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neue sinnlichkeit
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Malerworte
von Dietmar Moews


"Dietmar Möws: Ich bin Springer". So titelte die Neue Deister Zeitung des IC Erhard-Verlages des niedersächsischen Heimatstädtchens unseres Malers in Springe am Deister.

"Du bist Springer! Ich wollte, ich könnte das auch sagen ohne zu lügen. Aber: ist nicht!" schrieb der aus der Ferne die Heimatzeitung beziehende Bruder des Malers von Northeim-Wiebrechtshausen bei Göttingen nach Dresden an Dietmar. Denn, auf vierspaltig einigen Hundert Zeilen mit farbiger Abbildung des "Springers" wurde am 14. Dezember 1998 "Von einem, der gerne aus der großen Kunst-Welt in die kleine Heimatstadt zurückkehrt" berichtet, um darauf am 16. Dezember, wiederum vierspaltig mit großem Foto, zu titeln: "Ein Springer entlarvt "Zustände" der deutschen Kunst - Dietmar Möws weist nach: "Staatsknete" als Motor eines kommerzialisierten Kulturbetriebes/Bankergunst für schlechte Kunst".

Meistermaler Dietmar ist es sowohl mit seiner Heimat ernst, die Sudetenstrasse, da lebt seine Mutter im Elternhaus in Springe, Niedersachsen, die Fußball-Bundesliga, Schleswig-Holsteiner Ostseemensch ganz sicher wegen der Zelturlaube in der Kindheit, Norderneyer Ostfriesland-Nordsee-Inselhafen-Bauer als Ingenieur mithin, war man nicht Student mit heimatbildenden Wohnorten in Bielefeld, Minden, Hannover, Göttingen, Braunschweig, Hamburg, Berlin, Bremen, Bayern, Ostfriesland, San Francisco, New York, Hannover, München, Leipzig, Magdeburg, Buenos Aires mit den alten Freunden und der wunderschönen argentinischen Musik, Dresden, besonders Köln aus vielen Gründen, kurz, die Heimat in und außer uns, in Freunden und Bekannten, die egal wo man gerade immer gleichzeitig woanders herumflippt oder schwere Bretter bohren muss, so viel davon gerade immer vordrängt und das Verhalten mitbestimmt, wie es bei einem Maler oft nicht nur beim Malen die Malerei und die bereits von anderen Malern gemalten Bilder, ihre Ausstellungen und der Kunst- und Kunstkonsumprozess um diese Tatsachen, die vielmehr Ereignisse - in den Augen der Menschen - sind. Denn, wo der Maler malt, ist noch lange kein Ereignis für den Rest der Welt und die Heimat des Womanizers ist die hohe See.

"Ich bin Springer" und "Ein Springer entlarvt "Zustände" der deutschen Kunst" vom örtlichen Redakteur so für die Heimatzeitungsleser zubereitet löste viele Reaktionen aus und ruft nach Zusatzinformationen durch den Springer schlechthin, der ja auch ein Dauerläufer ist, wofür er alle drei Tage - auch bei Eis und Schnee - das Laufen übt.

"Ich bin Bremer", denn die bremischen Mädchen sind cremisch. Mein lieber Bruder und Deister-Zeitungs-Leser Günter Möws, was Du Dir denkst, wenn Du sagst, Du könntest nicht sagen, "Du seist Springer", weiß ich nicht genau. Besonders, wenn ich mir vorzustellen versuche, was Du denkst, das ich dabei meine, kommt mir der Verdacht, Du verstündest das falsch ("falsch verstehen" ist hier nicht als "anders verstehen" gemeint, sondern verständnismäßig von "richtig" zu unterschreiten).

Ich bin Springer, wie ich Läufer, Geher, Schwimmer, Flieger und Lieger bin. Was hingegen ist die Wahrheit?? Deine Wahrheit? Wahrheit ist in unserem Fall das, was man für wahr hält. Folgender Satz: "Ich bin ich" und folgender "Ich bin Du", sind gewissermaßen Unsinn aber andererseits wohlverstanden auch wahr! Z. B. schreibt Nietzsche u. a. "als mein Vater bin ich im Alter von 44 Jahren gestorben, als meine Mutter sitze ich mir gegenüber am Küchentisch". So gesehen könnte ich sagen: Als ich bin ich Springer, als mein Bruder Günter bin ich es nicht - aus Deiner Sicht. Aus meiner Sicht könnte ich wahrheitsgemäß sagen: Als ich bin ich Springer, wie ich als mein Bruder Günter auch Springer bin, der sagt, er ist nicht Springer und der sagt, die Wahrheit ist, dass er nicht sagen könnte, ich bin Springer.

