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neue sinnlichkeit

Fragwürdigkeit
von KANT:
Das Weib wird durch die Ehe frei; der Mann verliert dadurch seine Freiheit Fragwürdigkeit
von KANT:
Bedeutet der qualitative Sprung in der Physik, zwischen derjenigen von Newton und der euklidischen (einfach-perspektivischen) Raumvorstellung bei Kant und der heutigen Wellen- und Quantenphysik, eine alltagswirkliche lebensrelevante Einschränkung der menschlichen Urteilskraft und der Urteile? Fragwürdigkeit
von KANT:
Kants vier Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? fordern, dass der Mensch urteilen kann. Kant entfaltet zwar theoretische Bedingungen der Urteilskraft. Geht aber der Bedingung, ob der Mensch mit dieser Urteilskraft urteilen kann, zu seiner anthropologischen Oberfrage: Was ist der Mensch? - Kann der Mensch denn zureichend urteilen? - nur fragwürdig nach. Fragwürdigkeit
von KANT:
Kants Forderung unbedingter Wahrhaftigkeit der Menschen untereinander ist eine Fragwürdigkeit seiner "Tugendlehre". Die Menschen sind dazu - individual überwiegend und stets sozial - außer stande. Fragwürdigkeit
von KANT:
Kant bezeichnet Gott als nichtergründliches Erbarmen, Heiligkeit und Sinnhaftigkeit. Sinnhaftigkeit ist - anders als Erbarmen und Heiligkeit - ein wendiger Begriff
Erfolgskinder



Es geht mal ausnahmsweise nicht um Eigenlob von Dietmar Moews, sondern um den treffenden Kern der Neuen Sinnlichkeit. Was soll Neue Sinnlichkeit bedeuten?

Neue Sinnlichkeit sieht die Politik als Krone und Krönungsperspektive des Menschlichen und der gemeinschaftlichen Ausgestaltung mit den Menschen, die wir sind. Es handelt sich bei der Neuen Sinnlichkeit nicht um das Primat des Künstlerischen, von Ästhetik oder gar einer Trieb-, Lust- oder Kreativitätsbedeutung. Weil der Neuen Sinnlichkeit Kunst und Kultur lebens-wichtig ist, (also der menschliche Umgang, z. B. auch mit Kunst) Lust- und Triebverwirklichung sogar als empirische Lebensobermacht angesehen werden, setzt die Neue Sinnlichkeit auf Politik. Politik der Politik ist die Krone der Möglichkeit, das menschliche Leben als sein Leben, als unser Leben - wie immer es gewünscht wird - zu gestalten und - diese Misere zu akzeptieren.

Auch wenn Politik nicht das Schlüsselwort bei Kant ist - Kern seiner Lebensarbeit ist tatsächlich systematische Kritik für Menschen als Wackelkandidaten mit Verstand und Geduld, statt Dogmatismus oder Skepsis. So ist doch bei Kant die Kritik eine Maßgabe für die Politik. Deshalb - so kann hier mit Isaiah Berlin gesagt werden - ist Freiheit, um ihrer selbst willen, ein unveräußerlicher Wesenszug des Menschen, frei entscheiden zu können statt bevormundet zu werden - auch eine Oberantwort Kants zur Frage: Was / wie ist der Mensch? - Nicht Theorie und Hirngespinste, nicht Metaphysik, nicht paradoxe Komplikationen, was frei ist oder wie unfrei, was determiniert und was willkürlich, galt Kant vorrangig, aber kritisches Denken zu der Erwartung Kants aus so krummen Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann niemals etwas Gerades gezimmert werden - aber Knigge; da klingt bereits Hannah Arendts Irrationalitäts-Hypothese an, die beim Urteilen interessiert.

Dietmar Moews, als Maler und Freiheitskreativling in Handwerk und Wissenschaft setzt deshalb die Politik (ganz in französischer Geschichtstradition) nach oben, weil er eine Vernunfterfahrung in der menschlichen Wirklichkeit zu sehen meint, eine Konstante im europäisch-abendländischen Sein und Werden: Der Mensch urteilt und handelt vermeintlich rational und gezielt. Was herauskommt, ist meist nicht, was es werden sollte. Das menschliche Handeln ist nicht so zielführend, wie ungenau, tolerant und misslingend. Dafür, dagegen, darum, darin verfügen jeder Mensch, die Menschen, als Freunde wie als Feinde, über die Hinnahmefähigkeit und schließlich das schicksalhafte Einfügen, so gesehen das Einverständnis in das selbstangerichtete Heil und Unheil (Heil Hitler, Armageddon, Auschwitz, Hiroschima und Nagasaki - Beispiele menschlicher "Unmenschlichkeit", des Versagens, der Meistermaler Caravaggio als Mörder, der liebende Familienvater als Folterer, Endlos-Adelshochzeiten am TV, das Heinzlein im Kellerfass aller Aborte dieser Weltgeschichte als Zeugnis). Es ist Politik, wenn wir, jeder in seinem Selbstverständnis, erste Steine werfen und dann weggucken als sei nichts. Die neue Sinnlichkeit zeigt das Urteilen und die politische Menschlichkeit im Jahr 2004.

Liebere Leserin und lieber Leser, trotz monatelangem Herumprobieren ist es nicht gelungen, die hochgestellten FRAGWÜRDIGKEITEN so kurz und prägnant zu halten, wie die FRAGEN in Heft 46 und die THESEN in Heft 47.

