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neue sinnlichkeit

These (Kernsatz) von KANT:
In der Anthropologie in pragmatischer Hinsicht geht es um die Lehre vom Menschen
in der Perspektive,
was er im Wissen um sich aus sich macht. These (Kernsatz) von KANT:
Vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde,
auf der, als Kugelfläche die Menschen sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch neben einander dulden müssen ...
das Recht der Oberfläche der Menschengattung gemeinschaftlich zukommt (Globalisierung) These (Kernsatz) von KANT:
Um sich überzeugen zu können, dass die Vögel nicht aus Instinkt singen,
sondern es wirklich lernen, lohnt es der Mühe, die Probe zu machen und etwa die Hälfte von Sperlings- Eiern den Canarienvögeln unterzulegen... Bringt man die nun in eine Stube, wo sie die Sperlinge nicht draußen hören können:
so lernen sie den Gesang der Canarienvögel,
und man bekommt singende Sperlinge These (Kernsatz) von KANT:
Je größer schließlich der Bereich derjenigen ist, mit denen man kommunizieren kann,
um so größer ist der Wert des Gegenstandes (Urteilskraft) These (Kernsatz) von KANT:
Auch die Bibel könne wegfallen, ohne dass dadurch die Religion
ihrem Geiste nach
aus der Menschen Kenntnis käme These (Kernsatz) von KANT:
Die Ethik bedarf keiner religiösen Grundlage
THESEN von KANT
Zur Auswahl der THESEN hier im Heft
von Dietmar Moews



Wir sind im Krieg. Als Teil des westlichen Bündnisses, auch der NATO, ist Deutschland seit dem 13. September 2001 im Krieg - mit Afghanistan, mit Irak und anderen Bedrohungsszenarien. Drei Tage vor dem 11. September war in Kabul einer der charismatischsten Führer durch ein Attentat umgekommen. Sein Tod steht zeitlich am Anfang einer unkausalen Kriegskette.

Und Kant?

Kant steht für Aufklärung. Die deutsche Debatte des Jahres 2004 leidet aber immer noch an der anspruchslosen Adorno-Geisteskrankeit der sogenannten Dialektik der Aufklärung. Nun - es sterben die 68er weg - vielleicht kann man sie etwas schieben, diese Studentenaufhetzer, Peter Weiss, Herbert Marcuse und Konsorten.

Kants Aufklärung geht zwar vom Individuum aus, ist aber eine gesellschaftliche Anschauung: Das Urteilen in der Gesellschaft zum vernunft- und pflichtmoralkritischen selbstgesetzten Zweck.

Was bietet uns Kant heute? Welche seiner Hauptaussagen der Kant-Thesen bieten uns heute Nützliches, wonach wir unser Leben einrichten können? Orientierung, intim, privat und im politischen Alltag? Wo kann man sagen: Da hat er recht? Immanuel Kants Philosophieren umfasste das gesamte Vorstellungsprogramm. Es ist nicht möglich, dies Alles hier vor- und in Beziehungen zu stellen.


Immanuel Kant (1724-1804) der Philosoph und Professor in Königsberg, Systemanalytiker der menschlichen Vernunftspiele, war ein aufgeräumter und enthaltsam-bescheidener Mann. Er blieb niemanden schuldig, bettelte nicht und war auch im Verkehr sehr rar. Briefe beantwortete er immer, wenn seine Arbeit - das war sein wissenschaftliches Interesse an der Philosophie hinsichtlich der Anthropologie und des Urteilens - auf besondere Menschenbegegnungen schielen konnte. Dieser sonderbare Magister, mit einer Doktorarbeit, die heute nicht mal als Steuererklärung angenommen werden würde, schrieb auf einen Brief, den er unbeantwortet zurücksandte: Es scheint mich nicht zu interessieren. Das ist eindrucksvoll - zu der Person Kant. Und eine andere Korrespondenz (1793; Vorländer 1924)- übrigens mit einer jungen Frau - lautet Auszugsweise -, an Kant gerichtet: Kant möge in einer etwaigen nochmaligen Antwort doch mehr das Individuelle als das Allgemeine berücksichtigen; letzteres könne sie schon seinen Werken entnehmen, die sie an der Seite ihres Freundes fühle und verstehe. Vielleicht komme sie in etlichen Jahren nach Königsberg: "Dann müssen Sie mir ihre Geschichte sagen... zu welcher Lebensweise Ihre Philosophie Sie führte, und ob, es Ihnen auch nicht der Mühe wert war, sich ein Weib zu nehmen oder sich irgendwem von ganzen Herzen zu widmen noch ihr Ebenbild fortzupflanzen.

