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Leipzig geizt mit Leibniz' Geist
von Dietmar Moews


Olympische Spiele in Deutschland - darauf würden sich viele Deutsche freuen. Leipzig versucht, die Sommerspiele für das Jahr 2012 zu bekommen. Hat dabei Defizite in der Bewerbung - Leipzig ist international kaum bekannt. Versäumt es aber, wichtige Argumente von Weltgeltung, sich selbst klar zu machen und, diese der restlichen Welt auch mitzuteilen, wo es um wirkliche Bezüge zwischen Leipzig und der Welt geht. Leipzig geizt mit Leibniz Geist - lautet hier der Hinweis.

Olympische Spiele haben eine weitreichende soziale Ausstrahlung in vielerlei Hinsicht, sportlich, ökonomisch, ja, weltbildend, geradezu. Berlin 1936, München 1972, Leipzig 2012 - sowohl Hoffnungen wie Gefahren - in jedem Fall große Wirkungen. Für die heutige Nach-wende- und Wiederaufbau-Ost-Situation ist die Olympiabewerbung der Stadt Leipzig eine hervorragende Angelegenheit sowohl materiell wie ideell, kommunikativ Zusatzkräfte anzuziehen, herbeizuholen, die man allein zuhaus nicht aufbringen könnte. Die Tatsache, dass ein sehr nachteiliger DDR-Nachlass in Ostdeutschland überhaupt und alltäglich darin besteht, zahlreiche demotivierte und irritierte Menschen mitnehmen zu müssen, die weder richtig mitkönnen noch wirklich mögen, würde ein sportlich-positiver Auftritt Leipzigs, Sachsens, Ostdeutschlands, Fortsetzung einer Sport-Staatstradition ("Wir sind Zwei deutsche Sportvölker") in die Welt zurück helfen können. Für Alles zusammen lohnt sich die Anstrengung in das Rennen mit den berühmten Mitbewerbern zu gehen, New York, London, Paris, Madrid, Istanbul, Rio de Janeiro, Havanna, Moskau. Wer sich hier redlich bemüht, kann nur gewinnen, zumindest an Ansehen und Kommunikationshöhe, als Nachfolger von Athen 2004 und Peking 2008.

Im Jahr 2000 hat das asz alphons-silbermann-institut, dresden, anlässlich der Beteiligung am Stadtentwicklungs-Projekt Leipzig Stadtmeile ein Strategie-Papier vorgelegt, woraus zwar einzelne Rosinen herausgepickt worden sind, z. B. hinsichtlich der Sanierung des Völkerschlacht-Denkmals. Insgesamt aber haben weder Leipzigs Oberbürgermeister Tiefensee, noch der inzwischen verantwortliche Olympiakoordinator und Beigeordnete für Stadtentwicklung Lütke-Daldrup, die europäische und weltweite Geltungskarte Leipzigs begriffen: Leipzig geizt mit Leibniz Geist.

Vom christlichen Abendland, nämlich Europa, ging die kapitalistisch-technische Grundstruktur aus, die heute die gesamte Welt durchzieht. Und ob industriell verschmutzte Atemluft über einem japanischen Zen-Kloster oder, dass sich die politische Ideologie des bevölkerungsreichsten Staates der Erde, China, nach dem christlich-materialistischen Denker Karl Marx richtet - Europa hat die geschichtliche Schlüsselstellung für die heutigen Gegebenheiten globaler Synchronisation.

Der in Leipzig geborene Universalgelehrte und europäische Diplomat am hannoverschen Hof, Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) und der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844-1900; geb. in Röcken bei Leipzig, Studium in Leipzig) stehen als Leipziger (Leipzsch) Autoren-Philosophen einer Vernunftart mit dem aufgeklärten christlichen Blick überhaupt hinaus: die ersten nicht polarisierenden universellen Europäer, der "bestmöglichen aller Welten" als "europäischer Traum".

Schon sind wir bei Napoleon und der französischen Revolution, bei der amerikanischen Revolution - haben Leibniz, notgedrungen mit dem dreißigjährigen Krieg und Lützen im Hintergrund, im Vordergrund die Völkerschlacht Leipzig 1813, als sich die Leipziger (und Sachsen) zur Befreiung Europas von Napoleons Wander-Kriegsheere selbst besiegen mussten, wieder beim Wiener Kongress, für Europa. Der Weltblick ging aber von Leibniz' Idee aus: Eine Kompromissbildung von Nationalstaaten und Reichsordnung - eine Fürstenkonföderation der europäischen Staatenfamilie in einer universalen Konzeption zu überwinden. Und formierte sich mit Nietzsches: Der gute Europäer ist dem Christentum entwachsen und abhold und behält von der christlichen Moral dennoch deren Rechtschaffenheit zurück und nicht zuletzt für die ganze Welt heute: Bald wird die Zeit kommen, in der die Bildung die einzige politische Lösung ist. Dies hat Weltgeltung, von Leipzig aus. Leibnizsch-Nietzsch Leipzsch sollte bei der Bewerbung vor der ganzen Welt mit solch geistiger Weltgeltung nicht geizen.
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