Ließen sich die Fragen beinahe unverändert Kants Schriften entnehmen, waren die Thesen redaktionell angebläht. So kommt hier des Herausgebers Unvermögen voll zum Zuge. Denn Kant hatte diese Fragwürdigkeiten ja nicht selbst so formuliert. Dietmar Moews ist aber ein glaubender Mensch. Er glaubt an das bisschen menschenmögliche Verständnis bei gebotener Güte und Geduld. Dafür wurden wieder einige lustige Kleinigkeiten eingestreut, die den Berufsleser animieren können, Geld herzuschicken. Der Empfänger weiß zumindest, dass es guten Zwecken dient. Z. B. soll der ganz alte Kant, der an Schwäche und Vertrocknung geradezu eingegangen ist, gesagt haben, als Körperschwäche und Greisigkeit merklicher wurden, insbesondere seine Füße immer mehr ihm den Dienst versagten, er im Gehen wie im Stehen fiel, wenn auch glücklicherweise fast stets, ohne sich zu verletzen, Dies: Kant pflegte zu scherzen, er könne wegen seines leichten Gewichts überhaupt nicht schwer fallen (öfters, wenn er aus Mattigkeit vormittags auf seinem Stuhle einschlief, fiel er auch von diesem, bis er mit einem Armstuhl vertauscht wurde). Als Armstuhl steht Kant nunmehr seit vielen Jahren in Schloss Neuschwanstein und wird vom zahlenden Publikum dort dankbar zum Ausruhen benutzt.

Liebere Leserin, lieber Leser, sehr geehrter Herr Professor Kant: Noch immer lauern Blindgänger. Noch immer finden in diesen Blättern für Europäer unglaubliche Gedanken zusammen, die Ihnen mitgeteilt werden sollen. Zwar herrscht die Pressefreiheit in Deutschland nicht gerade, aber sie residuiert. Man danke das ausdrücklich.

Kenner der Kunst- und Kulturblätter wissen, die Erfolgskinder dienen dem freien Fluss der jean-paulschen Gedankenflüsse und bieten auf diese Weise viel Überraschendes, oft zumindest Unzusammengehöriges. Speziell das heutige Blatt Numero 48 ist dem Lustigen Kant - ohne Vorkenntnisse für jedermann leicht gemacht -, der vor 200 Jahren in die ewigen Jagdgründe wechseln konnte, um sich beruflich zu verbessern, zugeeignet. Was uns Kant heute nützt, darum geht es im Kantjahr 2004. Jedoch: Das Leben mit der Frage: Wer erfindet einen Witz? bringt mich an den Punkt, dass Prinz Charles sich einer Operation unterziehen muss; er leidet an einer Verdickung seiner Camilla. Und sofort habe ich selbst diesen schlechten Geschmack im Mund, von dem ein solcher Witz zeugt. Denn es ist nicht nur Ausdruck schlechten Geschmacks, sondern auch die Fatalität für denjenigen, dem so ein Witz einfällt - allein, dass er Sowas irgendwie witzig findet (würg) -. Selbst seinen schlechten Geschmack an sich zu finden, das ist schlechter Geschmack im Umgang mit der eigenen Urteilskraft, so gesehen, überhaupt nur zu urteilen, im Wertbewusstsein davon, was und wie man sich guten Geschmack vorstellt. Dann haben wir ein zweifaches Problem: Der Einfall von der dicken Camilla des Prinzen in Verbindung damit, a) darin einen Witz zu sehen. Sowie b) die Einschätzung, bei diesem Einfall nebst Einordnung des Einfalls als Witz, einen Fall schlechten Geschmacks zu erkennen. Aber Zweitens einem ans gute Tun verpflichteten Kategorischen Imperativ entgegen, das für schlecht Gehaltene auch noch aufzuschreiben, in den Druck und ins Internetz zu geben. Denn die Veröffentlichung des Bösen ist doch - frei nach Lajos Dayatos - Das merkt doch Keiner-Devise - nicht geeignet, das Schlechte zu heilen, sondern trägt noch - wie beim Nürnberger Trichter - das Schlechte in die Leser hinein.

Ein Mensch schlechten Geschmacks, dem so was einfällt - oder? Ein Mensch schlechten Geschmacks, determiniert dazu, dass ihm sowas einfällt. Es aber aufzutippen, hinzuschreiben, zu drucken - nein - hilf mir, es selbst zu tun. Was Kant meint, ist ja: Alles Mögliche - aber dann, AUSWÄHLEN - selbst JA oder NEIN sagen. (Meine liebe Mutter sagt oft: ich kann so schlecht Neinsagen).

Originalsponsoring
von
neuesinnlichkeit
agentur + blätter
 
Wir sehen einen Innenblick vom leeren Simplon-
Tunnell - zum Verständnis von Bastelbogen 47

Sehr geehrte Gemeinde - Kant würde sagen Weltbürger (ohne Einheit) - diese Erfolgskinder sollen der leichten Hinführung zum 64-Blätter-Wald im Heftumfang dienen (1000er Auflage immerhin). But I get to make one thing clear. I am suppose to integrate my goals in my target to destinate every climate and sudden brightness I christen My Perfect Friend, that little would be man and bloody old bugger: Dieses Blatt soll Ihnen aber überhaupt - bei beliebiger Benutzung - gefallen:

 
 
und - wie vor, ohne Verkehr in Gegenrichtung

Mit denen im Jahr 2004 erscheinenden fünf Ausgaben Neue Sinnlichkeit, Blätter für fünf-blättrigen Klee, im Abonnement auf Lebenszeit für nur 500 EURO (Abo-Telefon 0351 803 75 82 /sehr freundlich) wird die lose Folge noch dadurch aufgelockert, dass es hier um Immanuel Kant im Kant-Jahr geht. Indem durch maximalen Geisteseinsatz des Herausgebers ein maximaler Spaß und Nutzen für die

 
 
Fragwürdigkeit
von KANT:
Kants Philosophie war hauptsächlich theoretisch - genannt Metaphysik. Wo Kant ganz konkret den Begriff "Ideal" verwendet und auch auslegt, wie und was im Ideal zu tun und welche Urteile zur Ideal-Lebensweise gefordert sind, ist er von allen guten Geistern der Gültigkeit und Wirklichkeits-
verpflichtung verlassen.
Der Nachtzug von Italien, entgegenkommend

Leserin ermöglicht wird, bei minimaler Konzentrationsleisung beim Lesen. Kant leicht gemacht, in fünf Heften. Hier Numero 48 - das dritte Heft zu Kants Vorstellungen - immer engstens an der Linie entlang:

Was bietet Kant heute? Was gilt? Was ist überholt? Was ist unklar? Was soll denn die Theorie, wenn allein der Mutterwitz Leben rettet?
Ich zeige, wie Kant zum Gesamtwerk Neue Sinnlichkeit gehört. Das will ich vervollkommnen. Die Blätter für Repräsentation sollen es repräsentieren. Sollen es nach- und vorbereiten. Hier also die wichtigsten Kantigkeiten:

First, one and only, primary, Primel-Schlüsselblümlein: Kants Oberfrage Was/wie ist der Mensch? diese Frage ist von Kant aus theoretisch auf die Urteilskraft gerichtet. Auf diese Urteilskraft und hieran folgt das praktische Urteilen. Um das Urteilen geht überhaupt für uns alle Alles. Wir alle

 
 
Fragwürdigkeit
von KANT:
Den Begriff "Gründe" spezifisch durch den Begriff "Vorwände" zu ersetzen, erleichtert Motive und Ursachen zu unterscheiden.
und hier die Auflösung: der arme Bastel-Kant 47,
Richtung Italien, ebenfalls im Simplon-Tunnell,
aus Sicht des entgegenkommenden Zuges

müssen ständig mit Urteilen und Urteilsschwächen, mit dem Beurteiltwerden rechnen und Mensche zu Mensche menscheln urteilend eine Menschlichkeit zusammen, die zu wünschen übriglässt. Ja - werden Sie sofort einwenden - warum macht Kant nicht Vorschläge fürs Wünschen? Sehen Sie, lieberer Leser, an dieser Stelle finden Sie jetzt die immer wieder überraschende Angelegenheit - nennen wir sie - Ihre Intelligenz. Ist es nicht wunderbar.

Zwee, sekundenschnell, duo in camera: Kant hatte eine ganz brauchbare Vorstellung vom Idealen. Kants Idealismus ist aber einerseits Theorie und dient der Gedankenklarheit. Kants praktische Lebensweisheit dagegen ist nur wechselhaft idealistisch zu nennen. Das Problem des Idealismus wird in dieser Kantvorlesung besonders herausgehoben vorgestellt, nämlich an der Erörterung des von Kant selbst so genannten kategorischen Imperativs. Beim kategorischen Imperativ kommt das Ideal ins Fragwürdige: Kann der Mensch denn das Urteilen, wie er bei Kant urteilen soll? Kann der Mensch seiner Pflicht, vernünftig und moralisch zu sein, wie Kant es herausstellt (gewissermaßen fordert er es - er überfordert also) denn nachkommen? Und wie sehr wollen wir den Menschen erziehen/dressieren/geistig führen, damit er einer Pflichtmoral überhaupt anhängen können soll, dabei seine öde Würde aber aus den Augen verliert, wie der Bus seinen Busfahrer oder wie der Untertan Heinrich Manns, als er hinter die Kutsche stolpert.

Wir lassen Kants Was kann ich wissen?-Transzendental-Theorie weg - wir lassen auch Kants Was darf ich hoffen?-Religions-Metaphysik weg, wir lassen Kategorien, Ideen, Begriffe, Gott, Unsterblichkeit, Erlösung, Teleologie, Würde u. a. weg und folgen der zu Kants Oberfrage erklärten Angelegenheit Urteilen.

Zum flotten Dreier machen wir die Terz: Dadada:
Ami du Ami du armer armer ami du: Vom ewigen Frieden dachte Kant anders als die Welt der menschlichen Erscheinungen und Anschauungen. Friedlichkeit ist bei Kant idealistisch und - funktioniert deshalb leider auch gar nicht in dieser Welt der "Idealisten", die nur den Schein der Friedlichkeit vorwenden, tatsächlich aber sehr rücksichtslos ihr Leben einrichten. Was zur Uno-Charta und der Weltgemeinschaft von Kant aus hinleitete, hängt aber in dem Idealismus der Kantschen Friedenskonzeption, die zahlreiche Fragwürdigkeiten aufweist. Kant argumentiert den Frieden unilateral, aus Sicht eines handelnden Akteurs, übersieht aber, dass die Welt ein multilaterales Balancespiel mit Falltüren und Irrläufern nur sein kann. Auch hier gipfelt das Urteilen in Fehlannahmen hinsichtlich der Menschenfrage: Was/wie ist der Mensch? Man kann sagen: Kants Lebenszeit hat nicht gereicht, mit

 
Fragwürdigkeit
von KANT:
Nichts schwächt den Geist wie den Leib des Menschen mehr, als die Art der Wollust, die auf sich selbst gerichtet ist, und sie streitet ganz wider die Natur des Menschen.
 
Joschka Fischer vor Dietmar Moews Atomsonne

Fragen des Urteilens, mit Sprachphilosophie und mit dem, was bei Nietzsche Jenseits von Gut und Böse und Menschliches Allzumenschliches heißt und bei Isaiah Berlin Diesseits von Gut und Böse, hinreichend selbstkritisch umzugehen. Das ist dem Held der systematischen Kritikmethode nicht übler anzurechnen als jeder anderen blöden Zicke ihre Eigensucht. Frage ist ja: Was weiß ich? oder: Was weißt Duden? Hier in der Neuen Sinnlichkeit werden diese Farben ausgestrichen, dünner, dicker, lasierend und - als Rostschutz.

 
Fragwürdigkeit
von KANT:
Man kann den Anreizen dazu entgehen durch anhaltende Beschäftigung, dadurch dass man dem Bette und Schlafe nicht mehr Zeit widmet, als nöthig ist
 