Das alles heißt aber: Nach meiner Vorstellung wäre es wahr, wenn Du von Dir sagen würdest, Du bist Springer, Wiebrechtshausener / Wiebrechtshäuser, Erdenbürger, Erdenwurm, Engel, Viehhalter usw. genau wie ich. Oder anders herum, bei Deiner Begriffsverwendung müsste auch ich sagen: Ich bin nicht Springer.

Was also sagt man dem jungen Redakteur von der Neuen Deister Zeitung in Springe, der einem persönlich nicht bekannt ist, der mit seiner freundlichen Freundin, also halb-privat, die Einladung auf den Tag der offenen Tür als Non-Profit-Enterprise-in-the-Arts de Dietmar Moews auch im Namen seines alten Springer Verlegers Karl Schaper, der Dietmars ehemaliger Tischtennis-Clubkamerad und als Druckereibesitzer ehedem Bruder Günters Schriftsetzer-Lehrherr, den wir "Springer" ja noch kennen und mögen, und dessen Diester-Zeitung, dessen Kunde unsere Familie seit Adam und Eva auch dergestalt ist, dass das Bestattungsinstitut des Karl Schaper. Bruders Adolf unseren gestorbenen Vater abholte und entsorgte, wie es das elterliche Testament bestimmt, sowie des anderen Schaper-Bruders Wolfgang, der als Schulklassenkamerad und Freund des Günter Möws jun. Anfang der sechziger Jahre seinen tödlichen Autounfall hatte? Das alles macht einen zum Springer, in der ernsthaften Art, wie viele andere Menschen niemals in ihrem Leben irgendwo Heimat bilden, weil sie mehr wandern, weniger anwurzeln, als wir es von uns Springern sagen können. Das sage ich als Ahasver mit Richard Wagners Fliegendem Holländer und Finanzamt in Springe: der Matrosenchor singt: Steuermann halt die Wacht, in der Dresdner Oper uraufgeführt.
Wenn mein Freund Wolfgang Niemeyer, der in Springe, wo sein Elternhaus steht, jahrelang Bild am Sonntag austrug, als Amateur-Tischtennis-Spitzenspieler in Springe niedersächsischer Jugenddoppel-Meister wurde, in Hameln und Hannover als Fahrschüler sein Abitur machte, später in Schleswig-Holstein bei der Bundeswehr war, in Kiel studierte und dort als erwerbsmäßiger Wirtschaftsprüfer beruflichen Erfolg hat, sagt: Ich bin Schleswig-Holsteiner, so hat das verständlichen Sinn.

Auch mein Vater, der lebelang klagte, mit Pommern durch den Krieg seine Heimat verloren zu haben, war 1924 in Berlin geboren, ging die längste Zeit seiner Kindheit in Berlin zur Schule, studierte in Berlin und lebte nach dem Krieg als Flüchtling in Niedersachsen. In der pommerschen Heimatstadt Köslin hingegen, wo der Großvater herstammte, lebte der Vater nur wenige Jahre, er sprach desungeachtet als Heimatvertriebener von Pommern als seiner Heimat. Zu verstehen hatte man, was er meinte: seinen Verlust; der ließ sich mit Berlin nicht so deutlich symbolisieren wie mit Hinterpommern, Berlin war noch da, aber anders besetzt als mit Heimat, oder?

Ohne seelische oder sentimentale Heimat-Lore manifestiert sich die eigene Person konstituierende Erinnerungs-Folklore. Das kann sich zum Beispiel darin ausdrücken, dass man sich entzieht, dass man schweigt, dass man vom Thema ablenkt, oder, dass man sagt "ich habe Heimat/ich habe keine Heimat", um dann darauf hinzublicken, was man damit wohl meint.

