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neue sinnlichkeit
Qualitätsrätsel



"Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen?" Kennst du das Lied? Ganz Italien ist darin geschildert, aber mit den seufzenden Farben der Sehnsucht. In der "Italienischen Reise" hat es Goethe etwas ausführlicher besungen, und wo er malt, hat er das Original immer vor Augen, und man kann sich auf die Treue der Umrisse und der Farbgebung ganz verlassen. Ich finde es daher bequem, hier ein für allemal auf Goethes "Italienische Reise" hinzudeuten, um so mehr, da er, bis Verona, dieselbe Tour, durch Tirol, gemacht hat. Ich habe schon früherhin über jenes Buch gesprochen, ehe ich den Stoff, den es behandelt, gekannt habe, und ich finde jetzt mein ahnendes Urteil vollauf bestätigt. Wir schauen nämlich darin überall tatsächliche Auffassung und die Ruhe der Natur. Goethe hält ihr den Spiegel vor, oder, besser gesagt, er ist selbst der Spiegel der Natur. Die Natur wollte wissen, wie sie aussieht, und sie erschuf Goethe. Sogar die Gedanken, die Intentionen der Natur vermag er uns widerzuspiegeln, und es ist einem hitzigen Goethianer, zumal in den Hundestagen, nicht zu verargen, wenn er über die Identität der Spiegelbilder mit den Objekten selbst so sehr erstaunt, dass er dem Spiegel sogar Schöpfungskraft, die

Kraft, ähnliche Objekte zuerschaffen, zutraut. Ein Herr Eckermann hat mal ein Buch über Goethe geschrieben, worin er ganz ernsthaft versichert: hätte der liebe Gott bei Erschaffung der Welt zu Goethe gesagt: "Lieber Goethe, ich bin jetzt gottlob fertig, ich habe jetzt alles erschaffen, bis auf die Vögel und die Bäume, und du tätest mir eine Liebe, wenn du statt meiner diese Bagatellen noch erschaffen wolltest" - so würde Goethe, ebenso wie der liebe Gott, diese Tiere und Gewächse ganz im Geiste der übrigen Schöpfung, nämlich die Vögel mit Federn, und die Bäume grün erschaffen haben.

Es liegt Wahrheit in diesen Worten, und ich bin sogar der Meinung, dass Goethe manchmal seine Sache noch besser gemacht hätte als der liebe Gott selbst, und dass er z.B. den Herrn Eckermann viel richtiger, ebenfalls mit Federn und grün erschaffen hätte. Es ist wirklich ein Schöpfungsfehler, dass auf dem Kopfe des Herrn Eckermann keine grüne Federn wachsen, und Goethe hat diesen Mangel wenigstens dadurch abzuhelfen gesucht, dass er ihm einen Doktorhut aus Jena verschrieben und eigenhändig aufgesetzt hat.
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