Fragwürdigkeit
von KANT:
Das Wohltun der Reichen ist kaum ein Verdienst, es kostet ihnen keine Aufopferung und ist für sie nur eine Art in moralischen Gefühlen zu schwelgen. Fragwürdigkeit
von KANT:
Denn wenn niemand die Güter des Lebens mit Gewalt und Ränke an sich risse, so würden keine Reichen, aber auch keine Armen vorhanden sein. Fragwürdigkeit
von KANT:
Kant übergeht mit dem pflichtmoralischen Sollen, im kategorischen Imperativ, das sozialunverträgliche Nichtkönnen der Menschen. Unsere menschliche Urteilsschwäche bezieht sich nicht nur auf das Zwischenmenschliche, sondern auch auf Selbsteinschätzung, Regelhaftigkeit, Pflichterfüllung, Kontrollschwächen, Apperzeptions-Inkonstanz und Fremdbestimmungen. Fragwürdigkeit
von KANT:
Als sein oberstes aber fragwürdiges Forschungsziel stellt Kant die Anthropologie heraus: Was und wie ist der Mensch und der Mensch unter Menschen? Womit kann und sollte der Mensch rechnen, damit sein Leben gelingen kann? Fragwürdigkeit
von KANT:
Werdet nicht der Menschen Knechte - lasst Euer Recht nicht ungeahndet von anderen mit Füßen treten. - das Bücken und Schmiegen vor einem Menschen scheint in jedem Falle eines Menschen unwürdig zu sein - Wer sich zum Wurm macht, kann hernach nicht klagen, wenn er mit Füßen getreten wird. Fragwürdigkeit
von KANT:
Kant schrieb 1755: Gebet mir Materie, ich will eine Welt daraus bauen! das ist, gebet mir Materie, ich will euch zeigen, wie eine Welt daraus entstehen soll. Kant bringt Herstellen und Erkennen in eine moderne Formel der Fragwürdigkeit. Fragwürdigkeit
von KANT:
Man wird erkennen, dass die Geschichte der Menschheit nicht vom Guten zum Bösen fortgeht, sondern eine allmähliche Entwicklung vom Schlechten zum Besseren durchmacht, und dass zu diesem Fortschritt ein jeder an seinem Teile, soviel in seinen Kräften steht, beizutragen durch die Natur selbst berufen ist. Fragwürdigkeit
von KANT:
Wo vollkommene Kunst wieder Natur wird, als welches das letzte Ziel der sittlichen Bestimmung der Menschengattung ist. Fragwürdigkeit
von KANT:
Denn der Wert des Lebens besteht nicht im Genießen, sondern im Tun.
Dietmar Moews vor Dietmar Moews Atomsonne

Das Urteilen der Neuen Sinnlichkeit kommt deckend, notwendig an den allerneuesten Ausdifferenzierungen der Problematik von Freiheit, Willensfreiheit, Determination, Selbstreferenz, a priori-Erkenntnis und Anschauungsideen, wenn, wie bei Kant, und bei Moews bei Kant, und bei Moews bei Moews Alles auf die Sinnlichkeit zu beziehen ist. Es heißt: "Die Sinnlichkeit aber chiasmatisch von der Kritikleistung des eigenen Nervensystems abhängt und nicht - jedenfalls nicht beweisbar - von den Dingen an sich abhängt oder diese überhaupt erkennen ließe. Dann wollen wir das doch einfach weglassen (Luhmanns Systemreduktion: In der Kunst heißt das längst seit Adam und Mose: Alles weglassen, was man weglassen kann). Luhmann kann man eben nur toll finden, wenn man selbst wenig Blasen vom Blasen hat.

Und trotzdem: Nirgends finden wir Überlebenden in der Neuen Sinnlichkeit Wahrheitsprobleme, Erkenntnismängel, die von unserer Erkenntnisunfähigkeit und beschränkten Urteilskraft herrühren. Das Überleben wird nicht generell durch mangelhafte Sinnlichkeitsurteile bedroht. Urteilsschwäche liegt wo anders. Sie liegt empirisch - das heißt hier: tatsächlich und real - im Bereich des Allzumenschlichen und Menschlichen ganz nachweislich allein. Kant nennt dies die selbstverschuldete Unmündigkeit - und wo Karl Kraus recht hat, da hat er recht. Dummheiten, Missbrauch der Willensfreiheit, zu wenig Geschlechtsverkehr - oder, wie Kant schrieb: Onanie mache den Jüngling krank - im Gegenteil: Onanieren tut allen Beteiligten kurz-, mittel- und langfristig sehr gut, genau, wie das zu lange im Bett Liegen glatte Haut macht. Wir haben es also mit Kant nur mit Theorie zu tun, wenn wir das mitmachen. Wir - haben es mit Kant jedoch mit einem liebenswürdigen intelligenten Vorläufer im europäischen Lutherismus zu tun, der in Wort und Tat, in Freud und Leid, eine wunderbare Kinderseite der Epoche war und - bei liebender Betrachtung - noch immer fort auch für die ganz jungen Leserinnen und Leser eine Freude ist. Der Kant war klasse. Sein Kragenbär war schüchtern. Yibbee, sein karierter Hund, hatte feine Nerven, Kants Senf war weltberühmt wie die Königsberger Klopse usw. usw. usf.

Der Aufklärer Kant, der Verfechter von Reformpädagogik und der Zivilität eines Rechtsstaats, die Diskussion um die Werte der französischen Revolution, für die Kant bis zu seinem Tode - als Untertan trotz Zensur - öffentlich eintrat. Dass Kant der erste wichtige populäre Schriftsteller war, der Wissenschaft in deutscher Sprache verfasste und veröffentlichen ließ - wir wissen gar nicht, wo aufhören zu elogieren und zu jubeln. Und - Kant soll sonntags an seinen Haarbeutel gelbe, hellblaue und froschgrüne Flaumfedern gesteckt haben, die ihm sein Diener Lampe bei Bedarf geraderückte.

