
Fragwürdigkeit von KANT:
Kant traf die anthropologische Annahme, der Mensch sei böse, aber zum guten gemeinsinnverpflichteten Moralisten fähig. Worauf Kant dieses Menschenbild empirisch stützt, verbirgt er hinter seinen wissenschaftlich nicht ausgewiesenen aber tatsächlich lebenslang durchgeführten Erhebungen, vertiefenden Gesprächen und Briefwechseln.
Fragwürdigkeit von KANT:
Kants verfahrensschwache Empiriearbeit zur Frage: Wie/Was ist der Mensch? landet nicht in einer Falle der Sprachphilosophie, sondern im Abseits seiner anthropologischen Nachlässigkeit und Ungültigkeit.
Fragwürdigkeit von KANT:
Wenn Kant die Funktion der Urteilskraft insbesondere auf das Gebiet der Kunst verwies, und hier als Verbalismus verkommen ist, hat die Urteilskraft doch besonders in der empirisch-rationalen Sozialforschung ihre Bedeutung und bildet sogar deren wesentliche Voraussetzung, indem das Allgemeine gleichzeitig mit dem Besonderen erfasst wird.
Fragwürdigkeit von KANT:
Kant entfaltet eine systematische Kritikorientierung der Urteilskraft. Seine Urteile halten dieser Analytik der Grundsätze - er nennt sie auch "Kanon für die Urteilskraft" und "Doctrin der Urteilskraft" - nicht immer stand.
Fragwürdigkeit von KANT:
Nietzsche: Man findet in den Dingen nichts wieder als was man nicht selbst hineingesteckt hat: dies Kinderspiel, von dem ich nicht gering denken möchte, heißt sich Wissenschaft? Im Gegenteil: fahren wir fort mit Beiden, es gehört guter Mut zu Beiden - die Einen zum Wiederfinden, die Andern - wir Andern - zum Hineinstecken! - der Mensch findet zuletzt in den Dingen nichts wieder als was er selbst in sie hineingesteckt hat: das Wiederfinden heißt sich Wissenschaft, das Hineinstecken - Kunst, Religion, Liebe, Stolz. In Beidem, wenn es selbst Kinderspiele sein sollten, ...
Fragwürdigkeit von KANT:
Immanuel Kant liebte das Vernünfteln auch als Erwerbsarbeit. Er stand am Katheder, dachte, redete, schrieb oder las. Person und Lebensweise, Denken und Handeln waren - so menschenmöglich - gewiss stimmig. Nehmen wir den "Gängelwagen" seines individuellen Beispiels dafür, wie der Kategorische Imperativ aus Lebensnähe gemeint ist.
Fragwürdigkeit von KANT:
Plato benannte für einen gerechtfertigten Lebenswandel das Wahre, das Schöne und das Gute als Orientierungsideen. Die Gültigkeit dieser "Ideale" hat sich als fragwürdige Stütze von Halsstarrigen erwiesen. Ansonsten sind das realitäts- und menschenferne, selten anzutreffende, also ungültige Wertsetzungen. Kants kategorischer Imperativ, mit der individual-sozialen Pflichtmoral als Wertmaßstab, hat zunächst die gleiche Schwäche, wie Platos Ideale.
Fragwürdigkeit von KANT:
Hätte Kant so angestrengt für seine irdischen Vernunft-Erkenntnisse gearbeitet, wenn er geglaubt hätte, nach dem Tode die Welt der Dinge zu erkennen, wie sie sowieso an sich selbst sind - die irdische Vernunft als in einem intelligiblen Reiche anschauend und erkennend?