Man sagt aus dieser Sicht zu einer Deister Zeitung tunlichst das, was sie verstehen will, wenn man überhaupt etwas sagen will. Eine solche Zeitung muss quasi ihren Lesern aufs Maul schauen, einschließlich aller Freundlichkeiten und Feindbilder, die dafür herhalten müssen, wie zum Beispiel ich, wenn ich es anbiete, persönlich in der Heimatzeitung zu figurieren, nämlich: als Freund oder Feind, dem Staat da oben und uns Springern da unten, der volksfremden Kunst einerseits und dem gesunden Steuerzahlerverdacht andererseits.

Angenommen, meine Wahrheit wäre, das Kommunikationspotential der Springer bezüglich der Deister-Zeitungs-Rezipienten ansprechen zu wollen, also Freund oder Feind zu sein, dann würde ich das Freundschaftszeichen wählen. Deine Wahrheit wäre für Dich, für Springe, für die Zeitungsausschnitte im Leitzordner usw. die Macht der Selbst-Abgrenzung zu zeigen, in dem Du sagen würdest: ich bin nicht Springer (wäre aber keine druck- oder sendefähige Botschaft für die NDZ). Dann kannst Du Dir das natürlich überlegen. Du sagst etwa: Ich demonstriere meine Macht. Das ist die Macht der Abgrenzung und würdest Feind-Zeichen geben: "Ich bin nur ich!"

Dann allerdings steht dir die Frage gegenüber: Kann man überhaupt ich sein ohne die anderen? Und du prüfst genau und findest Hinweise auf die anderen Menschen, die dich strukturieren und definieren. Und herauskommt: ich bin zwar nicht nur ich, aber ich wehre mich gegen die anderen, die mich derart definieren, wie es mir nicht gefällt.

Aber glaubt man im Ernst, ein Selbstbild bliebe je unverletzt, z. B. wenn nur jemand Unkompetentes dahinsagt, ich kenne Dich, ich verstehe Dich, tritt als Dein falscher Zeuge gegenüber andern auf, schreibt sonst irgendwas oder wasimmer?

Der Witz ist wohl: Wie kann ich durch äußere Disziplin (d, h. auch Selbstverneinung) mit all diesen Fremdbestimmungen, trotz all dieser Gegenkräfte und Widerlichkeiten, durch diese hindurch oder sogar mittels ihrer eigentlich gegen mich gerichteten geistigen Energien, etwas von meinen Orientierungen umsetzen? Eine Wahl, solchen Fragen auszuweichen, haben wir nach Lage der menschlichen Zusammenhänge jedenfalls nicht. Wir können uns so selbst ordnen, dass unser Hineingehen ins Leben die anderen positiv beeinflusst, also nicht nur Angst verbreiten, sondern durch die Lebensausrichtung, die Ich und Du und vieles mehr ausdrückt und erkennbar berücksichtigt, erkannt und anerkannt werden kann.

So steht nicht in den NDZ-Artikeln, dass ich täglich die "alternative" TAZ-Tageszeitung aus Berlin lese, wohl aber Süddeutsche, FAZ, Neue Zürcher und Deister Zeitung, dass ich Mitgründer der Grünen-Gabl und ihrer Bürgerinitiativen-Vorläufern war in der Hannover-Szene, dass ich für den Bonner Bundestag tätig war und dass ich argentinische Musik gespielt und gesungen habe, dass ich als Studiomusiker, Arrangeur und Autor Rundfunkwerbung produziere, dass ich die Springer Montagsmaler-Lustfußballmannschaft mitgegründet habe, befreundet auch mit Gerd Hohmann, der heute die Bier-Bar führt, nicht aber am besagten Tage die Sudetenstrasse aufgesucht hatte und noch so manches, was mich nun in der Neuen Deister Zeitung zum Springer macht.

"Ein Springer entlarvt 'Zustände' der deutschen Kunst". Wo hier die Tüttelchen hingesetzt wurden, bestimmte der Redakteur oder der Setzer, ob "ein Springer", ein "Springer", der "deutschen" Kunst, der deutschen "Kunst" oder Dietmar Möws: "Ein Springer entlarvt Zustände der deutschen Kunst?" und so weiter - wer liest das aber so genau? "Staatsknete" in Tüttelchen jedenfalls, wie in der NDZ? Das kennzeichnet die Staatsknete als ein Zitat von Dietmar. So schmissig habe ich aber weder zu den Lesern sprechen wollen, noch wörtlich oder sinngemäß gesagt oder gemeint, was da anklingt: Der Künstler als Staatsfeind. Meines Erachtens hat der Redakteur aber dennoch seine Arbeit angemessen gemeistert. Denn seine Frage und Aufgabe ist: Komme ich an?