Numero 48 ist den FRAGWÜRDIGKEITEN des KANT gewidmet. Insbesondere Fragwürdigkeiten, die von Kants Denken her zur Neuen Sinnlichkeit führen. Wir folgen den wesentlichen Auszügen, wie die vorangegangenen Blätter für eine dritte Kultur in der Welt der Empirie Numero 46, mit FRAGEN von KANT und Blätter für die sehr verehrten liberalen Damen und Häresie Numero 47, mit THESEN von KANT bereits aufzeigen. Schritt für Schritt:

Erster Schritt: Was soll Neue Sinnlichkeit sein, außer ein Titel eines kleinen Blättchens für Lebensversuchszeichen eines Malers und Gelehrten in seiner Zeit? Nun - als Neue Sinnlichkeit firmiert der Knallfrosch unter dem Schweif des dösenden Kulturlöwen (DIE WELT) seit über 30 Jahren im Sinne einer fortschrittlichen Absage an die Moderne, insbesondere in den Künsten, speziell in der Malerei und in der Kultur und Kultur-Selbstaufklärung bzw. den machtvollen institutionellen Kulturwertsetzungen, den hier abzulehnenden kunst-ästhetischen Dogmen der sozialdemokratischen 68er-Kultur-Salonpersonnage in Deutschland seit 1948. Schicksalhaft traf Dietmar Moews mit Alphons Silbermann zusammen, dem bedeutenden Kölner Soziologen. Der eine - Knallfrosch unter dem dösenden Löwen - der andere als Provokateur, Störenfried und bedeutender Arschkriecher bekannt. Moews' Arbeit passt so übereinstimmend mit derjenigen Silbermanns zusammen, dass es beiden fast peinlich war, sich als Wahlverwandte zu finden, die nie vorher voneinander etwas gehört oder gesehen hatten. So wollte Silbermann, dann 1994, dass der Verlag der Neuen Sinnlichkeit an einen großen Verlag gebunden würde, damit eine bessere Reichweite hergestellt würde und der Herausgeber Moews auch verdienen könne. Daraus wurde nichts, weil der Moews seine vollkommen unkomplizierte Produktionsweise nicht an andere als die eigenen Strukturen binden wollte, als die seiner intelligiblen Kreativität. Doch wird seitdem die Arbeit des Soziologen Silbermann inhaltlich fortlaufend eingeflochten und gepflegt, weil die Wertegemeinschaft des Selberdenkens, das Prinzip Toleranz statt Schuld und die empirische Wissenschaft zur Neuen Sinnlichkeit gehören. Alljährlich - seit Silbermanns Tod im Jahr 2000 - gestaltet Dietmar Moews in einer großen Stadt ein Alphons-Silbermann-Festival ab: 2004 in Dresden.

Abgelehnt werden in der Neuen Sinnlichkeit besonders die sogenannten Auflösungs- und Zerbrechungsleistungen, die - und hier nun aktuell mit Kant sogar gegen dessen vernunft-kritische Naturerkenntnis - geistig und emotionale Zersetzung erzeugen, anstatt, wie bestenfalls gemeint sein mag, Wachheit, Selbstbestimmung und Aktivkräfte der Menschen heraufgerufen würden. Die Moderne-Kritik in der Neuen Sinnlichkeit ist der eine Teil des Ersten Schritts. Ich stelle fest, dass die Moderne-Hirngespinnste, insbesondere im Nach-Hitler-Deutschland, unangenehm schwerverständlich, damit undemokratisch sind. Außerdem wird die Willkür einer exklusiven (Adornvieh)- also rechten - Bestimmungsmacht prinzipiell zurückgewiesen.

Der andere Teil des Ersten Schritts ist hier die Anknüpfung der Neuen Sinnlichkeit an Kant. Seine gesamte Philosophie läuft über die kritische Konstruktion der Urteilskraft auf das Urteilen hinaus. Kant gipfelt in die anthropologische Frage, was soll ich tun? Wie urteile ich so, dass die Gemeinschaft, auf die mein Urteilen zielen muss, meine Rechnung anerkennen kann. Wie kann ich urteilen und bestenfalls so, dass andere zu den gleichen Kriterien und Urteilen kämen, wie ich?

Kant hat eine vernunftkritische Methode, ein Erkenntnis-Werkzeug zum Denken sehr weit-reichend systematisch durchgearbeitet. Kants Kritik-Methode fußt mit der Feststellung: Erkenntnis von uns Menschen ist auf die sinnliche Erscheinungswelt angewiesen. Ohne die Dinge unserer Welt, die Erscheinung dieser Dinge für unsere Sinne, unsere Sinnlichkeit, unser vernünftig erlerntes Beurteilen dieser Erscheinungswelt, das auf Verständigung und Verstehen bezogene miteinander Sprechen über die Dinge der Erscheinungswelt, die Unterscheidung zwischen Urteilskraft, Wahrnehmung, Anschauung, Vorstellungen willkürlichen Wertsetzungen sowie insgesamt Urteilsdifferenzen und sogar Urteilskonflikten, sogar bei anerkanntem Gemeinsinn, übereinstimmend erkannter Lage, aber - eben - Zielkonflikt oder sogar nur Stimmungsabweichung, Sonoritätsschwäche, Unmusikalität, Unelastizität, Angst - ist uns heutigen Menschen die praktische Aushandlung unserer Lebenskultur sehr schwierig (geworden, weil jetzt Globalisierung und Balkanisierung ständig wechselnd aufleuchten, aufblitzen und wenn du denkst, du hast das Glück, dann zieht die Sau - schon wieder - den Arsch zurück). Selbst für fromme und wohlmeinende Mitmenschen, selbst mit Solidarität, Empathie und Hilfsbereitschaft herrscht doch weniger der Gemeinsinn, zu wenig die Bemühung um Wahrheit oder Erkenntnis oder Legitimation für Urteile und Handlungen. Meist regiert die Macht der Machtmittel, weniger die Macht der Erkenntnis und Gemeinsinnwahrheit - was bei Kant als das innere "Gesetz" der vernünftigen Pflichtmoral entwickelt ist - der Mensch tuts nicht. Wird er es tun können? kann er es wollen?

Auch die Macht des Rechtsstaats, der festgeschriebenes Recht gegen Machtwillkür schützen soll, ist eine gutgeheißene Grundgesetz-Formalität, verkommt aber, indem die zutrauliche Verlässlichkeit praktisch flöten ist. Uns gehts eigentlich ganz gut, aber wir zetern. Während der Waffen- oder Geldmächtige sie praktisch ignorieren kann, gemeinsinns-, wahrheits- und rechts- widrig - muss sich aber dafür hinstellen oder verdrücken. So gesehen diskutieren wir hier über Erkenntnis und Wahrheit, über Heuristik und Verifizierung, über Teleologie, Moralpflicht oder Offene Gesellschaft quasi um des Kaisers Bart.