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FRAGWÜRDIGKEITEN von KANT
zur Auswahl der Fragwürdigkeiten hier im Heft
von Dietmar Moews
Wir befinden uns im Atelier der Neuen Sinnlichkeit, nicht im Museum von Kant. Das ist auch ein Kant-Atelier. Und es ist das Nietzsche-Atelier der fröhlichen Wissenschaft. Die dieses Heft verzierenden, oberhalb des zweispaltigen quadratischen Text-Satzspiegels durchziehenden FRAGWÜRDIGKEITEN bezeichnen, wos bei Kant bunt war: Jede Leserin soll verstehen können, was an Kant bunt sein soll - schön bunt, grässlich bunt, gewesen sein soll oder heute ist - welche Verdienste Kants sollen hervorgehoben werden? Welche Schwächen treten zutage? Was verdankt die Neue Sinnlichkeit dem Vordenker Kant? Welche Bezüge können die Leserinnen und Leser in den FRAGEN, Heft 46, THESEN, Heft 47, den Erklärungstexten und in den Auswahltexten der sinngemäß aufgebotenen Kant-Sekundär-Autoren der Kantblätter 46 bis 50 des Jahres 2004 finden? Welche Diskussionsthemen werden 2004 in der Medienöffentlichkeit bewegt?
Ich möchte es so ausdrücken: Immanuel Kant hat Texte ausgearbeitet und hinterlassen. Wir lesen darin, so lange es Spaß macht. Berufs- und Freizeitleser müssen viel Zeit ihres Lebens zum Lesen anwenden. Wir lesen, bis der Tod uns blind macht. Viele lesen auch nur, wenn es sie schlauer macht. Schlauer wird man, vom Gelesenen her, oder von überraschenden Einsichten in die eigene Doofheit, oder durch ganz andere Einfälle und Durchdringungen, die nicht unmittelbar vom Gelesenen übertragen werden, sondern aus und bei oder nach dem Lesen uns kommen, z. B. die Idee: Och, ich lese mal nicht weiter, sondern gehe am Fluss spazieren (wenn man am Fluss wohnt oder, wenn man nicht am Fluss wohnt). Geht man gemeinsam spazieren, können auch im Gespräch neue Vorstellungen entfaltet werden - mir brauchst du nichts mehr zu verkaufen, denn ich weiß eins: Wandern, nicht anwachsen - aber menschlich Kontakt halten, verlässlich - ohne Heimatklammern.
Will man Kant von Kant her verstehen, muss man fragen: Was wusste man in Kants Zeit? Was gabs zu lesen? Was wurde gedacht? was meinten die Autoritäten? was die Köchinnen? Unterstellen wir mal, der Immanuel Kant, der kleine Kerl ohne Frauen, aber mit Geschwistern und Mutter, glaubte nicht alles, was so in seiner Zeit in Königsberg und Tilsit geredet wurde. Der Kant also sagte: Was bleibt davon, wenn ich nachfrage und nachsehe? Kant erkannte - wie sein Name schon sagte: cunt, was die Damenwelt so verteidigt und sich doch nur wenige fingerbreit vom Arschloch befindet, die Wahrheit: Was ist wohl ein brauchbares Für-Wahr-halten? was ist ein gebräuchliches Vorurteil? was ist ein überflüssiges oder gar schädliches Dogma? was ist nur Skepsis?
