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neue sinnlichkeit
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Hannoverscher Klassizismus
Exposé einer Ausstellung
EGON NEUBAUER (1920-1991)


Von der großen Neubauer-Ausstellung 1975 im KUBUS Hannover aus sollte die Zusammenarbeit zwischen dem Lehrer Neubauer und seinem Schüler und Galeristen Dietmar Moews, mit der Ballhof-Galerie Hannover, auf eine Ausstellung "Hannoverscher Klassizismus" in der Lavesschen Orangerie in Hannover Herrenhausen und in Veranstaltergemeinschaft mit der Landeshauptstadt hinführen. Im folgenden Exposé drückt Egon Neubauer den Geist dieser Zusammenarbeit aus, wenn er sagt: "Allerdings distanziere ich mich von einer modischen Aktualisierung. Wenn die Ausstellung einen Anspruch stellt, dann den, historisch Gewordenes als Korrektiv zu gegenwärtiger Maßstäblichkeit zu sehen." (Die Ausstellung fand 1980 statt.)

Georg Ludwig Friedrich Laves hat nicht, wie Karl Friedrich Schinkel an Theodor Fontane in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg im Kapitel Neu-Ruppin, den kongenialen Epistolographen gefunden - ist auch nicht wie Klenze in München geadelt worden - ja figuriert noch nicht einmal in jedem Lexikon, und auch dann nur als Baumeister, "der dem griechisch-römischen Styl huldigte".

Seine historische Stellung als spätklassizistischer Architekt ist zwar in dem grundlegenden Buch von Georg Hoeltje 1964 gewürdigt, doch wird gerade hierin der spezifisch hannoversche Aspekt deutlich, der Laves darin behindert hat, wo Schinkel und Klenze an ihrem Ort sich frei entfalten konnten.

Diese Widerstände haben aber vielleicht als Komponente im Lebenswerk von Laves dazu beigetragen, daß uns in seinen Bauten eine sehr spezifisch-hannoversche Ausformung des "Klassizismus" entgegentritt. Die städtebauliche Seite hat dabei immer eine so große Rolle gespielt, daß uns seine Bauten ebenso als Einzelstücke wie auch als Teil eines von ihm geprägten Stadtbildes erscheinen.

Mein Versuch der Darstellung dieser Epoche, den ich in einer Ausstellung vorlegen möchte, beruht zwar auf der Kenntnis dieser Zusammenhänge, denen ich in umfangreichen Studien nachgegangen bin, geht aber vom Augenerlebnis des Malers aus und will die Dinge in ihrer heutigen Gestalt dem Betrachter sichtbar machen. Es ist dabei nicht an topographische Architekturmalerei gedacht, sondern fern von dynastischen wie restaurativen Tendenzen soll der Versuch gemacht werden, das Überzeitliche aus dem bloß Historischen herauszulösen und im Zusammenhang von Bauwerk, urbaner Silhouette, dem englischen Gartenstil der Zeit, aus Zutaten und Wegnahmen ein gegenwärtig Gewordenes deutlich zu machen. Allerdings distanziere ich mich entschieden von einer modischen Aktualisierung. Wenn die geplante Ausstellung einen Anspruch stellt, dann den, historisch Gewordenes als Korrektiv zu gegenwärtiger Maßstäblichkeit zu sehen.

Zum sachlichen Apparat der Ausstellung wäre die Einbringung ausgewählter Teile des Laves-Nachlasses sicherlich sinnvoll: Etwa die anschaulichen Darstellungen von Bauten, die über das Konstruktiv-Technische hinausgehen und meinen Arbeiten in ihrer unmalerischen Exaktheit gegenübergestellt werden könnten. Ebenso wären Abformungen von Säulen, Pfeilern, Gefäßen, Eisengußstücken wie auch Möbel wünschenswert, weil sie Anschauung und Vergleichbarkeit fördern, auch Maßstäblichkeit herstellen.

Besonders interessant wäre eine Beibringung von Material zur Baugeschichte des Herrenhäuser Schlosses, schon im Hinblick auf die gegenwärtige Unsicherheit in der Frage eines Wiederaufbaues. Vielleicht könnte sich daraus sogar ein Beitrag herleiten, der eine Klärung des Problems weder in einem Restaurationsversuch noch in einer modernistischen Gewaltlösung sondern in einer einfühlenden Gestaltung sui generis anregt.

Zum Ausstellungsablauf noch einige Präzisierungen:
Die Ausstellungsidee "Hannoverscher Klassizismus" betrachte ich als mein geistiges Eigentum und gehe daher von einer ausschließlichen Autorenschaft aus. Mein Material besteht aus umfangreichen Reihen von Zeichnungen, Aquarellen, Ölbildern und Objekten.

Die Ausstellung sollte in terminlicher Anlehnung an die Herrenhäuser Musik- und Theaterwochen 1980 geplant werden. Das Orangeriegebäude in seiner unmittelbaren "Nachbarschaft" würde einen guten Rahmen dazu bieten. Über die Modalitäten von Trägerschaft, Durchführung und Katalog würde noch zu beraten sein.

(faksimile)
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