Deshalb will ich zum Thema noch etwas hinzufügen, wozu hier in den ;Malerworten einer Neuen Sinnlichkeit eines Malers Platz hat, was nicht in einem Deister-Zeitungs-Artikel Platz finden konnte z. B. weil ein Foto gedruckt wurde anstatt weiterer Buchstaben, Sätze und ganz vieler Wörter.

Es betrifft 1., die staatlichen Budgets, in der NDZ "Staatsknete" genannt, und die deutsche Kunst. Besser hieße es wohl richtiger: die Problematik öffentlich-staatlicher Finanzquellen zur Kunstpolitik und Kunstdirektion und deren "undemokratische Entscheidungskriterien" und deren "verschleierten Verantwortungslagen".

Im Jahre 1990 lernte ich Dr. Zapp bei einem Vortragsseminar der AIESEC kennen. Dabei handelte es sich um ein Kultursponsoring-Seminar, zu dem die vereinigung der Wirtschaftswissenschafts-Studenten Deutschlands AIESEC und deren Kieler Universitätsgruppe eingeladen hatte, das in einem Hotel des Weißenhäuser Strands an der schleswig-holsteinischen Ostsee stattfand. Eine Hand großwildjägerhaft in der Hosentasche arbeitend, wie der Magdeburger Ministerpräsident Reinhard Höppner beim Leipziger Kirchentag 1997 bei seiner öffentlichen Rede über den Auszug Moses aus Ägypten, dass das Volk Israel laut Bibel nie im gelobten Land angekommen, selbstvergessend knetete, hatte Dr. Zapp, quasi als Oberwirtschaftler unter seinem studentischen Nachwuchs vom Gönnerleder gezogen, wie viele Millionen die Deutsche Bank wie durch ihn und sein hochkarätiges Kunstgremium, bestehend aus den bekannten deutschen Salonpersonnageisten Dr. Gallwitz und Dr. Beye sowie Zapp selbst, ausgegeben hatte und alljährlich ausgibt. Auswahlkriterien für die Kunst oder die herangezogenen Qualitätsmaßstäbe konnte Dr. Zapp nicht darlegen, wobei den VoWis auch vollkommen einleuchtete, dass hochkarätiger Fachverstand an sich immer da zu vermuten ist, wo das Geld ist, kurz, das Gremium bestimmt willkürlich, was Qualität ist, auch aus der von Zapp ausgesprochenen Machtposition heraus, dass Allem, was die Deutsche Bank kauft, spätestens dadurch an Wert und Kuranz auf dem Kunst- und Ausstellungsmarkt zuwächst, Marktgängigkeit, Bekanntheit, Wertschätzung, Kommunikation usw. was eben dazu gehört, wird hingenommen ohne weitere Fragen.