Kann ich eine Methode der Kritik, ein Werkzeug zum systematischen Urteilen, eine Methode der Urteilskraft ausdenken, die weiterhilft? Kant, also, erfand das System der menschlichen Urteilskraft. Davon handeln seine berühmten wenig gelesenen Bücher: "Kritik der Vernunft". Wer es genauer wissen will, müsste sich sehr gründlich kundig machen. Dafür reicht die Zeit aber nicht. Die meisten heutigen Berufs-Philosophen (das sind leistungsschwache Staatsdiener ohne Qualitätskontrolle) salbadern eine kenntnislose Mutmaßungsscheiße über Kant zusammen, dass man gleich an Ron Hubbard, an Swedenborg oder das Ding an sich glauben kann (was aber Unsinn wäre - auch Trost von Hubbard, Swedenborg und Selbsttäuschung tragen den Orientierungssuchenden nicht ohne Strafe - Trost bezieht man aus Irrglauben nur unverlässlich) - das muss Dietmar Moews leider sagen - ohne hier Beispiele zu nennen. Er denkt aber nicht, um seine Einsichten dann allein zur Arschkriecherei zu verwenden. Das heutige Kuranzgedenke - ob von Sloterdijk oder Habermas, Schirrmacher oder Volker Panzer - gereicht mir nicht zu der Zuversicht, diesen oder jenen gerne für mich eine Flasche Wein öffnen zu lassen (nicht viele können was, wie Günter Schulte, der gut kocht und malt) oder einen kaputten Autoreifen wechseln. Und so sind leider auch ihre Extrapolationen über Kant und ins Alltagswissen hinein: Brechstangen-Täter, aber nicht Denker sind das. Auch der von Schulte gelobte Hermann Schmitz (man mag sich ja ohne Strafe in Nietzsches "Wille-zur-Macht-Nachlass von 1887-1889 selbstbedienen) tändelt letztlich um den altersschwachen Kant herum, damit er sich eigenen Urteilskrafts-Leistungen und eigenen Orientierungs-Urteilen nicht stellen muss. Dafür kauft man dann seine kostspieligen Bücher und steckt zunächst Lese-Lebenszeit hinein - danke, meine Herren Schmitz und Schulte an sich - das werden sie noch bezahlen an mich; denn umsonst ist der Tod, so sehr es an unmenschliche Selbstverleugnung grenzt, Scharlatan Adorno nicht Scharlatan zu nennen (haben doch Staatsdiener die Verfahrenstechnik: zu verschweigen, zu ignorieren und zu verschleppen) - bin ich denn Beamter? Habermas redet unkompetent vom Kommunizieren und vom Ausbau der europäischen Institutionen, Adorno schwatzt von seiner Neurose einer aufklärungsdialektischen Kulturindustrie, während er statt kritischer Vernunft eine eigennützige "revolutionäre Vernunft" praktizierte, Schmitz weist dem alten Kant heterogenes Denken (schwaches widersprüchliches) nach, nimmt diesen späten Kant aber als Zeugnis für die Antwort: Was wollte Kant? (1989, S. 321 ff) angeblich Gott und Unsterblichkeit - und so geht es eben nicht seriös. Schulte verwendet die flinken Moralverurteilungen aus Nietzsche, bedankt sich aber beim Schmitz (Zitationspflicht auch bei fröhlichen Wissenschaftlern), und Sloterdijk versteht überhaupt nichts von Soziologie, indem er von Masse schwadroniert, so sinnlos und hetzerisch wie die Geschichtsidioten Canetti, Ortega Y Gasset und McLuhan, anstatt in der neuartigen postmodernen Weltkommunikation die Zeichen des neusinnlichen Urteilens überhaupt zu ermessen und nicht nur mit Tintenklexen an Pfoten zu verteufeln. Ab 2005 wird dies Blatt dazu kommen: Masse und Macht - erkennen.
Kurz: Kants Philosophie versuchte, weg von Dogma und Vorurteilen zu kommen, über bloße Skepsis hinweg, durch Denken zu gültigem, brauchbarem, verständlichem und kommunizierbarem Urteilen zu kommen. Dafür entwickelte Kant die "Urteilskraft". Zum "Urteilen" selbst reichte Kants Schriftsteller-Lebenszeit und Geisteskraft nicht. Da liegen nun die Fragwürdigkeiten - oder: die Aufgaben für seine Nachfolger - für mich hier.
