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neue sinnlichkeit
Erfolgskinder



... denn die oberen Zugänge der Unteren sind was anderes - das ist das Allerneueste für sie und ihn - als die unteren Zugänge der Oberen, wobei Oben und Unten in der Demokratie ohnehin verständlichkeitshalber festzulegende Bezeichnungen sind -, wenn man sich verständigen wollte. Erfolgskinder ist die Rubrik der Meinung des Dietmar Moews, Dresden, der Personenvorschläge, Kritik und der Ausschau nach jungen Autoren. Für alle Kommunikanten auf Lebenszeit treten drei junge Dresdner künstlerisch hervor: Alexander Neumeister, Peter Rühle / Morea, Torsten Rühle / Oran.

Ich danke der Bundesrepublik Deutschland dafür, dass ich hier frei meine freie Meinung veröffentlichen darf. Pressfreiheit, Meinungsfreiheit, Kunstfreiheit, Wissenschaftsfreiheit, sind mir die wichtigsten Prinzipien unseres Staates und seines Rechts. Ich hoffe, die Gesellschaft liebt ihre Freiheit, pflegt, nutzt, bewahrt und praktiziert sie institutionell und sagt das auch laut und öffentlich. Hätte Freiheit nicht lebensdienlich zu wirken? Und individuell wie kollektiv geschätzt und gewahrt zu werden?

Die politische Zersplitterungsentwicklung der Deutschen umzulenken - all das hausgemacht Böse nämlich, was seit Jahr und Tag in diesen Blättern für Zersplitterungsentwicklungen aufgeführt und gedruckt wird - konnte unterdes kaum gebessert werden. Die Adornos scheuen Aufklärung, wie, angeblich, der Teufel Weihwasser. Schlimmer Weise ist des Schattenwirtschaftskanzler Schröders militär- und unterhaltungsindustrielle Oszillationspolitik - nun mit dem Claim Absicherung / Man muss auch mal Geld in die Hände nehmen - zur zureichenden Seinsentschlüsselung darauf angewiesen, das US-Empire verbrächte ihn nach Guantanamo. Es darf aber ein Kanzler nicht so blöd sein, wie seine Wähler; wie wärs mit Arbeitsteilung? Zersetzung verschlimmert den Sicherheitsbedarf weiter und weiter verkommt der Entfaltungsmut der Begabten. Sagen wir: Mittelmäßige Rechtsanwälte verändern sich, ohne dass die Richtung der Lenkungsversuche oder Veränderungshoffnungen - also die Wertorientierung - überhaupt zu erkennen wäre - allein: man dauert (Heinrich Mann). Offensichtlich halten hauptsächlich die starren Kräfte, die religiösen, alle ästhetischen und - verlässlich - aufgrund Erschöpfung unterbleibt Vieles.

Warum sagt seine Verkäuferin beim Kuchenkauf in der Martin-Luther-Strasse, Antonstadt-Dresden (Äussere Neustadt), resignierend zu ihm: "Und dann hammwa die Rechten und dann gibsn dritten Weltkrieg". Der Dresdner - angeführt von West-CDUlern - glaubt nichts West-politisches mehr, ist gegen alles Westinstitutionelle eingestellt, denkt rechts, spräche keinesfalls freiwillig darüber, weil das ein anderes Kapitel sei, "Parteien? Hörensemiruff." Sodann BundespräsidentRaudemkeinerimOstenmehrzuhört-SPD beschwor in Sebnitz sein Fernsehpublikum, Alles gegen Rechts zu tun. Und daran, dass ihm keine Brotverkäuferin eine reinhaut, sehen wir: Rau wird gar nicht gehört.