Wir wollen keine Urtoffel sein (militärpsychologischer Typus der Hitlerzeit = heute sagen wir Spießer). Aber es ist der menschlichen, der künstlerischen und der empirisch-wissenschaftlichen Kampfmoral Verpflichtung genug, die heutzutage praktizierten Schweinereien akzeptabel einspielen, anstatt sie anzuerkennen oder ärgerlich zu schlucken - na ja, selbst anständig sein. Kapazitäten-Gutachter sind kostspielig.

Es gibt menschenmögliche Urteilskraft, es gibt Gemeinsinn- und Gemeinschaftsentscheidungen und -verantwortung, es gibt Erziehungsbedarf zur Menschlichkeit und es gibt Erziehungs-potentiale und -methoden dazu. Wir können diese wollen und in geordnetem Stil organisieren. Diese Organisation ist auf Recht und auf Rechtsstaatlichkeit zu stellen, wenn es heisst: Wahrheit gäbe es nicht. Der willkürliche Umgang mit der Wahrheit sei eben eine allerneueste Errungenschaft des philosophisch-politologisch-soziologischen Fortschritts, eine Art Kritik der kynischen Vernunft der Fortschrittsgeschädigten von heute. Dann müssen wir sagen: Nein, so ist es nicht. Peter Sloterdijks Kritik der zynischen Vernunft war ein literarischer Gag, gar nicht dazu geeignet, aus einem Philosophiehistoriker, wie Sloterdijk, einen Denker oder gar Vordenker zu machen. Wir empfehlen es, zu lesen. Und so jämmerlich ist nun auch Sloterdijks Orientierungsbeitrag als Nachfolger von Habermas, bei Suhrkamp und Frankfurter Allgemeinen Zeitung, oft sehr gutformuliertes Herumgespiele mit den Scherben - und im privaten Hintergrund ein bisschen Bagwhan-Osho-Egoismus bietet uns Sloterdijk. Sein literarischer Gag ist nur um Nuancen akzeptabler als der unsägliche Ausstoß Adorno / Horkheimers Dialektik der Aufklärung. Adorno, einer der intolerantesten Deutschisten, die man sich denken kann, der nur Deutsch nur Deutsch empfand, wie Hitlers Schäferhund Blondie. Weder gehen wir an Kulturindustrie zugrunde, die uns massenhafte Versorgung und Bedarfe deckt. Noch ist überhaupt Fortschritt disponibel. Eher ist adornviehische Dumpfheit hinderlich unseren Gemeinsinn witzig und lebhaft zu gestalten. Und das ist der Unterschied zwischen Adorno und Sloterdijk: Sloterdijk ist "katholisch", Adorno ist nur eitel und neidisch. Nennen wir das unkynischen Fortschritt - diese Gedankenfreiheit.

Alles, außerhalb unserer Sinnlichkeit möglicher Weise Vorhandene oder Wirksame ist für uns weder kognitiv zugänglich noch irgendwie vernunftkritisch erkennbar. Kant weist nach, dass wir - mit bestem Wissen und Gewissen in seriöser Ermittlung unserer Urteile im Leben, im seriösen mitmenschlichen Handeln nach diesen Urteilen - doch Wirkkräften und Eigenschaften - gegebenenfalls Vorurteile der Dinge an sich, von denen wir nichts wissen - so ausgesetzt seien mögen, dass unser Urteil, dass unsere Rechnung fehlschlägt, dass unsere Urteile sich als untauglich, belanglos für die Wirklichkeit und auch für die Menschen nicht gültig herausstellen, selbst, wenn wir Alles richtig beurteilt haben.

Praktisch leben wir ständig mit Fehlurteilen und Urteilsschwächen. Das stört uns wenig. Aber sind sie dadurch angelegt, dass beteiligte Individuen, inkonstantes Verhalten einbringen mögen, oder ein Perspektivwechsel des Anderen aufkommt, Wechsel seiner Motive, der Motivation, der Ziele, Wegfallen der Gründe oder Vorwände, strategische Spiele im sozialen Kampf, Mob, Mobbing, Mord. Gültigkeit oder Verlässlichkeit, Konstanz oder Ambivalenz der Urteile sind aus sozialen Möglichkeiten heraus, ob Gründe oder Vorwände, Motive oder Ziele, immer vom Tragwille jedes Beteiligten abhängig - ja dann: DANN SIND WIR ZÄNKISCH. Nur ist das keine Urteilsschwäche, sondern unser unter-entwickeltes Sozialverständnis - im Urteilen der Neuen Sinnlichkeit sind Geduld und Toleranz gefragt. Wenn ich mit dem Nächsten rechnen will, muss ich nicht - wie Habermas - sein etwa egoistisches, materielles, strategisches, altruistisches, willkürlich-spielerisches oder sonstwelches Interesse beurteilen, sondern wach interagieren. Mit einer Urteilsposition rechnen, heißt: eigene Rechnung - Verrechnen auf eigene Kosten. Anders, wenn ein gemeinsamwillkürlicher, beurkundeter Vertrag vorliegt. Wenn wir zum Zeitpunkt des Vertrages übereinstimmende Absichten erklären und uns beurkundet daran binden. Rechtssicherheit von Verträgen ist eine Urteilskräfte-Hilfe, die im Gemeinsinn möglich ist, übereinstimmende Urteile zu treffen. Da ist aber nicht die Frage von Wahrheit oder Erkenntnis relevant, wenn man im Rahmen von Recht und Sitte Verträge schließt, wenn Vertragsgrundlagen erkennbar sind, wenn im Rechtsstreit Verträge beurteilt werden müssen, Urteilskraft des Gerichts vorausgesetzt. Dafür hat sich das Rechtswesen selbst seine Reichweite bestimmt: Das deutsche Rechtswesen erachtet vorrangig Äußerlichkeiten der Erscheinungs- und Dingwelt. Die Gedanken, aber, sind frei. Die Verantwortungsschwächen werden ebenfalls nach Urteilskraft und Menschlichkeit beurteilt. Keinesfalls aber nach dem Motto: Wahrheit gibt es nicht, ein Mangel sei determiniert, ein Vertragsbrecher sei nicht schuldfähig, sein Vertragsbruch wäre mangels Willensfreiheit determiniert. Dieser Mensch sei wie eine Maschine. Der Mensch hat die Wahrheit der Maschine hervorgebracht und sei nun nicht mehr kulturfähig. Die neue Sinnlichkeit steht weit über diesem Maschinenmensch und zeigt in die Zukunft - nur Raddadisten beten die Maschine an. Die Zukunft liegt mehr bei Kant, als - zum Beispiel in seiner Kanteinführung bei Campus Günter Schulte seinen Kindern mitteilt - bei Marx, Weininger, Freud und Wittgenstein.