Das Wirkliche gilt und galt. Muss es bei Schmitz das "Empiriototalistische" genannt werden? Das Wirkliche für uns Menschen, das sollen wir Urteilen, damit das Leben geht. Kant hat das Wichtigste verstanden: Was ist der Mensch? - die anthropologische Frage. Und dann soll dieser Mensch unter Menschen leben, mit brauchbaren Urteilen. Es ist also das Hiersein und Dasein und Sein und gedachtes Sein und mögliches Sein und wirkliches Sein, ja ein Werden - eine Ontologie bei Kant gefragt. Eine Erkenntnis, eine Wahrheit, mehrere Wahrheiten, Anschauungen, Analysen für Synthesen, Erwägungen, Beweise, Schlussfolgerungen, Bewertungen - alles erst zum Leben hinzugetane Zutaten, die notfalls überflüssig sind - Heuristik - also Erkenntnis-Findelehre, das braucht der Mensch nicht: Der Mensch braucht eine menschliche Praxis - die ist vielfältig; der kultivierte Mensch macht aus Überfluss Verfeinerung - na gut, der braucht Spiele, Zeichensprache, Sublimation, Reflexion, Transzendental-Orientierung zur Frage, was ist trans, was ist sub, was ist post, was ist prä? Küttgen loch in Haberstroh, ach was wo de Pitthan fro. Barbarisch sind sowohl Bush II wie ARD/ZDF mit stundenlangen Adels-Hochzeits-Fernsehsendungen: das nenne ich Stoffveränderung durch Heuristik und Hermeneutik (Auslegungslehre) als abstürzende Denkkultur der Verunfeinerungen - leck mich.
Kant war moralisch - das war gut. Kant hatte die Theorie von der Pflichtmoral (mit und ohne Gott übrigens) - Kant hat aber kein einziges Beispiel dafür, dass je ein Mensch moralisch gewesen ist aus Pflicht. Und genau da hat Nietzsche natürlich auch unrecht - der daraus schließt: Moral sei lebensfern. Nietzsches Moralkritik ist - genau wie Kants Transzendentalgetue - völlig überflüssig, L'art pour l'art. Praktisch waren sowohl Kant wie Nietzsche tüchtige Leute, mit offensichtlichen Macken und Leiden, aber immer mitmenschlich und moralisch - aber weder vernunftkritisch, weil irrational und weder pflichtmoralisch, weil alltags-moralisch. Hingebungsvolle Leute - Kant und Nietzsche - denen Psychologie oder Psychotik nie etwas anhaben konnte, weil sie sich schon immer entgegenkommend schickten: amor (armor) fati - Schicksal umarme mich an sich.
Vom Idealismus zum Frieden, vom Weltgeist zur Einheit, von der Willensfreiheit zum Determinismus, von der Vernunft und der Religion zur Unvernunft und dem säkularen Religionsfundamentalismus, von der Urteilskraft und den Urteilen, von den alltäglichen Naturgesetzen zur Wellenphysik und Nanotechnologie, von der mitmenschlichen Sinnlichkeit und der schwankenden Sozialität der Fernfuchtler - von der überlieferten Menschlichkeit, abzüglich Kants Ratschlag, nicht zu weit zurückliegende historische Begebenheiten als Beispiel-Gängelwagen zu nehmen, bietet die historische Person Immanuel Kant, Magister und Professor in Königsberg in Preußen, eine gelungene Variante eines Menschen: Kant war nie anmaßend, ward alles durch sich selbst, bei aller Lebhaftigkeit ein naiv offenherziger, treuherziger, unschuldiger Mann, mit der Gewohnheit, alles, was man ihm sagt, ohne ausdrückliches Stillschweigen zu verlangen, wieder zu erzählen, auch die geschlechtlichen Dinge offen bei ihrem Namen nennend, abgeneigt gegen alles Pathos und Rhetorik, kritisch auf Gewissheit ausgerichtet, klar im Begriff, täglich sein Wissen erneuernd, der praktischen Vernunft Vorrang gegenüber der theoretischen gebend, Einheit des inneren Prinzips des Lebenswandels mit Güte im Blick, ein fröhliches mutiges Wesen bis in den Tod, von dem Kant zuletzt zu der Frage, was er sich von dem Dasein nach dem Tode verspräche, zögerlich sagte: "Nichts Bestimmtes" und: "Davon weiß ich nichts." Noch ganz am Ende - als