Ich muss mich kurz fassen und kurzfassen. Das eigene Blatt, hier, eine Ausgabe nur mit Einseitern zu gestalten, gelingt nicht. Obschon die Kurztexte da sind. Aber die eigenen Verwertungsbedenken und der verwobene Rattenschwanz sind des Affen Zucker. Hinun werden die Darbietungen in diesen Blättern, die die Welt bedeuten, Internet-tauglich. Manch Gewohntes
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wird ab nun anders. Insbesondere die urheberrechtlichen Unbedenklichkeiten werden zukünftig in presserechtliche und kunstfreiheitsrechtliche Berichts- und Kritikformen eingebunden. Damit jedes Heft insgesamt sowie in überwiegenden Einzelbeiträgen, vom Herausgeber allein vertreten werden kann (dabei wird die milde Ertragsorientierung der Blätter für Ertragszuspitzung ständig zugespitzt und gesteigert). Neue Sinnlichkeit 44, Blätter für das Sprechen vom liberalen Denken des Handelns, weist auf die Schriften Meister Eckharts (1260-1328), Nikolaus von Kues (1401-1464), René Descartes (1596-1650) und Michel Foucault (1926-1984), speziell deren Überlegungen zu den positivistischen Wirkungsbeziehungen zwischen der äusseren sinnlichen Welt und der menschlichen Sprachorientierung. Descartes dachte den ohne Tal denkbaren Berg. Ferner Vorstellungen anderer Autoren zu Sprechen/-Denken/Handeln, um nicht zu sagen, der gesamten geschichtlich überlieferten Vorstellungselite. Selbst Frege, der Mathematik-Verabsolutierer, und Robert B. Brandoms Kritik an Frege, wie der IT-Browser der FAZ, Dietmar Dath, kürzlich schrieb: Zuflucht des Göttlichen - können von Dietmar Moews zur Bestätigung seines Neue Sinnlichkeit-Konzepts herangezogen werden, wenn sie sagen: Man kann nicht entscheiden - wie sollte man, niemand kann ja "nachsehen"- und nennt den siebten Sinn des Logizist, mit dem dieses "Nachsehen" vonstatten gehen soll: die Logik (egal, ob man glaubt, die Logik sei gegenständlich oder die Gegenstände seien logisch). Worauf ein dieser Art bestimmender Positivist zielt, ist die sinnliche Gewissheit, die uns hilft: Es regnet, ich werde nass. Und dann geht es ab.

Allein die Stapel von für wichtig gehaltenen Notizen überborden bereits die Kühlschlitze des Computerbildschirms, wo sie gehäuft sind, um unverzüglich zunächst ins Auge und dann in die Mühle von Dietmars Blätterschmiede zu kommen, aber stattdessen Überhitzungsausfälle auslösten - etwa solcher Notizen: Der gute Maler und Teilsscharlatan Gerhard Richter, Düsseldorf, soll laut dpa, anlässlich seines 70sten Geburtstags, gesagt haben: "Die Malerei und die Kunst überhaupt sind so anspruchslos, so beliebig und nett geworden, dass sie gar nicht mehr ernst genommen werden kann." (Müsste richtig heißen: "werden können"). Unerträglich, die Bundeswehr zur Weltbefriedung in eine Gärtnerei zu verwandeln und dass die Salonpersonnage genannten SPD-Kulturbolschewisten als Untergangspropheten sich mit aller Macht alleinigen Zugang zu den Mitteln und Posten weiterhin nehmen und auch noch zensuristisch darüber berichten, Börne-Preise stiften, sich selbst verleihen, darauf den Zukunftsmarxisten und Staatsvertrags-dctp-Abzocker Alexander Kluge/SPD/KairosGmbH - der permanent fremde Urheberrechte klaut, indem er fremde Film-rechte durch den Effekte-Computer leiert und vorgeblich neue Rechte kreiert - dieser SPD-Professor darauf Schlingensief zum Hitlerbärtchen an CDU-Plakate malen hochpäppeln (Pappe)- heißt es in der FAZ am 23.4.3 Maikäfer flieg! Handke kritisiert Friedenspreisvorschlag, als er erfuhr, dass der Verband Deutscher Schriftsteller - genau genommen dessen SPD/DGB-Vorstand, eigenmächtig und ohne Zustimmung der Verbandsmitglieder - Joschka Fischer und Gerhard Schröder als Friedenspreis-Empfänger aus-gerufen hatte, ließ sich huhu (Kritik der Kritik) hu dazu herab, Gürtellinie! Mit diesem Vorschlag ist das Wort Schriftsteller außer Gebrauch zu setzen. Diese Leute, die den Krieg gegen Jugoslawien vor vier Jahren scheinheiligst losgebrochen haben, sagen vier Jahre später noch scheinheiliger: 'Von diesem Krieg sind wir nicht überzeugt'. Wenn es stimmt, dass man dafür vom deutschen Schriftstellerverband für den Friedenspreis vorgeschlagen wird, dann höre ich auf. Mein Beruf wird dann Rentner oder Maikäfer oder irgendwas. Die diese Stellungnahme Handkes aufbietende und gleichsam verunglimpfende FAZ vom 23.4.2004 bindet das so ein: Aber das Handkesche Kopfschütteln geht nun einmal immer sofort in ein Handkesches Kopfrotieren über, das nicht aufhören kann, bevor aus dem Dichtermund Handkesche Erregungssätze herausgeschleudert werden wie..(s.o.)... Peter Handke sei gewarnt: Wenn er seine Drohung wahrmacht und das Schreiben aufgibt, werden ihn seine Kollegen vom Schriftstellerverband unweigerlich für den Nobelpreis vorschlagen ... /g/ und was ist dann tiefer als unter der Gürtellinie?

