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neue sinnlichkeit
GRÜNDUNG des asz
Vorankündigung des <Moews-Report>
Der andere Blick auf die Kunst im neuen Jahrtausend
von Layos Dayatos



Der Regel folgend, einer größeren Publikation eine ankündigende kleinere vorauszuschicken, wird hier zunächst die in Kürze erscheinende kleinere Kritik zur gegenwärtigen Kulturpolitik in Deutschland mit dem Titel "<Moews-Report> Der andere Blick auf die Kunst im neuen Jahrtausend" des Soziologen, Leiter des asz Alphons Silbermann Zentrums - Institut für europäische Massenkommunikations- und Bildungsforschung, Archiv und Informationsstelle Dresden sowie Künstlergelehrten und Herausgeber dieser Zeitschrift, Dietmar Moews, kurz vorgestellt. Als größere Publikation folgt dann die als Dissertation von der Universität Bremen angenommene empirisch-soziologische Studie "Verirrte Kunstorganisation und das BBK-Erlebnis - Eine soziologische Studie zur organisierten Kunstförderung in Deutschland - aus Sicht der Künstler".

Der Moews-Report zeigt auf die Organisationskompetenz des föderalen Staates, begründet Kritik und arbeitet konkrete zukunftsweisende Verbesserungen heraus. Vorab wird zur anthropologischen Ordnung gerufen: Jede Organisation des Sozialen hat entweder auf die Umgänglichkeiten des freien Individuums zuzumessen oder klar und justiziablel getrennt, auf die entkoppelte, ungestilte, kontrollierte und gesteuerte institutionelle Daseinsweise als Vorbedingung für Kultur: Die Kunst schreitet fort vermittels der Persönlichkeit und deren bis zur Ununterscheidbarkeit verbundenen subjektiven und objektiven Motive, als Werkzeug und Produkt der Zeit. Hingegen der Staat als Treuhänder einer demokratischen Massengesellschaft muss Kultur ermöglichen, weil dieses seine Rechtspflicht nach der Verfassung ist. Gleichsam steht der Staat aber in der Pflicht, Politik zur Verwirklichung und Sicherung der heute gängigen Vorstellung von Zivilisation zu gestalten. Hierin steckt im Prinzip der Gegensatz von Zivilisation und Kultur. D.h. bei wohlverstandener Freiheit der Kunst sind Gestaltungen und Leistungen der Produktion möglich, ja wünschenswert - nehmen wir nur die Bibel als Beispiel für eine Kulturüberlieferung, die den Menschlichkeitsauslegungen sehr unterschiedlicher Kunst- und Gesellschaftsformen diente - die nach deren eigener "Natur der Sache" nicht immer als Einlösungen der Zivilisationsforderungen gesehen werden können. Dem Staat als Walter seiner Zivilisation kommt dabei die Rolle als einerseits Spielraumgestalter, andererseits als Kunst- und Kulturkonsument zu, aber eben nicht als Produzent der Kultur selbst. Hinsichtlich der jeweiligen Kulturhöhe einer überwiegend kulturindustriellen Massenkultur sind Zugänglichkeit und Soziabilität zu ermöglichen, wie sie im Zuge des modernen gesellschaftlichen Wandels, weg vom aristokratischen Kulturprinzip einer Elitekultur, hin zur Masse als Kulturträger, legitimiert und gefordert ist. Sowohl Elite- wie Populärkultur, Exklusivitätsanspruch wie Majoritätswünsche sind als die verpflichtenden Ziele für den staatlich zu organisierenden Handlungsrahmen der Kunst- und Kulturproduktion und -distribution auszulegen und als funktionierend sicherzustellen. Die Organisation des Zugangs ist durch formelle und informelle prozessurale Lehr- und Lernprogramme an vorhandene kulturelle Muster anzuknüpfen und Wissen, Ideen, Glauben, Werte, Standards, Gefühle und soziale Durchdringung sind zu vermitteln.

Der Moews-Report gipfelt in der These:
"Arm, weil dumm."

Gemeint sind Menschen und ihre heutigen Beziehungen. Die These "arm, weil dumm" wird auf soziologisch-systematische Empirie und Analyse der Organisation der Kunst in Deutschland gestützt, dabei auf die drei interagierenden Komponenten des Kunsterlebnisses - Kunstkonsumenten, Kunstleistungen und Kunstproduzenten - bezogen, sowie auf deren Stimulans und Gelderträglichkeit.