Auf solche, wie die vorstehende, Bezeugungen der Person, stützt Dietmar Moews, dass Kant an der selbst vorbildlich zu lebenden Anthropologie eigener Urteilskraft mit sozialer Verbindlichkeit interessiert war. Nach dem Vorurteil: Wie man sich bettet, so schläft man - ein gutes Gewissen ist ein sanftes Kissen usw. Nicht transzendental-metaphysische Geistes-Basteleien waren das Ziel, sondern nur Kants persönlicher Weg, nicht Religion, nicht Erkenntnistheorie - über allem wird hier behauptet: Kant wollte ein stimmiger Philosoph sein, nämlich als lebendiger, sozialer wertorientierter, wertschöpfender, wertverteilender usw. Mensch.

Im Heft 46 stehen FRAGEN, die die enge Beziehung dieser Blätter zum für den Kern kantschen Denkens gehaltenen Aspekte der Philsosophie des Künstlergelehrten Dietmar Moews auffalten. Die bedeutendsten Gedanken Kants können hier als die THESEN zugespitzt werden. Der unvoreingenommene Leser hat es dabei sehr leicht, weil hier jemand nachvollziehbar vorgearbeitet hat, sich dabei auf wissenschaftliche Gründlichkeit an den Quellen, hauptsächlich Kants Werke, Briefe und Biographisches, die öffentliche Jubiläumsberichtserstattung 2004, Vollanalyse des Hegel / Adorno-Quatschs, die Sinnlichkeits-Urteils-Linie zur niedersächsischen Philosophie von Moews. Dass da im geistigen Hintergrund dann Nietzsche, Goethe, Carl-Friedrich von Weizsäcker, und viele andere die Schultern bilden, auf dem man hier tanzt, ist für den Fachleser leicht aufzuschließen, für die Abonnentin und Leser ebenfalls, für den Rosinenpicker aber unerheblich.

Sodass hier nur die Begeisterung des Kreuzworträtsels, des Puzzles, des Mensch-ärgere-dich-nicht im Schach-Komputerspiel und der Dickbrettbohrerei zu wünschen ist. Moews hat sich sehr Mühe gegeben, hier von Kant her für Deutlichkeit zu sorgen, Alles zu durchgeistigen und zu verweben, die Häresie, mit dem liberalen Weib, einer Gottesgewissheit nach innen, einer Solidarität, ohne viel zu fragen, nach außen usw. usw. usf. Der Fachleser hat es schwer, weil er - je nach dem - der gesamten Kantrezeptions- Öffentlichkeit nach 1945 in Deutschland ausgesetzt war und zusammenfassend im Kantjahr 2004 ist. Es quatschen Volker Panzer im ZDF, Herr Scobel bei 3-Sat und Herr Wickert auf allen Karnälen - es ist also Karne Val - würde der schwule Arno Schmidt sagen.

Das heißt auch, wir marxieren, wir phantasieren ersatzweise, leidend oder todesängstlich - mit Freud, Marx, Adorno und Schirrmacher ohne das der Unbefangene überhaupt erfährt, dass Freud, historisch-materielle Dialektik und Determinismus nicht Kants Vorstellungen entsprechen und eher den irrigen Kurs dieser Jenigen akzentuiert, als die Leistung Kants für uns herauszustellen und zu nutzen. Ich mach mich hier lustig, wenn ich frage: Und was macht eigentlich noch Carlos Castaneda?