Täglich erreichen den empirischen Soziologen noch scheinheiligstere Tiefstschläge, mit denen er leben kann, wie Anleger handeln auf eigenes Risiko. Aktien steigen und fallen. Der Heilige Geist beschert durch das Christkind. Ich glaube, meine Frau ist tot: Im Bett isse wie immer, aber in der Küche sieht es aus, wie Sau. Während Schnee und Eis den Weihnachtsverkehr behindern, wird er durch Schweiß und Sperma begünstigt. Heißt das nun: Kacke hemmt oder Kacke im Hemd? War Ihnen bereits aufgefallen, dass der Westdeutsche "DDR" DeeeDeeeÄr spricht, der DDR-Deutsche "DDR" hingegen DäddäÄr? Dass Hans Hartz, Sänger von Die weißen Tauben sind müde 59-jährig starb, Noel Redding, Bassist der Jimi Hendrix Experience 57-jährig in Schottland starb, die hier hochgeachteten Robert K. Merton, Soziologe, John Rawls, Philosoph, Herbert Lüthy, Historiker - sie alle zur sächzschn Gestarbo gewechselt sind, wo die frommen Soldaten sitzen und sich lustig machen - wer kann es ihnen verdenken.

Nachdenklichere Leser fragen sich, ob der Begründer der Neuen Sinnlichkeit auf den falschen Fuß der Dialektik sich stützte, als er für Heft 43 das Gift gegen Vergiftung ersann? - Tja, darauf sage ich nur: Ach (als fortschrittliche Fassung des traditionellen Hab Acht!, nunmehr: Habt Ach!). - will sagen: Ach, welch Prüfung meiner Geduld. Was zählt, ist die Sehnsucht. Nennen Sie es ruhig die Sehnsucht nach Gott. Lesen Sie bei Meister Eckhart. Was geht uns die Analyse der Sehnsucht an? Was soll die Dialektik der inneren Seinsbereitschaft? Liebere Leserin, halten Sie sich an das Sprechen vom liberalen Denken des Handelns, nämlich im Einsatz für Ihre Sehnsucht.

Als der Maler edler Stilleben, - Fahnen wie von Morandi hier im Heft - von Alltagsgegenständen und besonderen Farben, einer originalgetreuen CD mit einem lebensgroßen knattergrünen Wirsingkohl, gibt Meister Moews gerne Antwort: Aus der unüberschaubaren Zahl junger Menschen, die der idiotische Staat zu staatlichen "Künstlern" hinzertifiziert, mit Studienmitteln, Reisestipendien, Preisen, Lehraufträgen und Verbeamtung herausbringt, und die dann wie die Maus in der Angst vor dem leeren Raum ins Öffentlichkeitslicht blinzeln und mit zugekniffenen Augen zur rettenden Fußleiste fliehen - diese staatlich organisierte Not von Unmündigen, von Fehlgeleiteten, von Führungsbedürftigen, die man nicht auch noch verprügeln sollte, dafür, dass sie Ich sagen, ohne es zu sein, von denen gibt es dann huh immer wieder auch witzigere Exemplare, die - ohne es in ihrer Ausbildung gelernt zu haben - ihrer dämlichen Welt mit Zweifeln entgegentreten und fragen: Auf diese Fragen erscheinen hier diese meinungs- und empfehlungsfreudigen Erfolgskinder. Dietmar Moews in Dresden antwortet auf die Frage nach der Qualität: Was ist Qualität in der Kunst? Was ist Qualität in der Malerei? Wie könnte man das definieren? Nennen sie gute Beispiele oder Kritikpunkte an schlechten:

Jede Leserin und jeder Leser muss selbst entscheiden, was sie oder er bereit ist, für sein Wissen, für seine Bildung, für seine Neugierde und Fähigkeit, über den häuslichen Topfrand zu gucken, einzusetzen. Die Wunderkammern sind nach wie vor vorhanden und zugänglich. Der jungen Malerin sage ich zunächst mit Goethe: Man sieht nur, was man weiß. Dieses ist der zwar repetierte aber nicht zu erübrigende Verweis auf eine unumstößliche Tatsache: Kennerschaft und Erfahrung. Wir können getrost darauf verzichten, den abendländisch-christlichen Kreis zu verlassen, um beim japanischen ZEN auf das Spiel des Meisters mit dem Lösungswort zu stoßen: Die Lösung ist - bekanntlich - dass man die Frage nicht mehr hat: Wer Qualität in der Malerei kennt, der hat sich Kennerschaft in der Malerei erworben, der wird so nicht mehr nach einer einfachen Antwort suchen - der Kenner sieht Qualität und wo sie fehlt, wo Qualität abgemindert aufscheint oder nur angetäuscht worden ist. So antworte ich hier auf die Frage nach Qualität: Erwarten Sie nichts von Theodor W. Adorno, Jürgen W. Möllemann und George W. Bush, diesen drei großen W´s. www - es sind maßlose Angeber. Ebenso Elias Canettis irreführendes Buch über "Masse und Macht", dazu das vollblöde Sekundärbuch von Peter Sloterdijk "Die Verachtung der Massen", nebst dem unsäglichen Flachschuss des José Ortega y Gasset "Aufstand der Massen" von 1930, der sich auf Freuds Seelenmechanik und Oberflächlichkeiten mit Aristoteles' Rhetorik verplappert; lieber Leser kaufen Sie sich lieber ein Musikvideo, auf dem zu sehen ist, wie Adorno Musik von Adorno hört. Das lässt sich sehen. Und schließlich, der absurde Trottel Marshall Mc Luhan - wer dessen "Soziologie" eingesogen hat, wird gut mitreden können, allerdings ohne jegliche Gültigkeit; man klappert so dahin, in der Masse. The medium is the message, sagt McLuhan, hat aber niemals sich selbst als Massenmitglied ernsthaft ernstgenommen und erwogen. Er hätte nämlich sowohl festgestellt, dass der Massenmensch in der Masse, weiterhin und unausweichlich eine individuelle Person ist, so blöd oder erleuchtet, wie er es sonst auch ist, beim Waldspaziergang oder beim Zahnarzt. Und dass die Fußballübertragung am Fernsehen alles mögliche ist, sozial, anstrengend, entspannend, kostspielig, belustigend, sportspezifisch usw. aber so gut wie nie das banale Anschauen von Fernsehen (the medium is the message) vorrangig. McLuhans Satz ist unzutreffend und irreführend, wenn man etwas über Fernsehen und Massenkommunikation sagen wollte. Hingegen, fernsehen und das Fernsehen, die dienen überwiegend der Selbsterleichterung der Erleichterung und der Menschenzusammenführung (zugegeben teils niveaulos oder als Ersatz für Aquarium oder Wohnzimmerlampe). Aber - wir wiederholen - Zukunft und Frieden herkommen von gut organisierter Kultur, nicht von gut organisierter Politik. Niemand kann gute Politik verwirklichen, ohne lebendige Kultur der Teilhabe, der Teilnahme, der wohlwollenden Einstimmung, keine Zukunft ohne Anmut und Licht. Meinung und Empfehlung auf Qualitätsautoren lauten: Kunert und Jirgl. Sehr zum Lesen empfohlen werden der Schriftsteller und Maler Günter Kunert, 1929 in Berlin geboren sowie der Schriftsteller Reinhard Jirgl, 1953 in Ost-Berlin geboren, mit zahlreichen Romanen, Genealogie des Tötens, Die Unvollendeten, Gewitterlicht, Landschaften des Wahnsinns, Abschied von den Feinden, Hundsnächte, Hanser-Verlag München.

