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neue sinnlichkeit
Malerworte
von Dietmar Moews



Was der Künstlergelehrte gerne noch sagen möchte: Die Diskussion über eine Urheberrechtsgesetzgebung der vergehenden rot-grünen Schröder-Regierung, die summa summarum sowohl den gesamten Kostenkuchen aufbläht, sie sollte auch beim Teilen, zwischen Industrie und den Kreativen, den Künstleranteil vergrößern, ist mit Künstlern, mangels Professionalität, einfach nicht zu diskutieren, dagegen Leuten der Nichtkunst ist das Thema Kunstgeld uninteressant. Der industriell orientierten Unternehmerseite in der Kunstwirtschaft ist "natürlich" sehr recht, wenn alle weggucken oder blinddumm sind. Ja - man muss es so sagen: Selbst diejenigen Künstler, denen das eigene Wirtschaftswohl ja naheliegt - engagieren sich kaum. Ihnen reicht es, die Gesamtgesellschaft als kunstblöd und barbarisch zu verurteilen, für die eigene ökonomische und geistige, künstler-berufliche und berufskünstlerische Ödnis anzuwidern. Der kunstpolitische Status Quo des Jahres 2003 ist so rückständig, wie eh und je: Die Künstler sind unprofessionell, aber meinen, dadurch ihren Avantgardismus, Kreativismus oder Konservatismus besonders kompromisslos zu verkörpern. (Wir staunen, denn sie nehmen dabei den kreativen Wettbewerb mit beamteten Freizeitkünstelern lässig auf, solange das Sozialamt ihnen zahlt: Das ist die staatlich wegorganiserte Berufskünstlerschaft, nebst Marginalisierung der zeitgenössischen Vertreter der Kunstproduktion aus dem Bereich der Notwendigkeit in den der "freiwilligen" Belanglosigkeit). Denn Künstler treten nur selten auch mit Berufswissen und nötigem Elan hervor. Insbesondere anschicken sie sich kaum, ihre beruflichen Belange und die Wirkung ihres Metiers aufzuwerten. Weder gegenüber und in der Kunst- und Nichtkunst-Öffentlichkeit noch in den eigenen Augen sehen die Künstler die Notwendigkeit, sich und ihr Verhalten auf Anhebung des Ansehens und der gesellschaftlichen Wertschätzung ihres Berufes auszurichten.

Mit dieser Kollegenschelte als Ausgleich Lohn und Preise, also 1. Preis, folgender Gedanke: Dem aufmerksamen Leser zum Preise seis betont:
1. Im bürgerlich heraufkommenden Florenz der Renaissance galt es als Vorzug, gebildet zu sein; das hiess, eine Bibliothek mit ausgewählten Büchern, eine eigene Kunstsammlung, insbesondere mit selbst in Auftrag gegebenen Werken der Malerei und Bildhauerei, des Schmuckes, der edlen Stoffe, Furniere, Gemmen und Auslegearbeiten sowie auch der bestimmten Feste mit wirtlichen Ausstattungen, Kammermusiken, Masken, Tänzen und Feuerwerken. (Sus, sus, cést ŕ ce coup tu mourras de ma main), kurz gesagt, der entscheidende Unterschied liegt zwischen dem aktiven und dem inaktiven Alphabetismus, jedenfalls, was die Schonung der Bücher und Schutzumschläge betrifft. Auf durchwühlte Grabbeltische musste das primitivere Publikum noch mehrere Jahrhunderte warten - die haben es erst heute gut.

2. Und das ist eine Ehrenbezeugung für meine Leser und Ausblick auf die Zukunft: Der private Reichtum in Deutschland wächst und wächst auch in diesem höchstinteressanten Sinn: Die Anzahl der Privatreichen steigt laufend. Der Schritt zur privaten Caprice, sich nicht nur für Neumarkt-Aktien zu interessieren, sondern dann auch für die Einmaligkeit der eigenen Kunstsammlung, der handgemachten Extraanfertigung, der persönlichsten Anfertigungen von höchstbegabten Künstlern, die mit Händen Wert schaffen, mit denen der Mensch und seine Familie leben kann und die er seinen Nachkommen als Zeugnisse dieser Leben und als Wertnachlass vermachen kann, womit das Leben hinaussteht, wenn Geld und üble Nachreden längst verprasst oder verklungen sind.

3. Lesen Dietmar Moews Bericht über "Das Schöne und das Käufliche". Es handelt von den Fragen des Kunstwertes, der Wertschöpfung und der Gelegenheiten günstige Angebote zu erhaschen - eine Partnerschaft, die erst beginnt: Dietmar Moews Art-works and Entertainment AG kommt und wird hinsichtlich eines internationalen Marketings und der erheblichen Folgerechte-Verwertungen, zur Rettung der privaten Rentenanleger, an die Börse gehen.

