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DIETMAR MOEWS'
LEXIKON DES KUNSTWESENS
BRUNO TAUT



Taut, Bruno, geb. 1880 Königsberg, Preußen, gest. 1938 in Istanbul, Türkei, war als erster Licht- und Farben-Architekt der frühen sogenannten Deutschen Moderne, zur Zeit der Weimarer Republik, die durch die Nazis abrupt zu Ende ging, beteiligt, Stadtplaner, Bauunternehmer, Stadtbauamtsleiter, Schriftsteller, Herausgeber, Maler und Zeichner,

wuchs als 2. Sohn des Kaufmanns Julius Taut in Königsberg auf, Abitur, Lehre im Baugewerbe Beton und Monierbau, Baugewerkeschule, als Architekt Mitarbeiter in Hamburg, Wiesbaden und Berlin, (Weltausstellung St. Louis), 1904 bei Prof. Fischer in Stuttgart (Pläne der Universität Jena), 1906 Hochzeit mit Hedwig, geb. Wollgast, Chorin, 1908 Technische Hochschule Charlottenburg, 1909 selbständiges Büro mit Franz Hoffmann und Bruder Max Taut, Bürohäuser, Siedlungsbau in Berlin und Falkenberg (>Kolonie Tuschkasten< mit exzessiv-farbigen Außenmauern) und >Reform< in Magdeburg (als Prinzip der Natur, den Farbraum ins Innere der Wohnungen hineinzunehmen), Warenhaus Wertheim, Bebauungsplan Adlershof, Ost-Havelgelände, ehemaliger Flugplatz Johannistal Plaue, 1911 Kirche in Bieden, 1912 Entwurf eines Theaters, Bebauungsplan Eichwalde, 1914 Leipziger Internationale Baufachausstellung mit Staatspreis, "Glashaus" der Deutschen Werkbundausstellung Köln, Kriegswirtschafts- und Siedlungsbau Pulverfabrik bei Brandenburg, 1916 Konstantinopel-Reise, (Sehnsucht nach dem Sonnenaufgang im Morgenland) Ingenieur bei Industriewerk Bergisch-Gladbach, Arbeiterwohnungen Hohenlohe-Hütte in Kattowitz, Oberschlesien, 1919 Ledigenheim Berlin-Schöneberg, Filmmanuskript: Die Pantinen des Glücks, 1920 Entwurf Folkwangschule Hagen, Bühnenbauten für das Deutsche Theater in Berlin, Bund Österreichischer Architekten, "Alpine Architektur"-Kristallbauten: vom Stall zum Stern ist eine feste Kette, Ts Architektur ging von den konkreten Erfahrungen und Wünschen der Gesellschaft aus (der Sozialismus des Künstlers), "Je mehr wir die Architektur als Gesellschaftskunst ausgaben, um so mehr legten wir sie in die Hände der Gesellschaft und gaben den Politikern das Recht, uns Lehren über Architektur zu erteilen (Kaganowitsch in der U.S.S.R., Mussolini in Italien, Hitler in Deutschland)", 1921 Stadtbaurat Magdeburg, Generalbebauungsplan, Wohnsiedlung Magdeburg-Crakau, Eisenbetonhalle "Stadt und Land", 1924 Gemeinnützige Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (Gehag) Berlin ca. 12.000 Wohnungen in Gartenstadtsiedlungen und Stockwerkshäusern, "Onkel Toms-Hütte" Zehlendorf, Hufeisensiedlung Britz, Wohnstadt Carl Legien Prenzlauer Berg Bürohäuser, Gymnasium Senftenberg, einige Villen, Gesamtschule Neukölln, 1924 Filmmanuskript: Zeige mir, wie Du wohnst! 1927 eigenes Wohnhaus in Dahlewitz, Kollektivismus als stilbildender Faktor, weder Kirche noch Feudalismus hätten weiterhin die stilbildende Führung, architektonische Geschmacksfragen als soziale Fragen, 1930 Berufung zum Volksbildungsministerium zum Professor für Siedlungs- und Wohnungswesen der technischen Hochschule Charlottenburg, Ehrenmitglied des American Institute of Architects, Wahl in die Akademie der Künste, Mitglied der NSDAP, 1932 Einladung der Stadt Moskau, 1932 nach Japan, wo er den Doktorgrad erwarb, vier Bücher über Japan-Studien, 1933 Bebauungsplan der Umgebung Osaka, Privat-Wohnbau, Kunstgewerbe und Möbelarbeiten, 1936 Leiter der Akademie der Schönen Künste in Istanbul und beim Unterrichtsministerium Ankara, Universitätsbau, Akademiereform, Wettbewerbe, Synthese zwischen Moderne und Tradition, ca. 20 Projekte in der Türkei mit umfangreichem Büro, deutsche, u. türkische Mitarbeiter, Istanbul 1937, Urteil des Finanzgerichts zu RM 20.000 Reichsfluchtsteuer: "Wer aus dem preußischen Staatsdienst wegen politischer Unzuverlässigkeit entfernt worden ist, ist zu einem nachhaltigen Eintreten für deutsche Kultur, für deutsche Art und deutsches Wesen, wie es eine Freistellung von der Reichsfluchtsteuer nach §2 Nr.3 erfordert, ungeeignet. Auf die Parteizugehörigkeit und das Mitgliedbuch kommt es nicht an, sondern auf die Gesinnung, die aus seinem Verhalten zu entnehmen ist und die ihn in die Gruppe der vaterlandslos gesinnten, internationalen Defaitisten verweist." 1938 Retrospektive sowie Publikation der "Architektur-Lehre" in Türkisch, Tod Ts am 24.12.1938.

T war kein Revolutionär der Bauformen, der schöne Gebrauch und die Vorstellung eines gemeinschaftlichen Zusammenlebens freier Individuen und dessen räumliche Darstellung im städtischen Plan waren ihm wichtiger als avantgardistische Formalallüren. Ts Weltbild verbindet östliche Vorstellungen mit den mystischen Traditionen Europas als ergänzendes Miteinander von Alltag und geistigem Pol.
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