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neue sinnlichkeit
Kinderseiten der Epoche
Leibniz fürs Publikum
von Dietmar Moews


Publikum - das müssen wir immer erinnern. Weil das Publikum ein kleines Stück entfernt ist vom Selbst - nämlich. An dich selber musst du nicht besonders denken, das Ich ist immer schon unwillkürlich mit drin. Das sehen wir auch daran, welch Anstrengung eine Selbstlosigkeit - allein, zu denken - uns macht.

Lese-Publikum - das ist nun ganz verrückt. Verrückt, insofern, sieht man sich selbst in der Mitte seiner Selbstwahrnehmung, befindet sich Publikum immer etwas davon abgerückt - verrückt, sozusagen. Da geht es hin, All so:
Reisen und Abenteuer, dazu etwas wahrheitsgetreue Darstellung, verbunden mit Missgeschicken von Höhergestellten, Dummheiten der Streitmacht oder der Polizei, Prominenten-Dinge, durchs Internet schneller.

Schon bist du beim Publikum. Das lacht über Närrisches. Wer nicht lacht, langweilt sich. Wer sich nicht hingibt, widersteht. Wer mit Vernunft kommt, hat unrecht und ist einsam. Und wer ernst dabei bleiben möchte, dem sei das unbenommen, in seiner Einfachheit, Komplexität und Irreduzibilität.

Ja, liebes Publikum. Es ist die Zeit, in der Bildung die politische Lösung wäre: Einfachheit, Komplexität, Irreduzibilität - diese Drei - magische Gegensätze. Die sind sowohl wahr wie wirklich. Bleiben wir beim Wirklich. Denn da gehts wirklich lang. Hingegen Wahrheit - stimmt entweder mit Wirklichkeit überein oder ist zum Streiten geeignet.

Publikum, das sich nicht zusammengehörig fühlt, kann durch Streit geistig erfasst und dadurch zusammengeholt werden. Das wäre dann auch eine Wirklichkeit, Wahrheit um die Ecke verwirklicht.

Irreduzibilität, nun, mag das Publikum gar nicht. Weils schlecht klingt. Man läuft Gefahr, nicht verstanden zu werden. Komplexität, dagegen, eignet sich fürs Publikum hervorragend. Man kann damit zwar nichts sagen. Aber das Wort erzeugt Erleichterung und Selbsterleichterung, die beiden Glimmer-Twins. Und Einfachheit? - ist mehr für Gottfried Wilhelm Leibniz, Otto den Großen Magdeburger, Friedrich Engels, Annemarie Schimmel und Karol Woytila, unsere bewunderungswürdigen Sprachler.

Anders das Publikum. Es begnügt sich mit der Publikumseinfachheit. Und die ist nicht naiv, sondern kompliziert. Man sagt Einfachheit, weils einfach klingt. Wer nachfragt, bekommt es mit Komplexität und Irreduzibilität zu tun. Wer zustimmt, bleibt im Vagen. Wer aufs wahre Publikum verweist, siegt wirklich. Denn, was der Klatschsucht Mylord und Mylady sind, ist dem Mob das Publikum. Das Publikum bietet sich der Einfachheit halber als Sündenbock, als komplexe, irreduzible Mobgruppe an. Indem man einfach sagt: die Anderen - das ist das Publikum. Und ich - bin gerettet, mittendrin.

Soviel zur Frage: Wie erkläre ich fürs Publikum, dass auch Schwachsinn beim Publikum ankommt, aber nicht immer durchdringt? Wer braucht eine Adornoreligion oder Leibnizkeks?
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