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neue sinnlichkeit
Qualitätsrätsel



Irre ich mich nicht, so schrieb beispielsweise Balzac ununterbrochen, bis zum Augenblick, der ihn von seiner Geschäftsausübung abberief, Romane. Man stelle sich die Ausdehnung einer derartigen Phantasiefähigkeit annähernd vor. Bei Dostojewskij mag es sich, wie ich zu wissen sollen glaube, ähnlich verhalten haben. Gottfried Keller trat, nachdem er eine Reihe von verhältnismäßig denkbar wertvollen Novellen publiziert hatte, in den Staatsdienst, der ihn fünfzehn Jahre lang von fernerem kontinuierlichen schriftstellerischen Schaffen abhielt. Adalbert Stifter, der ein lebhaftes Erzählertalent besaß, das einer sprudelnden Quelle glich, aus der er nach Herzenslust schöpfte, hatte eine pädagogische Beamtung inne. Goethe, dieser Große, dichtete sich, wie seine Lebensgeschichte dartut, mit einigen sich in den Unverwelklichkeitsrang hinaufschwingenden Werken in eine gleichsam höfische, d. h. Verwaltungsstellung hinein. Weder der Erfolg noch der Beifall scheinen mir bezüglich einer Schriftstellerexistenz entscheidend zu sein, die vielmehr von der Lust oder Kraft abhängt, immer wieder von neuem zu fabulieren. Balzac tat dies anscheinend unausgesetzt, Keller nicht, und daß er es nicht tat, hatte zweifellos Gründe. Ich halte die Ursachen, weswegen der eine weiter und weiter dichtet, der andere zeitweise aufhört, dichterisch zu wirken, für unter Umständen zu fein, als daß man sie mit Leichtigkeit definieren kann. Äusserliche Begegebenheiten vermögen einer Laufbahn eine bestimmte Richtung zu geben, der Charakter oder Ereignisse in herzlichem Gebiet fallen gegebenenfalls gewichtig in Betracht. Manche Schriftsteller bieten im Anfang ihres Strebens ihr Bestes dar, um nachher der Neigung zu unterliegen, allmählich zu verflachen, während man von etlichen weiß, die einem merkwürdig vorkommen, weil sie unscheinbar oder unsicher beginnen, sich jedoch gerade darum im Lauf der Zeit immer mehr Sicherheit, überlegenes Schaun usw. aneignen. Welcher Art man den Vorzug zu geben habe, bleibt irgendwelchen Bedürfnissen überlassen. Jeder Schriftsteller vereinigt zwei Menschen: den Bürger und den Künstler, womit er sich mit mehr oder weniger Glück abfinde.
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