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neue sinnlichkeit

KANT FRAGT:
Ist das Übersinnliche ein übermenschliches Menschen-Feindliches? KANT FRAGT:
Was unterschiede ein vernünftiges Ding an sich von einem unvernünftigen? KANT FRAGT:
Wollen wir für die Menschheit ein Ende im Feuer und Licht oder im Sande?
Fremde Machtsprüche kümmern mich wenig
aus <Über Eigennutz und Undank> 1795
Kantkritik von Adolph Freiherr Knigge


Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) Berufs-Höfling in Hessen, Hannover und Sachsen-Weimar, studierter Jurist und Literat sowie mit dem Buch "Über den Umgang mit Menschen, dem berühmten "Knigge", Bestseller mit über 500.000 Stück verkaufter Auflage nach Erscheinen 1788, nebst Raubdrucken. Knigge ist als bis heute unterbewerteter Philosoph und Kritiker Immanuel Kants als erster Denker der Lebensnähe und "Kritiker der Kritik" in überraschender Aktualität gegenüber der heutigen Postmoderne und der "Niedersächsischen Philosophie" einer Neuen Sinnlichkeit, immer noch nicht entdeckt. Philosoph Knigge bringt die Fragen des Determinismus und der Willensfreiheit, der Relativierung menschlicher Erkenntnisfähigkeit, der geistigen Heterogenität in der Globalgesellschaft und die heiteren Genesungsspiele der postmodernen weichen Regionalwahrheiten heraus- Knigge sagt: Es ist nicht nur keine einzige unleugbar erweisliche neue Wahrheit a priori entdeckt worden (auch wird wohl nie der Menschheit auf Erden das Los zu Teil werden, da klar zu sehen, wohin die Sinne nicht reichen), sondern selbst der Kreis, den unsere Spekulationen durchlaufen, um wenigstens Wahrscheinlichkeit und Zusammenhang in unsere Träume zu bringen, scheint längst geschlossen zu sein. Hier schließt Nietzsche in der "Fröhlichen Wissenschaft" (1886) an: "das ist jetzt das Wesen, in dem der Trieb zur Wahrheit und jene lebenserhaltenden Irrtümer ihren ersten Kampf kämpfen (...) Inwieweit verträgt die Wahrheit die Einverleibung? - das ist die Frage, das ist das Experiment." (vgl. Günter Schulte, "Hauptsache Philosophie" 1987, S. 166). Hier knüpft die Neue Sinnlichkeit die Kritik an den Gegensätzen zwischen Kants Transzendental-Wahrheit und Nietzsches Alltagswahrheit als Sache der Selbstorganisation des Lebens, wie im Folgenden aus Knigges <Über Eigennutz und Undank>:

Es ist, meiner Meinung nach, der höchste Triumph der echten Wahrheit, Weisheit und Erkenntnis, wenn sie sich in der größten Klarheit und Einfalt darstellen lässt. Die Kunst, über wichtige Gegenstände zugleich gründlich und populär zu schreiben, erfordert ein nicht gemeines Talent und Studium. Wer seine Sätze in einen dunklen Vortrag einhüllt, täuscht gewöhnlich nur gar zu leicht entweder sich selbst oder will Andere täuschen, indem er neue Worte für neue Sachen hält oder ausgibt. Neue Wahrheiten lassen sich, genau genommen, vielleicht gar nicht mehr in dieser Welt erfinden, wohl aber neue Verbindungen von Gedanken; allein auch zu diesen bedarf es keiner neuen Sprache. es gibt keine geometrische Aufgabe, wovon die Auflösung, im strengsten Verstande, sich nicht in die gemeine Sprache übersetzen ließe. Allein die algebraische Form ist freilich für den Kunstverständigen einfacher und deutlicher. derselbe Fall tritt bei andern positiven Wissenschaften ein; Kunstwörter kürzen oft den Ausdruck ab; Anatomiker haben jeden Muskel, Naturkundiger jeder Pflanze einen Namen gegeben, und es ist bequemer, sich an diese Namen als an Umschreibungen zu halten; auch haben nur Kunstverständige ein Interesse, über solche Gegenstände zu reden, und lassen sich die Mühe nicht verdrießen, die einmal eingeführte Sprache zu erlernen. Ist hingegen von Sätzen, von Lehren die Rede, welche für jedes denkende Wesen ein hohes Interesse haben; so ist es Pflicht, seinem Vortrage so viel Deutlichkeit zu geben, als mit Gründlichkeit bestehen kann; und da zeigt sichs dann fast immer, dass Gründlichkeit und Deutlichkeit sich einander gar nicht im Wege stehe, sondern vielmehr sich wechselseitig unterstützen. Will nun aber gar eine kleine Anzahl Menschen den Übrigen eine allein von ihnen erfundene dunkle Sprache aufdringen, so muss das, was sie auf diese Weise vortragen, so wichtig und zugleich so neu sein, dass die Mühe, die ein gebildeter Mann auf die Entzifferung verwendet, belohnt werde. Sieht er sich von dieser Seite getäuscht, so darf ihn das Geschrei der Partei, dass er sie nicht verstanden, nicht Scharfsinn genug habe, in den Geist ihrer Lehren zu dringen, so wenig wie die zu erwartenden Schmähungen parteiischer Kunstrichter abhalten, das zu behaupten, was ihm seine nüchterne Vernunft eingibt, und das ohne Ansehen der Person. - Ich weiß wohl, dass diese Äußerungen vielleicht um einige Jahre zu früh kommen und dass mein Buch mit solchen Sätzen wenig Glück machen wird; aber das kümmert mich nicht. Mode, Autorität, fremde Machtsprüche und Menschenfurcht haben von jeher wenig Gewalt über mich gehabt.
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