Besonders irritiert war Dr. Zapp dann durch die Fragen anlässlich der abschließenden Befragung, des Dietmar Moews, der als Gast und Kunstorganisations-Soziologe der Einladung der AIESEC auf eigene Kosten gefolgt war (Hunderte von Mark für Hotel, Anreise, z. B. von Kiel nach Weißenhäuser Strand im Taxi), um die Opinion-Leaders und Pacemakers der Kunstfinanzierung und ihren betriebs- und volkswirtschaftstudierenden Nachwuchs ins Auge schauen und anhören zu dürfen, nämlich: wann denn Herr Dr. Zapp zuletzt persönlich und privat ein Werk und nach welchen Auswahlkriterien gekauft hätte? Der darauf sofort und großmännisch mit großen Armbewegungen eine Taxirundfahrt durch zwölf Frankfurter Kunstgalerien aufzählte, wo Millionen geflossen seien, während das Taxi vor der Galerie wartete, und Zapp wie einstmals in E.T.A. Hoffmanns Krespel im Rumgehen nur so mit dem Körper hindeutete, dies oder jenes zu ordern, so in der Art, hier ein Fenster, dort ein Loch in die Wand und da die Tür einschlagen in den Rohbau, während beflissene Kunsthändler nur so auflisteten und Preise addierten. Doch Dietmar Moews fragte völlig unbeeindruckt, aber zum Erstauen der AIESEC-Studenten, die selbst gar nicht auf diese Frage gekommen waren, dennoch aber die Brisanz ahnten, nach. Seine nachfassende Frage zielte aber auf Dr. Zapps Privatkäufe, nicht auf diejenigen als Bankvorstand, auf den Privatkauf von beispielsweise auch einem einzigen Kunstwerk, bezahlt aus der eigenen Brieftasche mit vor Einkommensteuer selbst verdientem, wann zuletzt: was und nach welchen Auswahlkriterien? Zapp erhob die Stimme, plusterte sich auf und gegenfragte, wer sich denn da wohl in die eingeschworene AIESEC-Gemeinde u-bootmäßig eingeschleust hätte, der solche subversiven Fragen sich erlaube? Die Anwesenden waren entsetzt. Der Eklat war unüberbrückbar. War man dem fragenden Dietmar Moews, ohne ihn zu kennen, ja geistig vollkommen gefolgt. hatte dabei die Spielregel für einen Moment versäumt zu kontrollieren, wen man denn mit solchen Fragen da konfrontierte - einen Vorstands-Chef der Deutschen Bank - und dessen Blöße bezeugte auch noch, dass aus Großmanns- und Jungmanns Spiel so plötzlich ernst geworden war. Dietmar Moews überbrückte die Situation, in dem er sich bedankte, als Gast an so einer höchst interessanten professionellen Veranstaltung zugelassen worden zu sein und damit eingeweiht zu werden, so dass er dieser Gunst dankend noch eine weitere Frage aufwerfen möchte, nämlich: Wenn die deutsche Bank Geld für Kunst-Anschaffungen ausgibt und es sich dabei um Betriebsausgaben handele - was von Zapp bejaht wurde - egal ob es sich um Raumausstattungen, Kunstsammlung, Werbung, Sponsoring zur Kommunikationsförderung, Corporate Identity und als was die Widmungszwecke buchhalterisch alle bezeichnet werden mögen und können, dass sie als solche vom Prüfer und von der Finanzbehörde als bilanzrelevant akzeptiert werden, d. h. Kosten verkleinern den Ertrag, womit bei Gewinnminderung die zu zahlende Steuersumme verkleinert würde, also die Frage, ob die Deutsche Bank ihre Kunstanschaffungen alljährlich bewertet und als Aktiva buchführen würde? Und wie es sich dabei mit Werken von Künstlern, die erst durch den Bank-Kunstkauf aufgewertet worden wären, wessen Kunstförderer Zapp sich ja eingangs ausdrücklich selbst lobte, hinsichtlich einer erhöhten Neubewertung verhielte? Diese Frage ist nun vermutlich für den hier lesenden Laien schwierig zu ermessen und der Sachverhalt vielleicht für den Steuer- und Buchhaltungsfachmann nicht präzise dargestellt.

Jedenfalls war die AIESEC-Veranstaltung damit sozio-psychologisch am Ende. Das Problem war anspruchsvoll. Der Referent Dr. Zapp hatte aber in seinen oberflächlichen und angeberischen Ausführungen kein einziges solch interessantes Problem nur aufgeworfen oder angerührt, konnte letztlich zur Qualitätsauswahl und zur Behauptung, dabei handele es sich um Kunstförderung, wo es sich eindeutig um Kunsthandel und Kunstfinanzierung sich drehte auch nichts vorbringen. Und Dietmar Moews nun auch noch mit dem Katalog der Deutschen Bank-Twin-Towers in Mainhattan aufwartete, in dem aber Förderungsbedarf und Jugend der Deutsch-Bank-Geförderten keinesfalls dokumentiert werden und alles als Etikettenschwindeleien des Dr. Zapp in seiner Selbstdarstellung hervortrat, die den Jungbetriebswirtinnen und -wirten, mit wenig Ahnung vom Kunstbetrieb, hier vor Augen kamen.

