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Qualitätsrätsel



"Es ist erwiesen", pflegte er zu sagen, "dass die Dinge gar nicht anders sein können, als sie sind. Denn sintemal alles zu einem ganz bestimmten Zweck geschaffen ist, so ist alles notwendigerweise zum allerbesten Zweck erschaffen. Merkt also wohl auf: die Nasen sind zum Brillentragen da, und so tragen wir denn Brillen. Offensichtlich sind die Beine dazu geschaffen, dass man Strümpfe, Schuhe und Hosen daran trägt, und somit haben wir Schuhe, Strümpfe und Hosen an. Die Steine sind gewachsen, damit man sie behauen und daraus Schlösser erbauen kann, und deswegen hat der gnädige Herr ein wunderschönes Schloss. Der fürnehmste Baron in der ganzen Provinz muss auch die schönste Wohnstatt haben. Und dieweil die Schweine dazu gemacht sind, dass man sie aufisst, so essen wir auch Schweinefleisch jahraus, jahrein. Demzufolge sind alle, die behaupten, alles sei hienieden vortrefflich eingerichtet, samt und sonders Dummköpfe. Sie hätten nämlich sagen müssen, alles sei aufs allervortrefflichste bestellt."

Candide sperrte Augen und Ohren weit auf und glaubte ihm, was er sagte, in aller Unschuld und Herzenseinfalt. Er fand nämlich Fräulein Kunigunde über alle Maßen hübsch, wenn er sich auch noch nie so erkühnt hatte, es ihr zu sagen. Er schloss folgerichtig, das höchste Glück auf Erden sei, als Baron Thunderdentronckh zur Welt gekommen zu sein, das zweithöchste bestehe darin, als Fräulein Kunigunde auf Erden zu wandeln, das dritthöchste, sie täglich zu sehen, und das vierte, dem Meister Pangloß zuzuhören, dem größten Philosophen in der ganzen Provinz und folglich auch auf der ganzen Welt.

Eines Tages lustwandelte Fräulein Kunigunde unweit des Schlosses in dem Schlosspark genannten Wäldchen, und da gewahrte sie im Gebüsch den Doktor Pangloß, der just der Kammerjungfer ihrer Mutter, einem kleinen braunhaarigen, recht hübschen und ausnehmend gelehrigen Ding, eine Unterweisung in Experimentalphysik erteilte. Da Fräulein Kunigunde treffliche Anlagen zu den Wissenschaften hatte, beobachtete sie mit atemloser Spannung die wiederholten Experimente, deren Augenzeugin sie war. Ganz deutlich vermochte sie den zureichenden Grund des Doktors zu sehen, sie erkannte die Ursachen und ihre Wirkungen und schlich hernach, höchst angeregt und aufgewühlt, gedanken- und ahnungsvoll nach Hause, vom Wunsche beseelt, auch so gelehrt zu sein. Ihr war so wohl und doch so weh ums Herz, und sie dachte bei sich, eigentlich können sie recht gut den zureichenden Grund für den jungen Candide abgeben, und er desgleichen für sie.

Als sie ins Schloss zurückkam, begegnete ihr Candide, und sie wurde über und über rot. Auch Candide errötete. Sie wünschte ihm mit stockender Stimme einen guten Tag, und Candide stammelte...
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