Die Orientierungskampagne, Neue Sinnlichkeit, Kultur, Kulturverstand, Bildungskompetenz, Wähler in der Demokratie, haben was Neues: Die Dinge, die Phänomene, die Kreatürlichkeit. Und langmütig wird es wiederholt, was Kultur ist: wie die Kultur der Maßstab der sozialen Realität ist, nämlich wie die Farbe des Glases einer Brille, durch die ich die Mitwelt erkenne und mehr oder weniger verkenne, weil mein Blick bereits die Welt verändert:

Liebere Leserin, liebster Leser, George Orwell bedeutete Adorno als Denker mit no bullshit approach. Was no bullshit approach, nach Orwell bedeuten sollte und hier verstanden wird, folgt bei Alex Ross, aus The New Yorker, unten. Vorab Etwas zum Denken und Dichten, zur Frage, Was Jemand etwa gelungen sein muss, das ihn aufs Wärmste anzutreiben scheint, an sich selbst zu glauben? Immer angesichts der Verteufelungen und Anbetungen der Kulturindustrie, zu der die Gentechnologie, das Klonen und die Mediatisierung unserer Kommunikation gehören, wissen wir damit noch nicht mehr darüber, wie schicksalhaftig oder eigen-zurechenbar solche Entwicklungen sind. Sie geschehen jedenfalls nicht ohne mehr oder weniger aufgeklärte politische Vorentscheidungen, keinesfalls gegen den Willen der Mehrheit. Keine Macht der Welt könnte Etwas durchsetzen, wenn die große Zahl dagegen wäre. Welche Zersetzungskräfte vom Frauenklonen ausgehen, ist zu ahnen. Welche Verkittungsreserven unsere Schöpfung noch bereithält, bannt unsere Neugier ab jetzt. Genau deshalb ist die Neue Sinnlichkeit ja auf Lebenszeit (und die US-Macht, zu zwingen) konzipiert. Wir sind auf Überraschungen gefasst.

Frage du einen Rollstuhlfahrer, wenn du das Wichtigste über das Gehen erfahren willst? Fragen wir einen Nichtleser über das Dichten? Befragen wir einen Hagestolz übers Ficken? eine Jungfrau zum Gebären? einen Bären über Spatzengesäße bei Windstärke sieben? Also - fragen wir einen Neider über seinen Neid, das Neidischsein und seine Erlösungsrisiken? einen Womenizer über Sublimation und Enthaltsamkeit? Kürzlich hörte er eine Schauspielerin, die Auschwitz überlebt haben will, dadurch dass sie sich dazumal die Freiheit genommen hätte, das Dasein als Entrechtete im Arbeitslager, im Angesicht des Vernichtungslagers, als eine Schauspielrolle anzunehmen, zu spielen wozu sie gezwungen war. Nun wir wissen es ja nicht, ob ja, ob nein; wir können nicht nachsehen.