Der Maler Dietmar Moews ist in der Sammlung von Dr. Zapp nicht vertreten. Fragend blickt er in die Runde. Aber 1993 wurde Dietmar Moews von seiner Deutschen Bank-Filiale München ein verabredungsgemäß als Haben-Konto geführtes Giro-Konto gekündigt. Hier waren nur Einzahlungen und Überweisungen getätigt worden und das Konto wies immer nur wenige Hundert Mark Haben aus, niemals zwar waren Überziehungen vorgekommen, aber das Bankgeschäft an einem solchen Kunden, der außerdem noch bei der Stadtsparkasse Hannover und bei der Postbank München war, was ja bankintern zu wissen keine bankgeheimnisartigen Umstände bereitet, war einfach nicht mehr interessiert, so dass das restliche Guthaben zwecks Kontoauflösung unverzüglich ausgezahlt wurde. Da gehste zur Bank und kommst ohne Konto mit dem Bargeldrest wieder raus. Sodass Dietmar Moews zwar heute weiß, was die Deutsche Bank für eine kriegerische, den Hitlerrüstungsaufwand finanzierende Macht gewesen ist (Omgus), dass die Deutsche Bank heute kaum noch als deutsche, sondern als internationale Bank das Geld zu melken versucht, wir also insgesamt die Banken lieben sollen und nicht nur mehr die deutschen allein und für sich, sondern auch Dietmar Moews persönlich liebt seine Bank. Schließlich fördert sie ja die Kunst privatwirtschaftlich und nicht Giro-Kleinstkunden. Wo käme sie sonst hin?

Im Katalog der internationalen Kunstmesse "art forum berlin 1998" schreibt Herr Dr. Herbert Zapp, Vorstand der Deutschen Bank in Frankfurt am Main, noch immer der Kunstkäufer des Hauses: Von Joseph Beuys und Horst Antes bis hin zur Generation der Neuen Wilden ... mit dem Aufbau einer Sammlung zeitgenössischer Kunst die Förderung vorrangig junger Künstler und ihrer Galeristen zu verbinden."

Wo hier die vorrangig jungen sind, bleibt ein Lippenbekenntnis. Auch die sogenannten Wilden sind ja jahrgangsmäßig 68er, Lüpertz, Hödicke, Penck, Baselitz, Kiefer und wie die Deutschbankkünstler alle heißen, gehn auf die Pension - vielleicht, das Geld macht sie jung?

So heißt es denn auch weiter im Zapp-Katalogtext: "Nach langjähriger Zusammenarbeit mit den Galeristen Wolfgang Wittrock und Fred Jahn trifft sich die Ankaufskommission seit einiger Zeit in den Galerieräumen von Bärbel Grässlin in Frankfurt. Hier wird die vom Kunstteam der Deutschen Bank und der Galerie getroffene Vorauswahl präsentiert und über die Ankäufe entschieden."

Auch hier hören oder lesen wir nichts von den Entscheidungskriterien der Kunstqualität. Aber das auszugebende Geld rührt aus steuermindernden Ausgaben, die unser aller Fiskalstaat hab ihn seligs Steuersack erleichtern. Wieso aber diese Herrlichkeit ohne öffentliche Legitimation? ohne Auskunft und nachvollziehbare Begründung?

"Angekauft wird, wenn irgend möglich, über Galerien. Nach individuellen Konzepten werden die Ankäufe in den Geschäftsstellen platziert - auch im Ausland, wo Arbeiten deutscher und inländischer Künstler kombiniert werden. Der internationale Charakter der Sammlung entspricht der Entwicklung der Kunstszene und dem Profil der Bank." Soweit der art forum berlin-Katalog 1998.

Wenn das man klar würde: Das internationale Profil der deutschen Bank, was das wohl ist? Waren wir in Bagdad mit an Bord oder nur bei CNN live dabei? Man wird ja noch fragen können, oder? Denn die Neue Deister Zeitung benutzt Begriffe wie "deutsche Kunst", weil der Springer Steuerzahler auch in Deutschland Steuern zahlt. Das ist ein Interessenkonflikt. Deutsche Kunst und Deutsche Bank und deutscher Steuerzahler können nicht einfach mit dem Stichwort "Globalisierung" oder "Kosmopolitismus" in einen Topf und abgetan werden.