Weder Seele, noch Tod, noch Unsterblichkeit waren Kants Thema, Angst vor der Naturbedrohung nicht, nicht vor Geistern und nicht vor der Polizei. Selbst so lautende Textpassagen Kants, wie "Was darf ich hoffen / Unsterblichkeit" wären vollkommen falsch interpretiert, verstünde man nicht, dass es - wie EC Hirsch sehr zutreffend schreibt - um das differenzierende Urteilen geht, wie wir über eine positive Definition des Wissensbereichs, den eben ausserhalb dieses Wissens anzutreffenden Glaubensbereich abzugrenzen haben. Kurz, die hier aufgebotenen THESEN kennzeichnen Kants Leistung unter Überspielung der im Jahre 2004 in der deutschen Diskussion vorherrschen Dummheit und Schwülsterei der Machtlügen. Hier sieht das so aus mit Kant:

Immanuel Kant war ein lebendes und schriftlich Zeugnis ablegendes Beispiel dafür, wie ein Philosoph durch seine Philosophie zu seiner Lebensweise kam (Untertan mit Zensur). Und wie Beides eins sein konnte. Das interessierte ihn. Hierauf ließ Kant sich ansprechen und allein hierzu herausfordern, Rechenschaft abzulegen. Kant lebte wie er dachte und dachte, wie er lebte, er glaubte so, er rechnete so, er aß und trank so usw. (eben vollkommen anders als Marx oder Freud, die Schilder aufstellten, denen sie selbst überhaupt nicht zu folgen gedachten - was ja geht, solange man nicht dafür totgeschlagen wird). Allein das persönliche jeweils aktuelle Urteilen und das ephemere Urteilen hinsichtlich aller möglichen anstehenden intersubjektiven Sozialbezüge der Kommunikation, wo das Reden und das Handeln, Verständigung und Einverständnis einschließlich aller Irrtümer und Irreführungen beurteilt werden muss und dabei Akzeptanz und Verständnis erzeugt, war sein praktisches Lebensthema. Die gesamte vernunftmoralische Transzendental-Argumentation bei Kant ist nur die Theorie zur Praxis, nicht die ideale Setzung eines gesellschaftlichen Sollens.

Kant selbst entstammt ja einer Zeit ohne Fernsehen, Telefon, Internet und Leuchtglobus. Längst nach dem Erscheinen seiner "Kritik-Bücher", dann im Jahre 1791 gab der preußische König Friedrich Wilhelm II. dem Philosophen persönliches Schreibverbot wegen Religion. Der "an Leib und Seele schwache König glaubte den Herrn Jesus mehrfach vor sich zu sehen - saß ganze Stunden und weinte". Das Religions- und Zensur-Edikt nannte die Pressefreiheit "Preßfrechheit" und Kants Gedanken, "Zügellosigkeit der sogenannten Aufklärer."

Was in diesen Blättern für weinende Könige und tröstende Jesuserscheinungen als THESEN Kants herausgestellt wird, ist zwar auf die heutige Lage bezogen. Es soll aber versucht werden, auch die biographischen Bewegmomente und der Kontext, wenigstens andeutungsweise, vorgestellt werden. Beispielsweise kannte man zu Kants Zeiten noch keine Atom-Mobiltelefone oder Presseticker. Fremde Länder oder Sitten wurden allein von Gewährspersonen, reisenden Ärzten z. B. aufgefasst und weitergetragen. Kant schöpfte eine eigene Schule, über Erdkunde und Naturkunde, wovon er in seinen Vorlesungen über viele Jahre vortrug und immer auch Publikum dafür hatte, die aus dem nichtstudentischen Bürgertum in die Universität kamen, denn woanders konnte man darüber nichts erfahren. Und gute Bücher, gar mit Bildern, gab es noch nicht zu der Zeit. In seiner Vorlesung beschreibt Kant einen Löwen:

"Der Löwe hat eine gerunzelte Stirn, ein menschenähnliches Gesicht und tiefliegende Augen, wie auch eine stachlichte und wie mit Katzenklauen besetzte Zunge, mit der er den Tieren das Fleisch ablecken kann. Wenn der Löwe nicht mit dem Schwanz schlägt und seine Mähne schüttelt, so ist er aufgeräumt, und man kann an ihm sicher vorbeigehen. Sonst ist das einzige Mittel in der Not, sich auf die Erde zu legen. Es ist merkwürdig, dass er den Weibsbildern nichts zuleide tut. Der Löwe kann Kälte nicht vertragen und zittert in unseren Gegenden beständig. Er fürchtet sich nicht vor Hahnengeschrei, wohl aber vor Schlangen und Feuer." Kurz, in den Blättern für neusinnliche Kantstudien, Numero 46 bis Numero 50, wird auf den frischen unverdorbenen Leser Rücksicht genommen.

