und Ding an sich substituierte. (Neue Zeitschrift für spekul. Physik, ersten Bandes erstes Stück: "Fernere Darstellungen" usw.) Denn das Verhältnis unserer ANSCHAUUNG der Dinge zum SEIN und WESEN AN SICH derselben ist das große Problem, dessen Geschichte ich hier skizziere; nicht aber das unserer GEDANKEN, d. h. BEGRIFFE; da diese ganz offenbar und unleugbar bloße Abstraktionen aus dem anschaulich Erkannten sind, entstanden durch beliebiges Wegdenken, oder Fallenlassen, einiger Eigenschaften und Beibehalten anderer: woran zu zweifeln keinem vernünftigen Menschen einfallen kann. Diese BEGRIFFE und GEDANKEN, welche die Klasse der NICHTANSCHAULICHEN Vorstellungen ausmachen, haben daher zum WESEN und SEIN AN SICH der Dinge nie ein UNMITTELBARES Verhältnis, sondern allemal nur ein MITTELBARES, nämlich unter Vermittlung der ANSCHAUUNG: diese ist es, welche einerseits ihnen den Stoff liefert, und andererseits in Beziehung zu den Dingen an sich, d. h. zu dem unbekannten, in der Anschauung sich objektivierenden, selbsteigenen Wesen der Dinge steht.
Der von Schelling dem Spinoza entnommene, ungenaue Ausdruck gab nun später dem Geist- und geschmacklosen Scharlatan HEGEL, welcher in dieser Hinsicht als der Hanswurst Schellings auftritt, Anlass, die Sache dahin zu verdrehen, dass das DENKEN selbst und im eigentlichen Sinn, also die BEGRIFFE, identisch sein sollten mit dem Wesen an sich der Dinge: also das in abstracto Gedachte als solches und unmittelbar sollte Eins sein: demnach brauchten wir nur zu denken, oder die Begriffe walten zu lassen, um zu wissen, wie die Welt da draußen absolut beschaffen sei. Danach wäre Alles, was in einem Hirnkasten spukt, sofort wahr und real. Weil nun ferner "je toller je besser" der Wahlspruch der Philosophaster dieser Periode war; so wurde diese Absurdität durch die zweite gestützt, dass nicht WIR dächten, sondern die Begriffe allein und ohne unser Zutun den Gedankenprozess vollzögen, welcher daher die dialektische Selbstbewegung des Begriffes genannt wurde und nun eine Offenbarung aller Dinge in und außerhalb der Natur sein sollte. Dieser Fratze lag nun aber eigentlich noch eine andere zum Grund, welche ebenfalls auf Missbrauch der Wörter beruhte und zwar nie deutlich ausgesprochen wurde, jedoch unzweifelhaft dahinter steckt. SCHELLING hatte, nach Spinozas Vorgang, die Welt GOTT betitelt. HEGEL nahm Dies nach dem Wortsinn. Da nun das Wort eigentlich ein persönliches Wesen, welches, unter andern mit der Welt durchaus inkompatiblen Eigenschaften, auch die der ALLWISSENHEIT hat, bedeutet; so wurde von ihm nun auch DIESE auf die WELT übertragen, woselbst sie natürlich keine andere Stelle erhalten konnte, als unter der albernen Stirn des Menschen; wonach denn dieser nur seinen Gedanken freien Lauf (dialektische Selbstbewegung) zu lassen brauchte, um alle Mysterien Himmels und der Erde zu offenbaren, nämlich in dem absoluten Gallimathias der Hegelschen Dialektik. EINE Kunst hat dieser Hegel wirklich verstanden, nämlich die, die Deutschen bei der Nase zu führen. das ist aber keine große. Wir sehen ja, mit welchen Possen er die deutsche Gelehrtenwelt 30 Jahre lang in Respekt halten konnte. Doch genug von ihnen und ihrem Urheber, dessen Verehrung wir der Dänischen Akademie der Wissenschaft überlassen wollen, als welche in ihm einen summus philosophus nach ihrem Sinn erkannt hat und daher Respekt vor ihm fordert, in ihrem, meiner Preisschrift über das Fundament der Moral, zu bleibendem Andenken, beigedrucktem Urteil, welches eben so sehr wegen seines Scharfsinns, als wegen seiner denkwürdigen Redlichkeit, der Vergessenheit entzogen zu werden verdiente, wie auch, weil es einen lukulenten Beleg lieferte zu LABRUYEREs gar schönem Ausspruch: Aus demselben Grund, aus dem man einen Mann von Verdienst links liegen lässt, vermag man auch einen Dummkopf zu bewundern.
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