4. Als Zugabepreis für meine lieberen Leserinnen und lieben Leser kommen zur Neuen Sinnlichkeit neue Beispiele der Meisterkunst, die hier verfolgt wird: Fahnen-stilleben von Jean-Baptiste Chardin (in Heft 40), von Edouard Manet (in Heft 41), von Vija Celmins (in Numero 42 u.43), von Georgio Morandi (Numero 44), Bernhard Dörries (so Gott will in angängiger Numero 45), von Claude Lorrain u. a. und von Dietmar Moews, dem jüngsten und einzigen in dieser Malerreihe der noch eine eklatante Preissteigerung, also Erwartungsspanne für seine Käufer ausweisen kann, einfach, weil seine Preise nach wie vor extrem niedrig und oft noch, ohne fremde Gewinnmitnahmen des Handels, für Einsteiger möglich sind. Ferner hoffen wir auf die Zukunft und den Nachwuchs, denn es gibt kaum gute Maler auf dem Markt.

Sie kennen doch dieses klassische Bild-prinzip der Fahne? Nein, nicht?

Nun, bereits die Landschaftsmaler des Barock hatten diese auch von Dietmar Moews bevorzugte Dreistreifen-Farbschichtung als Untermalung für ihre Landschaften, in denen es ja bekanntlich so realistisch wie möglich zugehen sollte, nicht realistisch in der geistigen Motivausstellung, aber in der dem Sehen unserer Augen und der Erfahrung im Umgang mit Welt und Abbild im Querformat. Wer also Erdöl malen will, muss sich schon sehr in der Farbigkeit im bestimmten Umgebungslicht und Bild-Lichtregie, Farbmischen und Auftragen auskennen. Wenn nicht, wirds Quatsch und der Quatschkopf sollte besser erzählen, wenn er was zu sagen hat, anstatt herumzupfuschen oder - einfacher für alle - schweigen. Die barocken Landschaften suchten also Luftperspektiven, Jahreszeiten, Tageszeiten, Wetter in den unterschiedlichen Ländern der Malereikunst darzustellen. Beispielsweise sind die Schatten der Zypressen in der Sonne Roms fasst violett getönt. Dagegen sind Schatten im Schnee eines sonnenbestrahlten Hochgebirges fast ultramarinblau, wie der Himmel oder im Strassendreck einer Großstadt bei Tauwetter graubraun, wie die Wolken, obwohl Schnee natürlich erstmal weiss ist und wer ihn rot malt, irrt oder müsste das brennende Dorf abbilden, anstatt damit Phantasie zu beweisen. Ein Meer nimmt die Farbe von Wetter und Himmel an und welcher Maler das nicht beachtet, bei dem wird eben das Meer kein Wasser, sondern eine unbeholfene Sache, die keine Augen zum verlieben anreizen kann. Wenn das Wasser nicht mit seiner Gegend spielen darf, dann ist eben kein Spiel zu sehen. Landschaften von Claude Lorrain oder später, bei Caspar David Friedrich, hatten also drei fahnenartige im Querformat laufende Streifen, vorne, also unten, in Ocker bis sienesische Erde oder auch Englischrot, was wir Rotbraun oder Kastanienbraun nannten, dann in der Mitte Grün und zum Himmel hin, die Farbe Blau. Bei den Stilleben bietet sich das Fahnenprinzip ebenfalls deshalb günstig an, weil dadurch eine Räumlichkeit angegeben werden kann und weil dadurch, mit der Wahl von zwei Farben und einer Nichtfarbe, also beispielsweise Rot und Blau mit Weiß, immer schon eine Bildstimmung gegeben werden kann, die der Benutzer des Bildes als gewählt empfindet, die ihn anspricht und nicht ärgert (dies ist keine Geschmacksansprache, wer welche Fahne lieber mag); und es ist nicht die Farbabhandlung zur Frage, zu welcher Willkür und zu welchen Willkürsäusserungen wären Maler und Betrachter im Stande, die die eigenen Farbregeln ablehnen, weil sie das Gebrochene so anregend finden etwa, wie es grünlich schleimend bei James Joyce Ulysses bereits auf Seite Eins beginnt: ein ganzer Tag zum Kotzen und Scheißen in einem Buch. Dies soll auch die Überleitung bilden. Weils nun um Politik geht, der Schande und der zukünftigen Schändungen, weil wir Demokraten schlafen, als seien wir allesamt Udo Gartenzwerge oder Peters "zieh´die Jacke aus, hier kommst du so nicht rein" Maffai.5. Schließlich -, das dicke Ende per E-Mail für Emil: Die gegenwärtige Bundesregierung unter Kanzler Schröder hat per Bundestagsabstimmung eine Grundgesetzänderung beiläufig und ohne wesentliche Gegenstimmen herbeigeführt, die ich absurd und falsch finde und man als Freiheitsmensch nur falsch finden kann. (Und wieder keine Mütter der Plaza de Mayo machen Holzlöffel auf Blechtöpfe schlagende Prozessionen dagegen): Es darf nun an eine institutionelle Ebene ausgeliefert werden, die von der Reichweite unserer demokratischen Wahlen nicht erreichbar ist - an den internationalen Gerichtshof - Damit findet man im Missbrauchsfalle keinen Schutz mehr nirgends, als im Untergrund; da die Geschichte voll der Siegerjustiz ist - und der Voraussicht nach auch bleiben wird - denn die größten Staaten, wie USA, China, Indien, liefern ebenfalls nach eigenem Staatsrecht echt nicht aus, kann das Argument der globalen Übereinkunft oder der unerwünschten Aussenseiterrolle Deutschlands überhaupt nicht davorgezerrt werden.