Warum soll ich denn an Gott glauben, der ein fester Gott ist, wenn mir heute ein Wackelgott viel mehr Bindung leiht? Oder warum soll ich Gott mit dem Bade ausgießen? (Hübsche Vorstellung: Gott, wie die Nudel beim Kochwasser, abgießen, rutscht über den Topfrand und entglitscht im Ausguss - armer Ami du. Ein Gott ist immer unmenschlich, denn er kann nur inner- oder ausserparadiesisch göttlich sein; ein Menschgott wäre, mit Robert Walser, ungöttlich.

Ich frage: Wie ist unsere Sinnlichkeit und unsere Konstitution von Wahrnehmung beschaffen? Und - wie können wir in den fortlaufend sich wandelnden mitmenschlichen Gemeinschaften, Urteilsgrüppchen, Interessenskollektiven, u.a.m. von den sowohl individuell wie situationsspezifisch sehr variablen Lagen, wie überhaupt zu, wenn auch sehr flüchtigen Urteilen kommen, ohne letztlich auf die Wahrheit des Schwertes zu setzen? Es ist so Neue Sinnlichkeit eine Politik des auf Sinnlichkeitsverhältnisse zu stützendes Urteilen, mit Kant, Edmund Husserl, Hannah Arendt und Maurice Merleau-Ponty.

Nun der Zweite Schritt von Kant her: Wenn wir dem Idealismus im Vordenken seinen geachteten Platz im praktischen Handeln einräumen, wird das Leben erfüllend, ohne die ständige Luther-Peitsche: Du sollst, aber du kannst nicht. So kommen wir zum Urteilen, das mit Hilfe der Urteilskraft und den ausweislich bescheidenen Erwartungen, was wir Menschen mittels urteilen und handeln zustande bringen - bescheiden, bescheiden. So kommen wir zur Freiheit, die bei Kant in sofern relativ angesetzt wird, dass Kant uns Menschen nur relative Erkenntnis, bei relativer Anschauung einer relativierten Erscheinungswelt zurechnet. Dann ist die Freiheit ebenfalls nur relativ. Aber unsere Freiheit zu urteilen besteht, mit der eigenen Vernunft determiniert. Schließlich sieht Kant über der "Freiheit des Selberdenkenden" immer noch einen paternalen preußischen König, der die Marktmacht als Machtrecht beanspruchen kann.

Wer diesen Kant im naiven Sinn als Idealist einschätzt, ist selbst naiv. Kant hatte ganz praktische Vorstellungen und Verhaltensweisen, die seinen proklamierten "Idealen" oft nicht entsprachen. So hielt er die Welt-Religionsgemeinschaft für ein politisches Ideal der menschenmöglichen Zukunft - dann müsse aber die Bibel aus dem Verkehr -, las aber selbst ständig in der Bibel, lobte auch das Neue Testament als anregende Lektüre. Und sein Handexemplar war voll der handschriftlichen kantschriftlichen Notizen und Anmerkungen.

So war es mit Kants realpolitischen Erwartungen auf eine emanzipierte Gesellschaft hin, zumindest hinsichtlich gewisser Gemeinsinn-Orientierung der Weltgemeinschaft. Liest man seine Beschreibungen des Trennenden, Unterschiedlichen usw. auf der Erde, ist nicht einmal zu unterstellen, Kant hätte geglaubt, sein Ideal der Vernunft-Kritik reiche viel weiter als nach Paris.

Kant konnte 1789 kaum fassen, als ihn die Berichte der französischen Revolution erreichten, dass es tatsächlich geschehen sein soll.

Bon, le critique de la raison pure, ici. Et maintenant: DER TROMPETER der NEUEN SINNLICHKEIT. Die Erlösung der Erlösung, würde Niklas Luhmann sagen. Ist es nicht ein Witz, dass sich der Redakteur - mit fehlerhafter Sehkraft - korrekturlesend, in keinem Falle, bislang so leistungsstark hat erweisen können, dass auch nur eine allgemein übliche Tipp-, Satz und Rechtschreib-Fehlerquote bei der Abfassung der Blätter für Orthographiefehler hervorgebracht werden konnte. Nein, es geht - egal wie liebend oder großzügig man es sich zurechtlegen wollte - zu fehlerhaft zu. Objektiv zu schlecht, parteiisch gesehen, will das niemand gut finden. Wo bei seriösen Druckwerken Korrekturen oder Korrekturzettel nachgereicht werden, hat die Neue Sinnlichkeit durch Ignoranz geglänzt sowie durch neue

 
 
Der Trompeter - gezeichnet von Peter Janssen -
tutet, wenn Fehler den Leser belustigen

Fehlersammlungen die Zumutungen fortgesetzt. Vielleicht noch diese Information (die jeder ernsthafte Kritiker ohnehin fehlend vermerken muss): Die NEUE SINNLICHKEIT, Blätter für Immanuel Kants Geduldprojekt einer sich stetig verbessernden Menschlichkeit, hat auch eine Auflagenhöhe. Nämlich, pro Ausgabe werden über 1.000 Hefte gedruckt. Aber wie? Wir sollen die neuen EU-Staatsbürger lieb haben.