Der unmusikalische Schauspieler Peer Brensing, Anfang der 1980er Jahre zeitweise unter Alexander May am Staatsschauspiel Ballhof in Hannover, behauptete von sich, er könne einen Sänger spielen. Man hat es mit ihm probiert - er blieb den Beweis schuldig - seine Singversuche klangen schauerlich. Der Gedanke sagt aber, der dicke. liebenswürdige weil witzige, exzentrische Peer (ist leider sehr jung schon gestorben) hätte manch Gültiges über

Gesang, Singen und Musik zu sagen gehabt, mehr als manch Musikus - allerdings, wenn er sang, so falsch und fürchterlich es auch klang - Peer fühlte sich dabei ganz sicher. Wie bei einem guten Sänger, fühlte er, wie man sich beim Singen sicher fühlt, (wohl könnte sein, das angenehme Reiben bei Mehrstimmigkeit im Satzgesang, bei ihm anders sich anfühlte als beim tonal empfindenden Gemüt). Aber wer wirft auf wessen Sonorität den Stein
?

Wir würden den Rollstuhlfahrer wohl ernst zu nehmen haben. Wer über gern-gut-Essen zum Kochen kommen zu können meint, den allerdings sparst du mir lieber. Ebenso die Lehrbücher über Esoterik. Esoterik betrifft das persönlich Innerliche. Ein Buch, das für jedermann auf dem Tisch liegt, ist schwerlich esoterisch. Wieso wird Esoterik mit überpersönlicher Exoterik verwechselt? Antwort des Cusanus, genannt Nikolaus von Kues aus Trier (1401-1464) sehr trefflich - in einem Brief an Abt Aindorffer und seine Mönche, 1453: "...dass Dionysius so nach meiner Auffassung verstanden werden muss ...dass man, seine Erkenntnis selbst mit Füßen tretend, ohne Wissen zu Gott streben muss, weil man dann zu jener Vermischung kommt, in welcher es ohne Erkenntnis Gewissheit gibt, wo Dunkelheit Licht ist und die Unwissenheit Wissenschaft ist. Die Art und Weise aber kann weder gelehrt noch gewusst werden, noch hat er sie selbst erprobt, wie er schreibt. Denn jeder Liebende, der ohne Wissen zur Vereinigung mit dem Geliebten strebt, muss notwendigerweise eine irgendwie geartete Erkenntnis wenigstens voraufgehen lassen, weil etwas gänzlich Unbekanntes weder geliebt noch gefunden werden kann und, wenn auch gefunden, nicht in Besitz genommen würde. Und so ist jener Weg, dass man ohne Wissen emporstreben soll, nicht zuverlässig und soll nicht schriftlich gelehrt werden."

Dem schließen wir uns nun so eng an, dass beim Duschen kein Wasser zwischen die Beine kommen kann und sagen also Dreierlei:

Eins ist die Rede von Cusanus Schrift Docta Ignorantia / Über das belehrte Nichtwissen.
Zween: Ist die Rede vom Glauben an Gott. Das ist nicht die Abrede gegen Naturwissenschaft und nicht eine Rede gegen Wissen über die Vorstellungen der Menschen, voneinander, ihrer Ökonomie, ihres Rechts, ihrer wissenschaftlichen Techniken, wie Wissen und Können, auszubauen wären. Dieses sind vielmehr gott-gegebene Obrigkeiten, deren Macht man gewaltig zu akzeptieren hat - mit Matthäus 5f Bergpredigt, "das Salz der Erde... Haus nicht auf Sand bauen". Worüber also sehr wohl Bücher zu verfassen und zu studieren sind; des ungeachtet selig sind die, die geistig arm sind, sollten aber nicht Bücher schreiben und durchsetzen.
Aber Drittens, nach Nikolaus von Kues - und dieses begreifen die heutigen Esoteriker und Licht-Wichtel so gar nicht, und legen noch ihre Peinlichkeiten, wie Scaligero, zwischen Pappdeckel - Über das belehrte Nichtwissen soll nicht schriftlich gelehrt werden.

Wer nun ungeduldig fragt: Wovon redet der eigentlich? Nennen wir ein Beispiel hier. Dass man Gott religiös erkennen darf, was man nicht naturwissenschaftlich, nicht philosophisch schaffen kann, ist menschenmöglich. Wers nicht versucht, lässt es halt bleiben. Auch Leute, die das Prinzip Vater ablehnen, leben weiter. Sinnlos darüber zu verhandeln, ob der Klon einen Vater hat oder nicht - das Prinzip selbst ist wirklich nicht zu leugnen, das heißt, es wirkt.
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