Es ist B. Scheuert, mit so einem Weltgericht. Als wollte Deutschland bislang seine eigenen Straftäter etwa von Recht und Gesetz ausnehmen (GG Art 16). Hier streitet das einsame Ich mit dem besserwisserischen Freupegel. Wo bleiben Bundesrat, Bundespräsident und Bundespräservativ?

Ja, ja,
murmelt die Russin, das ist eben auch typisch für uns. Diese Schlamperei, dieser Schlendrian, so war es auch mit dem U-Boot, der Kursk. Man denkt, ach, irgendwie wird es schon klappen, wird sich schon richten lassen. Und dann die Faulheit. Wir sind bequem. Unglaublich träge. Ihr Deutschen lebt anders. Das war schon immer so. Stimmt's? Was dem Russen ein Vergnügen ist, bringt den Deutschen um. Das einzige deutsche Wort, das er kennt, ist Ordnung. Die Menschen hier in Moskau sind selbst schuld, dass sie so leben, wie sie leben. Es gibt eine Menge nicht besonders kluger Menschen hier, wie mir scheint, sonst hätten sie nicht diesen Putin gewählt. Schuld daran ist diese russische Liederlichkeit, die es bei uns schon immer gegeben hat. Die muss genetisch sein. Wir Russen sind ein zu emotionales Volk. Dieses Jahr gab es keine Fahrkarten in den Süden. Die Bahnangestellten haben alle aufgekauft und dann für das Dreifache verscheuert. Nichts passiert, niemand unternimmt etwas dagegen. Alle hatten große Hoffnungen mit Putin verbunden, aber letztlich passiert gar nichts. Dann das U-Boot. Die Leute fühlen sich betrogen, weil so viel gelogen wurde. Wieder haben sie gezeigt, dass hier Menschen nicht besser sind als Dreck. Dass die Regierung auf die Menschen spuckt. Alle sind heute im Zustand der vollkommenen Hilflosigkeit. Verlassen können sie sich auf niemanden und auf nichts. Eine Gesellschaft enttäuschter Menschen, die keine Vorstellung haben, was auf sie zukommt, gehen auf die Straße, wenn nicht die Polizei brutal dazwischenhaut.

Nun - im neuen Deutschland - ist das noch besser als schon in der ersten Bundesrepublik, da haben wir nämlich den Neuen Markt. Der symbolisiert die neue Moral, die neue Intelligenz, die neue Dynamik, auch in der Kleidung kaum von der Mafia zu unterscheiden. Das ist das gleiche Prinzip, wie das russische Vergnügtsein: Man verbraucht, nicht, was man schafft, sondern die vorhandenen Reste. Nur, dass in Deutschland die Reste noch ganz fett sind, verglichen mit Moskau. Aber das besinnungslose Vergnügen, dass diese Vergnügten in Berlin Mitte vergnügt - wie in Russland, mit Neidblick nach New York - ist faul, bequem, träge, nicht besonders intelligent aber vermessen, leistungsschwach, ideenlos, aber mobstark, ganz wie der frühkapitalistische Irrsinn in Moskau. Wir machen den Osten stark, plakatierte die PDS im Bundestagswahlkampf. Ja wie denn? Was sollen wir erwarten? So, wie vor 1992 Ost gegen West? Oder in Erwartung der 30.000 West-Stasi-Leute, die nach wie vor drehen und Nachteile schaffen? Es ist zu deutlich: Das Resentiment gegen die USA - Antiamerikanismus - macht Pazifisten aus Wirtschaftsgegnern. Gegenüber Putin - ob im GU-LAG oder in Tschetschenien - gilt Nichteinmischung, Exportinteressen, Achsenbildung Putin / Schröder / Paris. Wie düster es in solch einem Heuchlermob aussieht, zeigt sich an Sündenbock- und Haltet-den-Dieb-Affektationen: Gutmenschentum, Antisemitismus, Neonazi-Inszenierungen. Es verschwinden relativ wenig Bekannte auf unbekannten Wegen.
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