Kant vor Altersschwäche kaum auf seinen Beinen zu stehen vermochte, aber sich erst hinsetzte, nachdem sein Besuch auch saß - bemerkte er mit schwacher Stimme: "Das Gefühl für Humanität hat mich noch nicht verlassen." Das verstehen Viele nicht, wie es gemeint und gesagt war: "Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd." Dieser überzeugende Satz von Kant bezeugt seine ganz individuelle Ausprägung von Gefühl für "Menschliches". Hiervon verstehen Adorno und Habermas, Marx und Freud, Stalin und Bush II, Hilmar Kopper und Schrempp, Ron Sommer und Fritz J. Raddatz gar nichts Alltägliches. Ihnen wird Alles zu Umsatz und Ästhetik, zu Spaß und Angst. So gehen Wenige in die Geschichte ein und Andere eben nur ein. Allzumenschlich hatte Kant 1799 die Selbstsetzung des Subjekts, inklusive des mensch-immanenten Spinoza-Gott (Schmitz), auch den Schüler Fichte nachträglich antizipiert - das heißt, Kant hat Fichte geistig beklaut. Na und: Machs wers kann, sage ich mit Gottfried Keller. Das ist die Superdevise, denn nachmalen kann nur, wer malen kann. Nietzsche abschreiben und es Schmitz zuschreiben, ist keine so bedeutende Fähigkeit. Ebensowenig die Computer-Bastelschriften des Umberto Eco. Davon schreibt mein Computer täglich 7.000 Stück. Aber das Lied "Mississippi" von Bobby Dylan, das wird ihm den größten Literaturpreis der Welt einbringen: Achtung und Liebe: Yibbee. Das ist "word of mouth" - bedeutet: von einem wirklichen Menschen mündlich bezeugt.
Als Einstiegsfragwürdigkeit für unsere Sportler, Sportschaugucker und sportlichen Leser kann dies geboten werden - die Vogelkunde Kants, mit den kanarienvogelhaften Sperlingssängern: Kants theoretischem Idealismus ist eine systematisch-vernunft-kritizistische Denkarbeit vorausgesetzt. Dafür kommen Kants politische Ausführungen als Interpretationshilfe zur Frage, was für ein eisenholziger Idealist Kant wohl gewesen sein kann: Die Abhandlung "Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nichts für die Praxis (Berlin. Monatsschrift, Sept. 1793)... Was ein Volk über sich selbst nicht beschließen kann, das kann der Gesetzgeber auch nicht über das Volk beschließen. Zum praktischen Idealismus (ist wahr - aber bei Spinoza geklaut): die Ausführungen zur physischen Geographie, die Kant als Professor fortlaufend verbessert hat, herausgegeben von Friedrich Theodor Rink 1802 legen in vielfältigen Beschreibungen dar, dass Kant von einer anthropologischen Vielfalt des Verhaltens, des Charakters, des Milieus, der Werte der Menschen dieser Welt überzeugt war. Dass Kant noch in Spätschriften darauf hinweist: dass er, der "Idealist" in seiner Pädagogik (im Druck erschienen erst 1803 die von den Gepflogenheiten seiner Zeit ausgehend, von Rousseau, Pestalozzi u. a. angeregt) eine Vorrangstellung in der kantschen Philosophie als Anthropologie innehat, nämlich Kants Mensch beginnt überhaupt mit Erziehungsnot mangels Instinkts, schreibt: Der einzelne Mensch wird nie ganz frei werden von Schwächen, wird selbst seine Fehler nicht ganz ablegen, aber dabei kann es mit ihm und mit der Menschheit insbesondere doch immer besser werden. Selbst die gewöhnliche Klage über eine vermeinte Verschlimmerung der Menschen ist ein Beweis des Fortschreitens der Menschheit im Guten, indem sie nur die Folge rechtlich- und sittlich-strengerer Grundsätze sein kann.
Fragwürdigkeiten auf Kants Denken und die Kant umgebenden Interpretationszuweisungen betreffen nie Legitimationsprobleme seines Handelns. Kants Denken war nicht notwendig, sein Handeln auszulegen. - Der Kant-Student darf sich nutzbringend beschenkt fühlen sowie das heutige Urteilen einer Neuen Sinnlichkeit, einer informellen Szenerie, heranahnen sehen.