Entsprechend lässt sich auch nicht einfach von deutscher Kunst oder einzig in Deutschland anerkannter Kunst sprechen, wie es die Zeitung Moews zitierend kurzfasste. Tatsächlich hat sich um die reichlichen Staats-Kunstbudgets ein weitreichendes Personnage-Kartell gebildet, das weniger das Geld für Künstler ausgibt als für sich selbst, um sich beamtisch oder intermediär zu platzieren. Der in der NDZ besagte Minisiterialrat G., nämlich Gerhard Grabenhorst, SPD, Minsiterium für Wissenschaft und Kunst des Landes Niedersachsen in Hannover, inzwischen Ruheständler, praktizierte das "Modell Folgeförderung", zitiert sei eine offiziale Schrift der SPD-Kunstpolitik der Landesregierung des Landes Niedersachsens: "Man erfand das Modell Folgeförderung ( ... ) ein interner Ringeltanz. Man fasst sich an die Hände und sagt: Gut, dass wir uns gefunden haben, und wir lassen nicht mehr los." (v. Düring Hrsg. 1989 S. 72).

Das ist schon erstaunlich, wie drohnenhaft und breitärschig solche wilden Kollektivgebilde das Kunstfeld besetzen konnten, nach New York ins P1-Stipendium, nach Paris ins Cité, nach Rom in die Villa Massimo, nach Olevano, nach Worpswede, Goetheinstitute in aller Herren Länder rauf und runter, bis in den Kunstverein Hannover und als Berufener, Lehrer mit Professur, ohne irgendwelche Leistungsnachweise außer der Parteidienlichkeit à la Siegfried Neuenhausen in Hannover und Braunschweig; die Gruppe 10/9 Großgörschen wirds bestätigen müssen, der Maler und Zeichner Leiv Donnan zum Beispiel oder seine Frau Edith.

Es ist nur zu hoffen, dass dieser Salonpersonnage-Spuk mit den Finanz- und Steuerdefiziten der öffentlichen Kassen endlich endlich aufhört. Ein Staat, der seine Kreativität wegorganisiert und sich dabei so verirrt, dass er es selber nicht merkt, hat aufgehört zu lernen, und siecht mit Krämpfen des pathologischen Lernens seiner Kunstorganisation dahin.

Wir anderen ernähren uns derweil vom Reichtum der historisch überlieferten Kunst und erlaben unsere Seelen an der Inspirationskraft, die von Arts and Crafts, der handwerklichen Leistungen, ausgeht. Denn Krieg im Modell Folgeförderung der Parteibonzen untereinander um die Fleischtöpfe können künstlerisch Begabte nur unter Verlust und Deformierung ihrer Menschlichkeit annehmen.

Der skandalöse Krieg, der hier zu entlarven ist, findet mittels der vereine und verbände seine Segregations- und Legitimationsressourcen, von denen der neue Schröder-Kunstfritze Naumann sagt: das Potential der Vereine und Verbände, der Stiftungen und Intermediären Nichtregierungsorganisationen sei noch gar nicht voll ausgeschöpft und erkannt. Er hingegen scheint es erkannt zu haben. Denn das intermediäre NGO-System kann eine Bundesregierung von Leistungs- und Gestaltungsdruck zur Lösung der kunstorganisatorischen Problemstellungen suspendieren, vom modernen anspruchgeleiteten Problemlösungsdruck erleichtern und gleichzeitig noch fein demokratisch anstreichen, bei Auslagerung von Staatsaufgaben und Abkopplung des dadurch nicht weiter selbstbestimmten Berufspersonals deutscher Kunstproduktion wie sonstiger Kunstproduktion in Deutschland und von Deutschland aus in die Welt. Das Gleiche gilt für die Distribution, die Konsumtion und die Information, allesamt mit ihren auf diese Weise lahmgelegten Kommunikationsressourcen im Kulturstaat.

Jetzt fehlt uns nur noch die Bundeswehr e.V. ohne parlamentarische Kontrolle oder Bürgerinformation: Demokratie im Ausnahmezustand durch "Nicht-Regierungs-Organisation" - Nein Danke! Es reicht das Informationsdefizit aufgrund der ausnahmezustandsbegründeten Militärgeheimnisse bei Krieg. So die Malerworte hier. Ich vergleiche also ganz bewusst die Bundeswehr mit der Kunst, den Bundesverteidigungsminister mit den Kunstministerien: Wer anschafft zahlt. Das ist in der heutigen Kunst eine Staatsquote von ca. 98 % Anteil am volkswirtschaftlichen Gesamtaufkommen für die Kunstfinanzierung (IFO/München).