Wer bei Neue Sinnlichkeit 45 noch ohne Kant auskam, wird bei Numero 50 verschmitzt bis triumphierend dazwischengehen können, wenn mal wieder ein X für ein U vorgemacht werden will, geschweige denn, irgend ein Frechling das Wort Kant benutzt. Auf die mit Kant-Fragen einführenden auf Kant und die Neue Sinnlichkeit bezogenen Texte in Numero 46, folgen die hier als Thesen bezeicheten Leitgedanken dermaßen durchs Heft (es gibt ja viel zu viel Kant, diesen Rahmen sprengendes, wofür ein kluger Herausgeber auswählend die Vorarbeiten dem Leser abnimmt) noch näher heran.

Ob "Trennung von Kirche und Staat, Reform-Schule / Bildung, Kritik und Gemeinsinn, Naturgesetz und Freiheit, oder, wo Gott bleibt, wenn man vernünftig ist", u.v.a.m. In seiner Zeit -1724-1804 - ist Kant der höchste geistige Universalgenie-Zwerg auf den Schultern der Riesen. Erstaunlich, wie viel Nützliches Kant hervorgebracht hat. Und wie viel davon heute noch nicht so weit durchgedrungen ist, dass es freiwillig, demokratisch und über die Ladenkasse zur alltäglichen Anwendung gelangt. Hingegen viel "Plapper-Schröder-Entlastungsgetäusche und Begriffsbesetzungsoffensiven" verkleistern das Hirn. Nicht U für X, sondern ganz schlemihlhaft, treu-redlich mit Hintersinn: Die ausgewählten Gültigkeiten der kantischen Lieferung, hier Thesen genannt, in der Praxis: Weltpolitik ist eben nicht innenpolitische Friedlichkeit sondern außenpolitisches Balancespiel mit Haken und Ösen. Dazu kommen wir dann mit Kants deterministischem Bratenwender resp. Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden (Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, 1784)", mit dem das Idol Kant zeigt, inwiefern er zwar die Übergewalt des Sternenzelts respektiert. Wie betont kultiviert es mit der Vernunft-Moral in uns zugehen muss, wenn wir ein blühendes Gemeinwesen wünschen. Immanuel Kants ist keine Idealismusgeschichte. Sie ist Aufklärung. Kants sensus communis ist empirisch kritisiert, nicht wie Habermas' unsägliche "Theorie vom Kommunikativen", diese Karikatur der mediokren Machtgeister von 1968. Absurder Weise vergeben heutige - im Jahr 2003 - Kantgesellschaften Kantpreise für Idealismus-Studien -, das sind Schandpreise und nicht Kantpreise der Aufklärung.

Was kann ich also wissen? Zu dieser Oberfrage, die angesichts unbelebter und belebter Natur noch eine weitere Qualitäts- und Unterscheidungsstufe ausweist: in der belebten Natur gibt es - in Kants Vorstellung - einen zahlenmäßig begrenzten Teil der Menschen, der als räsonnierfähige belebte Natur angesehen werden muss. Kant unterscheidet also nicht - wie herkömmlich - zwischen Zweibeinern mit und ohne Federn, sondern zwischen solchen einer definitiv individuell-varianten "transzendentalen Vernunft-Kritik" fähigen Menschen und den anderen "Bratenwendern" (Kritik der praktischen Vernunft, 1788). Kant erkennt, dass der Verstandes-Mensch nicht falsch denken kann - Denken ist unwillkürlich-zwangsläufig schließende Interpretation - und dass der Mensch die objektive Dingwelt anschauen und als subjektive Sinnlichkeit variant interpretierend zu einem praktikablen Gemeinsinn bringen kann (in den drei Kritiken). Diese Antwort auf die Frage: Was kann ich wissen? wird nicht dadurch widerlegt, dass aus Kants vernunftkritischem Orientieren - nämlich bei falscher Wertsetzung - nichts wird. - Auf die Frage: Was soll ich tun? setze man den handelnden Menschen mit leiblichem Zahnschmerz, einer transzendentalen Gerechtigkeits-Moralsetzung folgen sollend - , dass man keine Schmerztabletten stiehlt? - ich freue mich aufs Blatt 48, bald -
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