Vom Bild der Symmetrie, der Balance, der Gerechtigkeit, des Auge um Auge, wie du mir so ich dir, eins meins keins deins, aus Sicht des unbeteiligten Dritten und der physikalischen Messbarkeit her, kennen die Menschen die "Goldene Regel". Immanuel Kant bezieht hierher und hierauf seinen "Kategorischen Imperativ". "So handeln, dass man das Gesetz danach schreiben könnte" - so lautet der Befehl (Imperativ), es ist die Messlatte (Kategorie), die Kant sich fürs gesellschaftliche Verkehren denkt. Kants Kategorischer Imperativ ist so falsch: Niemand, auch Kant selbst nicht, kann so urteilen und handeln. Woher soll man wissen, was dem Gemeinsinn dient? Keiner weiß es, keiner kann es. Kants Kategorischer Imperativ ist auch so falsch. Besagte Gemeinsinnsorientierung sei "pflichtmoralisch" begründet und angeblich auch verursacht. Kant meint, jeder spüre die Bedenken und Rücksichtnahmen, die für den Kategorischen Imperativ sprechen und, die einen Jeden gegen eine rücksichtslose Handlungsweise, leiten. Und weiter falsch ist noch die Behauptung Kants, dass das Pflichtmoralische in uns von Gott in uns stammt. Fernsehzuschauer dürfen sich das vorstellen, wie das "Lenorgewissen" - hier mache ich irgendwas, folge einem egoistischen Impuls, aber da spüre ich Gott in mir, mit dem Effenbergfinger der Pflichtmoral usw. Das ist mehr als fragwürdig. Und auf diese Gemeinsinnshoffnung stellt Kant sein gesamtes Urteilen der Fragwürdigkeiten: Das Ding (die sinnliche Anschauungswelt), das Kant die Urteile ermöglicht - und das Ding an sich, von dem er sagt: "es ist ein ideales Blindekuhspiel und wirkt gar nicht". Fragwürdig ist der "Ewige Frieden" - so nämlich: Wir fragen: Wo ist denn ein solcher Frieden auf der Menschenwelt, wenn denn Kants Frieden-Theorie gültig sein wollte? - es gibt ja gar keinen Frieden so. So - wie Kant - nicht. Und schließlich war der Immanuel Kant in Königsberg, nach Allem, was wir wissen, ein moralischer Mensch und ein alltagspraktischer Mensch. Machte das aber ganz ohne ein "an sich" und ganz moralisch ohne Gottesverpflichtung zur Moralität. Zusammengefasst wird hier für eindeutig und unfragwürdig gehalten, dass Kant begriffen hatte: es kommt aufs zeitgemäße Urteilen an. Es kommt auf Vernunftkritik an. Es kommt auf abgestimmten Gemeinsinn an. Es gibt ein Sprachspielbewusstsein. Es heißt zu recht Aufklärung. Kant fordert zu recht den "Rechtsstaat", bei dem das Recht über der Macht stehen soll. Und - das sollen wir dem Kant anrechnen: er sprach von Menschen, auch als biologische Rassen - unterschied indes Physiologie, Ethnologie, Ethologie, Sozio-Kultur, Verhaltensinterpretationen, z. B. Palästiner von Judentum (s. der Ideologe Micha Brumlik, 2002 "Deutscher Geist und Judenhass"). Wie sehr dachte der konservative heimatgebundene Kant an postmodernes Nomadentum und virtuellen Globalverkehr im Internetz oder nicht? - wer so fragt, spinnt.
Kants persönlich-sinnliche Wirklichkeits-Praxis ist menschliche Orientierung, die dem eigenen Leben dienen will. Interpretationen wie sprachliche Urteile lavieren sozial-notwendig, meist zuspätkommend. Wirklichkeit als soziale Urteils-Wirklichkeit emergiert nur als Vertragswillkür "an sich". Sprachverwirrung scheidet sich an der Wirklichkeit - so hell Goethe mit Kant.
Kants Mutterwitz, Bauernschläue und Erdverbundenheit tragen uns - zu Nietzsche, Husserl, Hannah Arendt, Merleau-Ponty - hierher.
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