Zuallererst baut der Herausgeber ein Musterbastelheft, dann wird alles zurecht gerückt, was in diesem Dummie wirklich schlechter aussieht, als es vorgedacht war. Dann werden Korrekturen gelesen. Zunächst die Beiträge als Einzel-Schriftsätze, von den vorhandenen Apple- und Microsoft-Rechtschreibprogrammen, sodann von verschiedenen geneigten Korrekturlesern bzw. -leserinnen. Wenn keine Fehler mehr gefunden wurden, werden ca. 100 Hefte mittels Rank-Xerox gedruckt, gelegt und geheftet. Dann - beim ersten Anlesen - springen bereits Fehler hervor, die vorher einfach unsichtbar waren - ES IST EIN DRAMA - JEDES MAL DAS SELBE. Zu allem Übel werden von dieser Erstauflage die lebenswichtigen Abonnenten auf Lebenszeit (dieser Korrektur-Erfolgsmethode) versorgt, also die als Büchersendung gekennzeichneten handgefertigten Briefumschläge in die Welt versendet, weil die Abonnenten doch das Vorrecht haben sollen, ihr Heft vor allen anderen Lesern anschauen zu können. Die Abonnenten bekommen nach dieser Methode also die fehlerhaftesten Erstdrucke. Folglich wird weiter korrigiert. Schon die nächste Auflage einer Nummer ist von großen Tippfehlern gereinigt. Die Leserinnen haben nun erstmalig den Vorteil, die eigenartige, durchaus beabsichtigte Rechtschreibung des Deutschen des Deutschen ausmachen zu können, im Unterschied zu Fehlern, die gar nicht gemeint waren. Kurz - wenn 1.000 Hefte gedruckt sind, liegt eine Druckvorlage des Heftes im Archiv des PANDORA KUNST PROJEKTS - zur Zeit in Dresden - von Dietmar Moews, die so gut wie keine Fehler mehr enthält. Jedoch besitzt so gut wie kein Leser ein fehlerfreies Exemplar.

Dafür - genau für diesen Fall - wird hier jetzt der Trompeter der Neuen Sinnlichkeit eingeführt. Dieser Trompeter vom Peter, nämlich der Maler Peter Janssen aus Düsseldorf und Berlin (s. a. www. neuesinnlichkeit.com Lexikon des Kunstwesens). Der Trompeter versinnbildlicht ein mozartsches Requiem, ein brahmssches und ein schubertsches, auf den Korrekturbedarfsgeist aller Autoren, Herausgeber, Korrekturleser und Leserinnen. Dieser Geist ist damit zwar nicht tot. Aber sein Lebensrecht ist ein Widerspruchs-recht, ein Widerspruchs-Geist, der berechtigt und gelitten ist, aber auf die hier und sonstwo praktizierten Realitäten kaum Relevanz hat. Ein Requiem ist nicht so schlecht. Die genannten sind sogar ausgesprochen schön und empfehlenswert. Requiem sind sehr gefühlsbetont, meist sehr hingebungsvoll gespielt und schließlich für eine Requiemshörerschaft - z. B. auf Beerdigungen oder Trauerfeiern - einem gefühlsempfänglichen Publikum von Kompositeuren und Arrangeuren und weinenden Geigenbauern teuer hinempfunden, dass die Schwarte kracht, bzw. die Seelen tanzen. Das und Vieles mehr bedeutet ab sofort dieser Trompeter. Er bläst die Asche auf das Haupt von fast 50 Blättern für requiemgestählte Laser, Leserinnen und Leserer, als ästhetisches Distanzmittel des alleinverantwortlichen Herausgebers, sich zu trösten, dass er so ein Kamel ist, beim Korrekturlesen seiner geliebten Blätter.

NACHTRAG zum Thema: Die überwiegend in Bleistift gezeichneten, Polizeizeichnung genannten, Portraits der wertgeschätzten Persönlichkeiten, kommen im Druck, statt in Graustufen der Striche, leider meist entweder als Schwarz oder garnicht. So fallen die Abbildungen der Polizeizeichnungen (es keine Karikaturen sondern wiedererkennbar treffende Gesichter sein sollen) teils sehr hart aus. Insbesondere zuletzt, bei der ersten Frau in der Ehren-Galerie, Hannah Arendt, ist die Vorlage des Drucks, also die Originalzeichnung von Dietmar Moews, viel nuancierter und zarter als das Endprodukt im Heft. So wird es mit Annemarie Schimmel voraussichtlich ebenfalls härter als beabsichtigt. Aber, was ist das Auge ohne die Liebe?

Wie schon mehrmals bemerkt, ist die Neue Sinnlichkeit ein Texte-Angebot und technisch nicht für Reproduktionen ausgestattet. Bilder sind deshalb als graphische Elemente im Heft gedacht, nur Andeutungen als Reproduktionen von Originalkunstwerken. Gutes - also schlechtes Beispiel - ist mal wieder das Stilleben mit der AMIGA-Schallplatte von Dietmar Moews. Das Ölgemälde ist eine Zier der gesamten Malereigeschichte und ein Meisterwerk - im Heft sieht es hauptsächlich lumpig aus, kann aber dennoch als Stilbeispiel für das Fahnenbild der Geschichte der Fahnenbild-Malerei stehen.

Im hinteren Heftteil sind Beiträge angeordnet, die durch Kürze und Leichtigkeit eine gewisse dramaturgische Beschleunigung erzeugen. Insbesondere, weil Reihen und Fortsetzungen, Leichtigkeiten und Wiedererkennbarkeiten aufgeboten werden. Das Lexikon des Kunstwesens, der Maler Otto Gussmann, das Qualitätsrätsel, die Bilder - haben wenig mit dem Kantjahr, dem Einsteinjahr, dem Thomas-Quasthoffjahr, dem Entente-Cordialejahr, dem Peter-Ustinowjahr, und den Fragen zu tun, ob die Zukunft vor uns liegt - vielleicht mit Goethes Kantbezeugung in
Heft 49.

Überraschend viele Leserinnen und Leser haben den Qualitätszeichner 47 vertippt - Namen der neuen prächtigen frankfurter Titanic-Schule - stimmt schon: Es ist Robert Gernhardt. Dafür gibt es bei www.dietmarmoews.com ein Gewinnspiel mit Originalbild als Hauptgewinn.
 
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