Der provokante Satz, "Künstler sind arm, weil sie dumm sind", wird auf vier ausweisliche Verirrungen gestützt, d.h. auf Funktionen von Organisationsfehlern Sie werden. als Folge der polygonalen verirrten Kunstorganisation im heutigen Deutschland erläutert. In diesen Verirrungen sind ihre Voraussetzungen zu finden. Der Verfasser schlägt vor: Wenn es menschlich zugehen soll, muss gelernt werden können und gelernt werden (dabei ist die Organisation der Bildenden Künste ausweislich sozio-kulturell mit allen Künsten, ja mit dem Sozialen der Kultur überhaupt, vergleichbar).
  1. Jedes individuelle Dasein steht in ständiger Verantwortung der Wert- und Geringschätzungsausstrahlungen seines Lebenszusammenhangs. Die Kunst verzeichnet ein Phase der Abwertung.
  2. Es ist die Tatsache des mangelnden Berufswissens der Künstler sowie das Unwissen der Nichtkünstler, um die organisierte Unausgewogenheit zwischen Kulturindustrie und Handwerk.
  3. Es ist die schwache Bedarfsorientierung und die große Konsumentenferne der armen Künstler - meist mit dem Gestus "Gottesdienst: ich kann nicht anders, ich will nicht anders-", nicht zu fragen und umzusetzen, was sie und ihre potentiellen Konsumenten an Kunstleistungen wünschen oder brauchen - um Angebote konkreter an ihr Publikum zu wenden und sich bei schwerer zugänglichen Kunstleistungen verbindlicher um die Vermittlung bemühten.
  4. Die politische Stellvertretung der Kunstproduzenten ist lahmgelegt. Sowohl im Deutschen Kulturrat der Chorsänger und Museumsdirektoren wie in den kulturindustriell orientierten VG-Bild oder Mediengewerkschaft u. a., dominiert eine Oligarchie der "Salonpersonnage" von Nichtkünstlern die Interessen der Künstler.
Der Moews-Report zeigt die Organisiertheit der Kunst und zielt auf das Erkennen der vorherrschenden sozialen Bewegungen und ihrer praktischen Auswirkungen im totalen Kunstprozess aus Sicht der Teilnehmer am "Kunsterlebnis".

Der Report zielt nicht auf Verurteilungen und nicht auf Neudefinitionen im heutigen Begriffskanon benannter Symbole, wie Kunst, Wirklichkeit, Wissenschaft, Moderne, Armut, Masse oder Exklusivität. Der Autor selbst empfiehlt sich durch seinen Report als kenntnisreicher, anregender aber kostspieliger Idolbildner wie provokanter Idolzertrümmerer.

Ohne eine Rangfolge dadurch anzuerkennen, werden vier Kritikfelder der Kunst- und Kulturorganisation soziologisch herausgehoben erörtert. Es sind stichwortartig die zunächst unscheinbaren Problemfelder 1. Wertschätzung, 2. Bildung, 3. Menschennähe und 4. Lobbying. An ihnen krankt das Zusammenspiel des "Kooperativen Kulturföderalismus" deutscher Ausprägung so wesentlich und konkret, dass von "verirrter Kunstorganisation" gesprochen werden muss. Wenn die Organisation in der Produktion und Distribution von Kultur auf dem Prüfstand steht, sind die allgemein anerkannten Bedeutungen der rechtsstaatlich demokratischen Massenkultur im Mehrheitswahlrecht maßgeblich und von einer kulturverpflichteten Politik gerade in diesen sowohl kulturindustriellen wie personalen Grundbedingungen der andere, neue Blick auf die Kunst im neuen Jahrtausend zu entfalten. Als Organisationsziel kann nicht länger die Produktion von Regulationsstrukturen ohne Erfolgskontrolle gesehen werden, sondern die konsumentenorientierte Ermöglichung von Handlungspielräumen, in denen solche Kriterien wie "funktionale Sehnsucht", "aktivierende Stimulans" und "aufwertende Organisation von Bildung", aber auch "Toleranz für menschliche Inkonstanz" wirklich erfüllt werden.

Es sind der Gegensatz und die Zusammenspielmöglichkeiten zwischen Zivilisation und Kultur überhaupt zu denken. Zivilisation und Kultur sind die zu organisierenden Prinzipien. Dabei ist beachtlich, was Regulation im kompetenzrechtlichen Sinne des Grundgesetzes sein darf und soll und was Kultur und deren notwendige Lebensnähe betrifft. Regulierung wird reguliert, Kulturorganisation ist die Ermöglichung eines Lebensspielraumes in dem selbststeuernde und selbstkontrollierende Bestimmungen, Wertverwirklichungen, Stil, Aushandlungen, sozio-kulturelle Entfaltung wie Abarbeitung von integrativen Impulsen strukturiert, kommuniziert und fortentwickelt werden: <Moews-Report - Der andere Blick auf die Kunst im neuen Jahrtausend> 2001.
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