Wir haben es also mit einem allgemeinverständlichen Problem in der großen deutschen Kunst zu tun. Das Problem in der Kunst ähnelt dem der Gesundheitspolitik und den Ärzten. Wir werden nicht gefragt, ob ein Künstler oder ein Arzt reich werden kann oder dürfen soll, das ist seine Sache. Wir nicht gefragt, ob ein Künstler oder ein Arzt die regeln seiner Kunst ordentlich ausübt, darauf verlassen wir uns durch konsumentenseitige Kontrolle, sofern das überhaupt klappt, denn welcher Patient kann schon einen sinnlos prothetisch versorgten Zahn von einer anderen Lösung unterscheiden oder wer einen Zapp von einem Beuys? Andererseits legt die Politik die Rahmenbedingungen dafür fest, dass eine Grundversorgung und Bereitstellung überhaupt möglich ist.

Die Ärzte diskutieren zumindest - über Geld. Die Künstler nicht. Sie sind als Interessentengruppe so doof, wie Stroh und denken, bin ich nur genial, wird sich das schon durchsetzen (bevor der Hosenboden durchgesessen ist vielleicht) und treten nach einigem Zaudern endlich in die Partei ein, um zu merken, es hatten schon andere dieselbe Idee, es reicht nicht für alle, jeder gegen jeden, wie in Marx' Pariser Manuskripten die Parcellenbauern und Kartoffeln im Kartoffelsack, isoliert voneinander, zersetzt, zersplittert, letztlich verfault, vertan, futsch.

Ich wünsche den Ärzten und ihren gewählten Stellvertretern guten Geist für ihre Sache, die uns alle angeht. Für die Künstler wünsche ich die Staatspleite. Dann wird notgedrungen konsumentenorientiert produziert und die Strukturen der Kultur kämen vom Leben her und nicht umgekehrt, was irgend welche Künstlertrottel zur Allseligmachung aus ihrer eitlen Seele quengeln, würde staatsseitig allokatiert. Vielleicht kauft ein Arzt eine Kunst, nachdem er alle Apparate, alle reisen, alle Frauen, alle Eric Clapton Konzerte und alle Harley Davidsons abbezahlt hat, halt, den Morgan Plus 8 hatte ich noch vergessen und den Volkshochschulkurs Scientology auf Französisch, für die er und mit ihm seine Leute im Club Mediterrannée auch einstehen. Nichts gegen Clubreisen.

Es ist nicht einzusehen, warum ein Arzt von der Kasse einem anderen vorgezogen wird, ein Facharzt einem allgemeinem, wenn beide den Kranken in ihrer Art helfen. Dagegen ist die Frage des Einsatzes von Kapital und Gerätemedizin eine rein private marktwirtschaftliche, derart, dass der kapitalreiche Arzt sein Kapital sonstwo anlegen kann, um es zu maximieren. Er darf seine privaten Kapitalziele aber nicht über die Verteilung- und Bemessungsgrundlagen hinsichtlich der allgemein anerkannten Grundversorgung und Bereitstellung nötiger Hilfe mit seinen fachlichen Entscheidungen und seinen profitorientierten verwechseln.

Insofern sind die bei Knappheit der Finanzen aufgeworfenen Fragen der Gesundheitspolitik richtig und dringlich. Und die Probleme vieler Ärzte sind nicht in falscher Gesundheitspolitik allgemein sondern speziell und standesintern begründet. Hierauf wurden die Ärzte nun durch die Kostenbegrenzung zurückgeworfen, aber die Probleme der innerärzteverbandlichen Konkurrenzen und begehrlichkeitsbegründeten Konfliktlagen sind dadurch allerdings keineswegs gelöst; denn Demokratie ist auch hier eine Frage der politischen Zuverlässigkeit der Stellvertreter und der Exponenten. Gelernt haben wir von den Ärzten als intermediäre Organisatoren eigener Probleme und Klienten bislang nichts Neues. Im Gegenteil, das Leid tritt hervor. Und Herr Naumann entdeckt dahinter noch viel ungenutztes Potential.
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